Mittwoch, 23. April 2014

Für Patienten

10.04.2006
Von: Sarah Paul
Artikel Nummer: 8370
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Wie viel Testosteron braucht der Mann?

Wer wünscht sich nicht, ewig jung, sexuell aktiv und körperlich fit zu bleiben? Glaubt man manchen Medien, kann das Hormon Testosteron aus alternden Schlaffis wieder kraftstrotzende Jünglinge machen. Doch Vorsicht! Viele der Berichte sind maßlos übertrieben. Die Hormonbehandlung macht nur Sinn, wenn wirklich ein Mangel vorliegt. Und sie birgt Risiken.


Mit den Jahren nimmt beim Mann die Testosteronproduktion im Hoden ab, schleichend und unausweichlich. Das beginnt früher, als man denkt, nämlich schon mit Mitte 30. Und es geht sehr langsam, der Rückgang beträgt im Schnitt ungefähr ein Prozent pro Jahr. Deshalb leiden Männer auch nicht unter den typischen Wechseljahresbeschwerden, wie Frauen sie bekommen, wenn ihre Hormonproduktion innerhalb weniger Jahre auf ein Minimum gedrosselt wird.

Was jedoch nicht bedeutet, dass der Testosteron-Rückgang den Männern nicht zu schaffen machen kann. Verringerung von Muskelkraft und Potenz, <ls />Antriebslosigkeit und Müdigkeit, depressive Stimmung, auch ein gewisses Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit können Folgen des Testosteronmangels sein. Männer reagieren allerdings sehr unterschiedlich auf den „Hormonentzug“: Manche sind trotz relativ niedriger Hormonspiegel mopsfidel, während andere bei deutlich höheren Werten schon sehr leiden.

Hormonbehandlung nur bei echtem Mangel!

Auf jeden Fall ist eine Testosteronbehandlung nur dann angebracht, wenn eindeutig ein Hormonmangel vorliegt. Der Mangel sollte durch Laboruntersuchungen nachgewiesen werden, betont der bekannte Hamburger Urologe Professor Dr. Hartmut Porst: „Leider geben manche Ärzte auch bei normalen Werten Testosteron, weil sie das dann privat mit dem Patienten selbst abrechnen können. Das verurteile ich strikt.“

Testosteron taugt nämlich nicht als Wohlfühlmedikament, als Lifestyle- oder Anti-Aging-Mittel. Wie Östrogen bei der Frau kann auch Testosteron beim Mann das Wachstum so genannter hormonabhängiger Tumoren fördern, vor allem das Prostatakarzinom, aber auch den – <ls />bei Männern seltenen, aber nicht ausgeschlossenen – Brustkrebs. Deshalb wird jeder seriöse Urologe den Mann vor einer Testosteronbehandlung gründlich untersuchen und auch während der Behandlung alle drei bis sechs Monate zur Kontrolle bitten.

Nur 10–20 % profitieren von der Behandlung

Wenn die Entscheidung für Testosteron gefallen ist und die Therapie sich als wirksam erweist – was nicht bei jedem der Fall ist –, dann sollte Mann sich auf eine Langzeitbehandlung einstellen. Wird das Hormon nach ein paar Jahren wieder abgesetzt, kehren die Beschwerden in der Regel prompt zurück. Testosteron wird übrigens nicht als Pille geschluckt, sondern per Spritze (alle ein bis drei Monate), Pflaster oder Gel verabreicht.

Was darf man von einer Testosteron-Therapie erwarten? Auf keinen Fall, dass man zum Supermann wird – weder hinsichtlich der Muskelkraft oder der Vitalität noch hinsichtlich der Potenz. Nach Erfahrung von Prof. Porst profitieren höchstens 10 bis 20 Prozent der Männer mit Potenzproblemen und Testosteronmangel vom Hormonersatz so sehr, dass ihr Stehvermögen zurückkehrt. Andererseits erfordert aber die Behandlung mit potenzsteigernden Mitteln, dass genügend Testosteron vorhanden ist, weil die Potenzpillen sonst nicht optimal wirken können. Bei wem die Behandlung anschlägt, der darf mit einer Zunahme der Muskelmasse und einem Rückgang der Fettpölsterchen rechnen. Lebenslust und Libido steigen, die Stimmung hebt sich. Und – aus medizinischer Sicht einer der wichtigsten Aspekte – die Knochendichte nimmt zu, das Risiko für eine <ls />Osteoporose und für Knochenbrüche sinkt.

So wirkt Testosteron

Testosteron ist bekanntlich verantwortlich dafür, dass Mann ein Mann wird und bleibt, und zwar für

  • die Entwicklung von Penis und Hoden
  • die produktion der Samenzellen
  • die typische Behaarung
  • die tiefe Stimme
  • die Muskelentwicklung

Daneben ist Testosteron aber auch für zahlreiche Stoffwechselentwicklungen wichtig:

  • die Energiespeicherung im Muskel
  • die Produktion roter Blutkörperchen
  • den Knochenaufbau
  • die Synthese des Botenstoffes NO, der für die Errektion gebraucht wird.

Aber auch Frauen haben Testosteron im Blut, wenn auch deutlich weniger als Männer. Ein Mangel an Testosteron wirkt sich bei Frauen vor allem in nachlassendem sexuellen Verlangen aus.

Das können Sie selbst tun

Was der Gesundheit nutzt, hebt oft auch den Testosteronspiegel: ein paar Pfunde abspecken zum Beispiel, denn jede Fettzelle kostet Testosteron, weil es darin in Östrogen umgewandelt wird (deshalb wächst bei Männern parallel zum Bierbauch oft auch die Brust). Und täglich in Bewegung kommen: 45 Minuten flottes Gehen lassen den Testosternspiegel deutlich ansteigen, und das für etwa 24 Stunden, ergab eine wissenschaftliche Studie.


 

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