Dienstag, 28. April 2015

Für Patienten

Kinderwunsch: Mit genauer Familienplanung zur gewünschten Schwangerschaft.

Kinderwunsch: Familienplanung führt zur gewünschten Schwangerschaft.

26.08.2011
Von: Dr. Renate Leinmüller, Foto: BilderBox.com
Artikel Nummer: 18046
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Erwünschte Schwangerschaft: Familienplanung mit Ü40-Strategie

Bei unerfülltem Kinderwunsch helfen oft doch noch eine Hormonbehandlung, Insemination oder eine In-vitro-Fertilisation.


Eigentlich sind Katja und Jürgen ein Vorzeigepaar: Sie leitet als Senior-Produktmanagerin mit 37 Jahren ein kleines Mitarbeiterteam, er ist Prokurist in gesicherter Position. Jetzt fehlt nur noch ein Kind zum Glück.


Das erfolgsgewohnte Duo probiert es seit gut einem Jahr, aber Katja wird einfach nicht schwanger. Deswegen suchen die beiden professionellen Rat und erfahren, dass ihr Problem keineswegs selten ist – etwa jedes siebte bis zehnte Paar in Deutschland hat Probleme bei der Familienplanung.

Jede zehnte Schwangerschaft benötigt im Vorfeld Unterstützung

Bei jeder zehnten Geburt, erklärt Dr. Georg Wilke vom Kinderwunschzentrum in Hildes­heim, seien medizinische Maßnahmen im Vorfeld notwendig, damit es zu der gewünschten Schwangerschaft komme. Tendenz stei­gend.


Ein maßgeblicher Grund dafür ist, dass Kinder immer später „geplant“ werden: Erst kommt die Berufsausbildung, dann die Karriere, dann die Kinder.

Chancen der Schwangerschaft schon ab 30 Lebensjahren minimiert

„Eine Frau mit 30 Jahren hat aber bereits eine schlechtere Ausgangssituation als eine 25-Jährige, ab einem Alter von 35 Jahren tickt die Uhr in den Eierstöcken bereits ziemlich langsam und mit 40 ist sie weitgehend abgelaufen“, erklärt der Frauenarzt Wilke.


Zu diesem Zeitpunkt sind die Chancen, innerhalb eines Jahres spontan – also ohne ärztliche Nachhilfe – schwan­ger zu werden, stark vermindert: Während es bei sieben von zehn 25-Jährigen dann „einfach so“ klappt, können nur weniger als vier über 40-Jährige mit einer Empfängnis rech­nen.

Erheblicher Teil dieser Schwangerschaften endet mit Fehlge­burten

Der Grund dafür liegt in der Natur der Sache: Bei der Frau sind die Eizellen, die in der fruchtbaren Zeit ihres Lebens heranreifen, bereits bei der Geburt komplett in den Eierstöcken angelegt. In diesem Reservoir ruhen also etwa 400 000 bis eine Million der weib­lichen Keimzellen.


Mit der Pubertät und dem Einsetzen der Periode beginnt die frucht­bare Lebensphase – Monat für Monat nimmt dann der Vorrat langsam, aber sicher ab, mit steigendem Alter immer schneller. Die kritische Grenze von einigen Tausend Eizell­bläschen wird mit Anfang 40 erreicht.

Schawangerschaft tritt meist nur in einem von drei Zyklen ein

Einige Tausend, so mag man denken, sind doch mehr als genug, wenn nur eine Ei­zelle befruchtet werden muss! Im Prinzip ja, in Wirklichkeit nein. Denn ein Teil der Vorstufen verkümmert bzw. wächst nicht weiter.


Damit aber eine einzige Eizelle zur vollen Reife kommt, müssen von den Vorstufen mindestens 30 monatlich heranreifen. Und diese eine Eizelle muss dann auch noch befruchtet wer­den. Das klappt aber selbst unter besten Voraussetzungen – Mann und Frau jung und gesund – nur in einem von drei natürlichen Monatszyklen.


Je älter die Frau, desto älter die Eizellen: Bei den Reifeteilungen wird die Erbsubstanz nicht richtig verteilt, die Befruchtung klappt weniger gut und es kommt deshalb oft zu sehr frühen Abgängen.  

Erwünschte Schwangerschaft: Rat vom Frauenarzt einholen!

Katja hat also zu­erst beim Frauenarzt Rat eingeholt. Bei der körperlichen Untersu­chung fanden sich keine Auffälligkeiten, im Ultraschall waren Eierstöcke und Gebärmutter normal geformt.


Um möglichen hormonellen Schwierigkeiten auf die Spur zu kommen, hat sie dann jeden Morgen vor dem Aufstehen ihre Körpertemperatur gemessen. Katjas Monatszyklen waren nicht ganz so regel­mäßig, wie sie hätten sein sollen. Was insofern frustrierend war, als das Paar auf Anraten des Gynäkologen ein bis zwei Tage vor dem Eisprung Verkehr haben sollte, um die Chancen für eine Befruchtung optimal zu nutzen.


Jürgen fühlte sich insgeheim schon als „Zuchtbulle, der laufend ran muss“. Um sicher zu sein, dass die Spermien des Mannes bis zur wartenden Eizel­le „vorrücken“ können, kontrollierte der Frauenarzt am Morgen nach dem Verkehr den Gebärmutterhalskanal – fand aber nur wenige Spermien, die sich eher schwach bewegten.

Den Weg zur Schwangerschaft durchaus auch über den Andrologen gehen

Das kann zwei Gründe haben: Entweder werden die Spermien durch den Schleim auf dem Weg zur Gebärmutter lahmgelegt oder der Mann produziert zu wenige oder nur ungenügend bewegliche Samenzellen.


