Montag, 21. April 2014

Für Patienten

11.09.2013
Von: Anja Braunwarth, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 21399
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Demenz mit Kaffee verhüten?

Forscher wissen jetzt, wo Koffein im Gehirn ansetzt. Erkranken Kaffeetrinker deswegen seltener an Alzheimer?


Ohne die erste Tasse Kaffee geht bei vielen gar nichts. Die anregende Wirkung des Koffeins ist schon länger untersucht. Jetzt wollten Jülicher Wissenschaftler wissen, wo genau das Alkaloid im Gehirn ansetzt.

 

Die anregende Wirkung des Koffeins beruht drauf, dass es an Adenosinrezeptoren in der Membran von Nervenzellen andockt. Damit kommt Adenosin selbst – das Müdigkeit induziert – nicht mehr zum Zug, man bleibt länger wach.

 

Das Team um Professor Dr. Andreas Bauer vom Institut für Neurowissenschaften und Medizin in Jülich schickte nun 15 Freiwillige ins PET, um zu erforschen, wo genau Koffein ansetzt. Die Versuchsteilnehmer bekamen zunächst ein radioaktives Molekül verabreicht, das an den Adenosinrezeptor A1 bindet. Anschließend gab es eine Injektion mit genau definierten Mengen an Koffein.

 

Schon eine Dosis von umgerechnet vier bis fünf Tassen Kaffee genügte, um die Hälfte der A1-Rezeptoren zu besetzen. Drei Bereiche stießen dabei auf besonderes Interesse: Thalamus, Hippocampus und der Assoziationskortex des Großhirns. Der Thalamus ist von Bedeutung, um Informationen aufzunehmen, im Hippocampus gelangt Gelerntes aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis und im Assoziationskortex werden Inhalte aus verschiedenen Hirnregionen zusammengeführt. Zudem entstehen dort vermutlich neue Ideen.

Täglich drei bis vier Tassen Kaffee fürs Gehirn

Genau hier greift auch M. Alzheimer verstärkt an. Einige epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass Kaffeetrinker seltener daran erkranken. „Wir vermuten, dass die tägliche Dosis von 300–400 mg Koffein (ca. 3–4 Tassen) das Alzheimer-Risiko senken kann“, sagte Prof. Bauer im Gespräch mit Medical Tribune.

 

Wichtig scheint aber, früh damit anzufangen. Denn die Dichte der Rezeptoren nimmt mit dem Alter ab. „Linear verlieren wir mit jeder Dekade etwa 5–7 % dieser Rezeptoren“, erklärte Prof. Bauer. Entsprechend verändert sich die Beeinflussbarkeit durch Kaffee. Während er bei Jüngeren ein großes Wachmacherpotenzial hat, zeigt die gleiche Menge beim Älteren deutlich weniger Wirkung. Dies ist eine mögliche Erklärung dafür, dass man mit den Jahren weniger Einschlafprobleme nach einer abendlichen Koffeindosis hat.

 

Zudem gibt es einen Gewöhnungseffekt. Wer viel und häufig Kaffee trinkt, verträgt mehr Koffein und braucht mehr, um wach zu bleiben. Mehr als vier bis fünf Tassen am Tag zu trinken, bringt keinen weiteren Gewinn, sondern verstärkt nur Nebenwirkungen wie Herzrasen oder Nervosität, betont der Forscher.

Paradoxe Müdigkeit nur eine Altersfrage?

Warum manche Menschen nach Kaffee müde werden, ist nicht bekannt. Prof. Bauer vermutet hier in erster Linie altersbedingte und Gewöhnungsaspekte. Unklar ist auch, welche Rolle das Adenosin spielt. Möglicherweise schüttet der Organismus als Kompensation mehr aus, wenn die Rezeptoren besetzt sind. Laut Prof. Bauer sollte man auch die anderen Inhaltsstoffe nicht vergessen. Die Jülicher Kollegen planen weitere Untersuchungen, in denen die Geschmacksmoleküle des Kaffees entschlüsselt werden sollen. 

Forschen in Jülich 2013; 2: 14-15

 

Kommentare

Helmut Siebel - 13.09.2013, 23:28

Es sind nicht alle Menschen gleich, und
deshalb kann mann die Erkenntnis nicht
verallgemeinern.

 
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