Freitag, 27. März 2015

Für Patienten

18.02.2006
Von: Martin Wiehl
Artikel Nummer: 8346
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Marathon trotz Asthma? Na klar!

Asthmatiker wissen: Körperliche Anstrengung kann bei ihnen leicht zu Luftnot führen. Selbst relativ „softe“ Sportarten wie Nordic Walking und Joggen sind nicht ungefährlich, da auch dadurch das so genannte Anstrengungsasthma ausgelöst werden kann. Viele Asthmakranke verzichten deshalb ganz auf Sport, sogar manche Ärzte raten davon ab. Dass es auch anders geht, zeigt ein Projekt in Hamburg: 13 Asthmatiker haben dank einer 10-monatigen Vorbereitung erfolgreich am New-York-Marathon teilgenommen.


Anna G. aus Hamburg, 23 Jahre alt und Studentin, ist eine von ihnen. Als sie mit dem Laufen anfing, schaffte sie gerade mal einen Kilometer, dann ging ihr die Puste aus. Als Lungenfacharzt Dr. Hartmut Timmermann die junge Frau fragte, ob sie an dem Projekt „New York Marathon“ teilnehmen möchte, war sie total überrascht. Denn als ihr Arzt wusste er ja, dass sie große Angst vor einem Asthma-Anfall hatte, wenn sie Sport trieb. Und dass sie sich überhaupt nicht fit fühlte, war ihm auch nicht entgangen. Und jetzt sollte sie über 42 Kilometer am Stück laufen? Trotz aller Bedenken willigte sie ein und schloss sich der Trainingsgruppe an.

Asthma oder keins: <ls />Ausdauer braucht Luft

Asthmakrank oder nicht: Ob ein Mensch in der Lage ist, beim Ausdauersport hohe Leistungen zu erbringen, hängt ganz entscheidend von der Fähigkeit des Körpers ab, Sauerstoff aufzunehmen, erklärt Dr. Timmermann. Dazu zählt nicht nur die Sauerstoffaufnahme über die Lunge, sondern auch der Sauerstofftransport über das Blut und durch das Herz sowie die Sauerstoffnutzung durch die Muskeln. All dies ist stark alters- und trainingsabhängig.

Akute wie chronische Erkrankungen können die Sauerstoffaufnahme empfindlich einschränken, zum Beispiel wenn die Bronchien sich beim Asthma verengen. Verringert sich der Durchmesser der Bronchien um die Hälfte, kommt nur noch ein Sechzehntel des Sauerstoffs im Muskel an. Den Sauerstoff aber braucht der Körper, um die Energieträger erfolgreich verbrennen zu können.

Ohne Sauerstoff wird kein Fett verbrannt

Energiereserven speichert der Körper in Form von Fett und Kohlenhydraten. Obwohl 99 % der Reserven als Fettpolster vorliegen, werden ausgerechnet diese nur selten angegriffen. Übergewichtige können ein Lied davon singen. „Fettverbrennung ist biochemisch aufwendiger als Kohlenhydratverbrennung“, erklärt Dr. Til Steinmeier, Sportmediziner in Hamburg, der das Marathon-Projekt mitbetreut. Deshalb bequemt sich der Körper nicht so gerne freiwillig dazu, er muss trainiert werden.

Nicht die starke körperliche Belastung regt die Fettverbrennung an, sondern die moderate: „Wenn wir schnell loslaufen, geraten unsere Muskeln sofort in eine Sauerstoffschuld“, sagt Dr. Steinmeier. Ohne Sauerstoff wird aber kein Fett verbrannt, sondern nur Kohlenhydrate. Und wenn die Kohlenhydrate ohne Sauerstoff verbraucht werden, entsteht als Abfallprodukt Laktat. Das wiederum führt zur Übersäuerung der Muskeln und blockiert ihre Kraftentwicklung.

Wichtig: Leistung langsam steigern

Das Ziel eines gut durchdachten Trainings – nicht nur für den Marathon – ist es daher, die Schwelle anzuheben, ab der Laktat gebildet wird. Das kann man am besten durch ein betont langsames Angehen des Trainings erreichen.

Eine gute Ausdauerleistung ohne Übersäuerung des Körpers ist demnach nur möglich, wenn man langsam trabt statt rennt und wenn man erst nach zehn Minuten anfängt, die Leistung allmählich zu steigern. Um die Fettverbrennung überhaupt zu aktivieren, bedarf es mindestens einer Stunde Ausdauersport – das Maximum der Fettverbrennung erreicht man sogar erst bei einem Training von zwei bis drei Stunden. Dass regelmäßiges Training die Leistungsfähigkeit steigern kann, liegt in den Mitochondrien, den winzigen „Kraftwerken“ in den Muskelzellen. In ihnen werden Kohlenhydrate und Fette in Energie umgewandelt. Durch Ausdauertraining können sich die Mitochondrien vergrößern und vermehren. So besteht die Muskulatur bei einem untrainierten Menschen nur zu drei Prozent aus Mitochondrien, bei einem gut Durchtrainierten dagegen zu zwölf Prozent. Damit das Training Erfolg bringt, muss es regelmäßig durchgeführt werden und eine gewisse Dauer haben.

Um den Stoffwechsel marathonreif zu trainieren, braucht man mindestens drei bis vier Monate. Sind die Ausdauermuskeln gut trainiert, dann sind sie in der Lage, selbst bei höherer Belastung Fette zu verbrennen. Bleibt man jedoch nicht am Ball, verliert man die hinzugewonnene Leistungsfähigkeit aber wieder, und das sehr schnell. Innerhalb von nur drei bis vier Wochen ist man dann wieder am Ausgangspunkt angelangt.

Wer Asthma hat, <ls />muss für Luft sorgen!

„Dranbleiben“, hieß also die Devise für die 13 Asthmatiker, die beim New York Marathon starten wollten. Leichter gesagt als getan: Denn wer Asthma hat, leidet immer auch an einem so genannten Anstrengungsasthma. Das bedeutet, dass sich unter körperlicher Anstrengung die Atemwege verengen können. Dann ist natürlich eine Ausdauerleistung nicht mehr möglich.

Deshalb kommt es für Sport treibende Asthmatiker ganz besonders darauf an, dass die Atmung perfekt funktioniert. Aus diesem Grund inhalierten die Patienten, die an dem Marathon-Projekt teilnahmen, jeden Tag ein Kombinationspräparat aus zwei Wirkstoffen, von denen einer die Entzündung in der Lunge hemmt und der andere die Atemwege öffnet. Die Wirkstoffe heißen Budesonid und Formoterol. Die Mammut-Strecke beim New-York-Marathon haben die 13 Asthmatiker jedenfalls super durchgehalten. Für sie war dieses Projekt sehr wichtig. Denn: Oft wird Patienten mit Asthma empfohlen, keinen Sport zu treiben. Dabei gilt es als wissenschaftlich erwiesen, dass Sport das Anfallrisiko bei Asthmatikern mindert. Und je weniger ein Asthma-Patient trainiert ist, desto schneller stellt sich unter Belastungg Atemnot ein.

 

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