Nun war auch Jürgen an der Reihe mit genaueren Untersuchungen. Ein Urologe oder ein Androloge – ein Männerarzt – kann klären, ob organische Störungen vorliegen und ob die Spermienqualität der Norm entspricht.


Das Ergebnis kam für das Paar nicht ganz unerwartet – die Zahl der Spermien in Jürgens Samenprobe war deutlich einge­schränkt. Der Urologe riet zur einer Paar­be­handlung beim Spezialisten, weil Katja inzwischen 38 Jahre alt war und die Zeit drängte.

„Feindliche Invasion“ der Spermien verhindern Schwangerschaft

Im Kinderwunschzentrum behandelte Dr. Wilke zunächst die unregelmäßigen Zyklen von Katja mit einer leichten Hormontherapie, um den Eisprung zu terminieren. Mithilfe eines speziellen Tests wurde außerdem klar, dass tatsächlich der Schleim am Eingang des Gebärmutterhalskanals die Spermien als „feindliche“ Invasion schach­matt setzte.


Aber auch bei dieser Konstellation an Hindernissen kann nachgeholfen werden: durch Einbringen der Spermien direkt in die Gebärmutter, Insemi­na­tion genannt.

Schwangerschaftstest nach 14 Tagen

Dazu wird das frische Sperma aufbereitet, von Begleitstoffen be­freit und konzentriert. Nachdem die „geballte Ladung“ mit einem klei­nen Katheter direkt in die Gebärmutter eingebracht ist, braucht man Geduld: Wenn die Eizelle befruchtet wird, ist der Schwangerschaftstest nach 14 Tagen positiv.


Katja und Jürgen hatten Glück. Nicht immer sei die Situation allerdings so einfach, erklärt Dr. Wilke vom Kinderwunschzentrum: Keineswegs selten seien nach seinen Erfahrungen bei der Frau hormonelle Stö­rungen aufgrund einer Fehlfunktion der Schilddrüse oder eine Überproduktion männ­licher Hormone in den Eierstöcken verantwortlich, wodurch die Eizellreifung gestört sei. Oft sei bei den diffizilen Hormonbehandlungen dann viel Geduld notwendig.

 

Sind die Eileiter verklebt, hilft übrigens auch die Insemination nicht. In diesen Fäl­len werden Eizellen aus den Eierstöcken entnommen, im Reagenzglas mit Spermien vermischt und der vier- bis achtzellige „Embryo“ dann in die Gebärmutter zurückge­ge­ben: medizinisch IVF, In-vitro-Fertilisation. Hat der Mann so wenige Spermien, dass man sie „suchen“ muss, können diese direkt in die Eizelle eingebracht werden – das nennt man dann ICSI, intrazyto­plas­matische Spermieninjektion.


Die „Wurzeln“ der gestörten Fruchtbarkeit
Die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit finden sich zu 30 bis 40 Prozent beim Mann oder bei der Frau – und zu einem etwa gleich hohen Prozentsatz bei beiden Partnern. Am häufigsten ist bei der Frau das Zusammenspiel der Hormone gestört, an zweiter Stelle folgen Probleme mit den Eileitern. Beim Mann wiederum bleibt die Suche nach den Ursachen in den meisten Fällen erfolglos. Auch in der Behandlung sind die Frauenärzte den „Männerärzten“ weit voraus: Bildgebende Verfahren machen angeborene Fehlbildungen sichtbar, die oft chirurgisch zu beheben sind. Über Hormontests sind Störungen der hormonellen Regelung zu erkennen, die sich oft durch eine fein abgestimmte Hormontherapie „ausbalancieren“ lassen.

  • Fruchtbarkeitsstörungen beim Mann

Verantwortlich sein können: gestörte Reifung der Spermien durch Hodenhochstand, Hodentumor, Krampfadern am Hoden, Entzündungen der Hoden (z.B. als Komplikation von Mumps), gestörter Transport der Spermien durch Verletzung des Hodens, Entzündungen, Fehlbildungen oder komplettes Fehlen des Samenleiters sowie Infektionen im Nebenhoden.

  • Fruchtbarkeitsstörungen der Frau

Verantwortlich sein können: Störungen in den Eierstöcken, also hormonelle Probleme, Störungen in der Gebärmutter, Fehlbildungen der Gebärmutter, gutartige Wucherungen des Gebärmuttergewebes oder der Gebärmutterschleimhaut, Polypen, Endometriose, gestörte Eileiterpassage, Verklebungen durch Entzündungen.

 

Bessere Chancen
Der einfachste Weg zu einer Schwangerschaft ist der beste. Schon mit relativ simplen Maßnahmen lassen sich die Chancen deutlich verbessern:

  • Frühzeitig die Schwangerschaft planen und eventuell notwendige Impfungen (Röteln) abklären.
  • Unter- und Übergewicht normalisieren.
  • Auf Nikotin und übermäßigen Alkohol­konsum eine Zeitlang verzichten.
  • Gesunde Lebensweise mit Ruhepause und Spaziergängen.
  •  Stress möglichst vermeiden.
  • Geschlechtsverkehr kurz vor dem Eisprung.
  • „Pausen“ einlegen und die Dinge „laufen lassen“.

 


Welche Tageszeit ist die fruchtbarste?
Antwort weiß Professor Robert Edwards, „Vater“ des ersten IVF-Kindes
Gute Aussichten auf Erfüllung des Kinderwunsches gibt es am Nachmittag. Ein Rat von Prof. Edwards: „Wenn die Zeit ‚reif‘ ist, empfehle ich ein gemütliches Mittagessen – am besten mit einer Flasche Rotwein. Das entspannt und macht müde. Das Mittagsschläfchen muss ja dann nicht zwingend mit dem Einschlafen beginnen …“

 

Unerfüllter Kinderwunsch
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