Freitag, 29. Mai 2015

Für Patienten

30.11.1999
Von: AZA
Artikel Nummer: 14352
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Löffelchen-Sex lindert Rheumaschmerz

Rheuma und Sex sind kein Widerspruch: Auch Rheumapatienten können eine erfüllte und weitgehend schmerzfreie Sexualität haben. Ein paar praktische Tipps helfen weiter.


Probleme beim Sex sind bei Rheumapatienten keine Seltenheit – davon zeugen zahlreiche Blogeinträge in einschlägigen Internet-Patientenforen. Dennoch vertrauen sich die wenigsten ihrem Arzt an. Stattdessen wird die sexuelle Aktivität stillschweigend zurückgenommen oder gänzlich eingestellt. Dies sei nicht hinnehmbar – zumal es durchaus Möglichkeiten der Abhilfe gibt,  so der niedergelassene Internist und Rheumatologe Dr. Joachim-Michael Engel aus Bad Liebenwerda.

Dabei sollte man die Sexualität nicht nur unter dem Aspekt des Lustgewinns betrachten, sondern auch als heilende Kraft. Denn Erregung und Orgasmus führen zur Freisetzung von körpereigenen Steroiden und anderen Hormonen wie Oxytocin. Daher haben Rheumakranke oft nach dem Sex sogar weniger Schmerzen. Doch wie soll man diese heilende Kraft nutzen, wenn der Akt selbst Pein verursacht?

Nachmittags ist der beste Zeitpunkt

Zunächst gilt es, die Sexualität den aktuellen Erfordernissen anzupassen. Dazu gab Dr. Engel auch praktische Tipps: Bei der Wahl des optimalen Zeitpunktes sollten sowohl die Morgensteifigkeit als auch die abendliche Erschöpfung berücksichtigt werden. Viele Rheumapatienten fühlen sich nachmittags am wohlsten.

Lustkiller wie Bandagen sollten bereits vor dem Liebesspiel entfernt werden. Auch Arznei- und Salbengerüche wirken nicht gerade stimulierend. Da das Öffnen einer Kondompackung mit rheumatischen Fingern zum Geduldspiel ausarten kann, sollte dies bei Bedarf vorher erfolgen.

Das Vorspiel ist bei Rheumapatienten noch wichtiger als bei Gesunden. So kann beispielsweise ein warmes Bad mit Kerzenlicht und Musik, vielleicht auch eine sanfte Massage mit Duftölen wesentlich zur Entspannung beitragen.

Durch entlastende Positionen beim Sex sollte vermieden werden, dass der Rheumakranke unter dem Gewicht des Partners zu leiden hat. Generell sind daher Stellungen zu bevorzugen, bei denen der rheumakranke Partner oben bleibt – die Missionarsstellung ist also nichts für rheumakranke Frauen. Eine der geeigneten Stellungen, die man Rheumakranken empfehlen sollte, ist die „Löffelchen“-Position. Dabei liegen beide Partner seitlich nebeneinander, sie vorn, und der Penis wird von hinten in die Vagina eingeführt. Diese Stellung hat den Vorteil einer sehr innigen Vereinigung, weil ein ausgeprägter Körperkontakt stattfindet, betonte Dr. Engel, und sie lässt sich auch bei körperlicher Erschöpfung praktizieren.

Ein kleiner Klaps als Schmerzsignal

Wichtig ist es auch, dass die Partner Geheimzeichen miteinander vereinbaren, um sich stimmungstötende Schmerzäußerungen zu ersparen. Dieses vorher vereinbarte Zeichen kann zum Beispiel ein Klaps oder ein bestimmter Laut sein, der dem gesunden Partner signalisiert: „Halt, das tut weh.“ Hierauf kann der Partner die schmerzhafte Aktion stoppen.

Schaukeln statt stoßen

Für hilfreich hält Dr. Engel zudem ein generelles Umdenken: So werde der Geschlechtsverkehr von Männern oft mit „Stoßen“ assoziiert. Doch es gebe noch mehr Wege, zu sexueller Befriedigung zu gelangen. Die Partner sollten auch kreisende und schaukelnde Bewegungen ausprobieren. Da die Vagina an ihren äußeren Rändern am empfindlichsten ist, kann auch eine Teilpenetration sehr anregend und angenehm sein. Durch alle diese Tipps kann, so die Erfahrung von Dr. Engel, vielen Rheumapatienten zu einer erfüllten Sexualität verholfen werden.

 

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