Sonntag, 26. April 2015

Für Patienten

13.03.2006
Von: AT
Artikel Nummer: 8294
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Nur das Billigste auf Rezept?

Sparen lautet die Devise der Gesundheitspolitiker, auch bei der Verschreibung von Arzneimitteln. Wann zahlt eine Krankenkasse ein Medikament? Und ist nur das billigste erstattungsfähig? Rechtsanwalt Dr. Jörg Schickert erläutert, warum dem Arzt in bestimmten Fällen die Hände gebunden sind und wann der Patient Anrecht auf ein teureres Arzneimittel hat.


Der Gesetzgeber schreibt Krankenkassen und Ärzten vor: „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein, sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.“ Gleichzeitig wird aber auch darauf hingewiesen, dass der medizinische Fortschritt berücksichtigt werden muss.

Was diese etwas schwierig zu interpretierenden Formulierungen in der Praxis bedeuten, lässt sich am besten anhand eines Beispiels erklären: Bei der Bluterkrankheit, der so genannten Hämophilie, erläutert Jurist Dr. Schickert, fehlt den Erkrankten ein bestimmter Blutgerinnungsfaktor. Bei kleinsten Verletzungen kommt es also ohne medikamentöse Behandlung zu schweren unstillbaren Blutungen. Damit die Kranken normal leben können, müssen sie Plasmapräparate einnehmen.

Fortschritt lässt <ls />den Preis steigen

Die ersten Plasmapräparate wurden noch aus menschlichem Plasma gewonnen, heute dagegen stehen so genannte rekombinante Arzneimittel zur Verfügung. Diese durch den Austausch von genetischen Informationen entstandenen Präparate werden ohne Zusatz von menschlichen oder tierischen Eiweißen hergestellt. Der Vorteil liegt darin, dass die Gefahr der Übertragung von Viren, die in den ersten, aus menschlichem Plasma gewonnenen Präparaten vorhanden sein können, gebannt ist. Ein echter medizinischer Fortschritt also. Allerdings sind diese neueren Arzneimittel um etwa 20 bis 25 Prozent teurer.

Therapeutischer Nutzen wichtiger als Preis

Die Wirksamkeit ist sowohl bei den günstigeren als auch bei den teureren Medikamenten gegeben. Doch da die Humanpräparate günstiger sind und deshalb auch „wirtschaftlicher“, haben Krankenkassen in der Vergangenheit deren Verschreibung empfohlen, so Dr. Schickert. Dass Patienten aber ein Anrecht auf die neueren Mittel haben, leitet der Rechtsanwalt aus den Arzneimittelrichtlinien ab.

Hier findet sich die Formulierung: „Für die Verordnung von Arzneimitteln ist der therapeutische Nutzen gewichtiger als die Kosten.“ Zwar kann man bei den neueren Medikamenten nicht unbedingt von einem höheren therapeutischen Nutzen sprechen, da die Wirksamkeit der beiden Medikamente ja gleich eingestuft wird, aber die höhere Sicherheit und damit der Zusatznutzen für den Patienten rechtfertigt auch den höheren Preis der modernen Präparate, erklärt Dr. Schickert. Bei diesen Medikamenten eröffnet sich für Arzt und Patient somit die Möglichkeit, unter Sicherheitsaspekten zu entscheiden.

Kein Zusatznutzen? <ls />Kein höherer Preis!

In anderen Fällen jedoch, in denen eine gleiche Wirksamkeit und kein therapeutischer Zusatznutzen von Medikamenten gegeben sind, muss sich der Arzt an das so genannte Wirtschaftlichkeitsgebot halten: Er verschreibt das günstigere Medikament – wodurch dem Patienten aber, insofern der Gesetzestext „beim Wort“ genommen wird, keine Nachteile entstehen sollten.

 

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