Samstag, 02. August 2014

Für Patienten

27.07.2010
Artikel Nummer: 16265
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Fuchsbandwurm muss zum Chirurgen!




titisee – Ohne Behandlung zählt die Infektion mit dem Fuchsbandwurm zu den wenigen tödlichen Parasitenerkrankungen. Wenn irgend möglich, sollten die Herde chirurgisch saniert werden – sagt sogar der Internist.
Während Echinococcus cysticus fast nur Mittelmeeranrainer befällt, schlägt Echinococcus multilocularis, der Fuchsbandwurm, durchaus auch in unseren Breitengraden zu. Die Infektionsraten sind allerdings gering, betonte Privatdozent Dr. Beat Müllhaupt von der Abteilung Gast­roenterologie am Universitätspital Zürich auf der XIII. Gastroenterologie-Seminarwoche der Falk Foundation. Eine Untersuchung an rund 7800 exponierten Waldarbeitern ergab bei knapp 2 % eine positive Serologie, aber nur 0,16 % erkrankten tatsächlich manifest.
Ohne Behandlung
oft tödlich
Doch wenn es zur Infektion mit dem Fuchsbandwurm kommt, schweben die Betroffenen in großer Gefahr, denn ohne Behandlung droht in vielen Fällen ein letaler Verlauf. Um rechtzeitig eingreifen zu können, lautet das oberste Gebot deshalb, überhaupt an die Möglichkeit der Echinokokkose zu denken. Aus dem eigenen Krankengut schilderte der Schweizer Kollege den Fall eines 43-jährigen Patienten, der mit der Diagnose „inoperabler Lebertumor“ überwiesen wurde. Der Mann litt seit drei Wochen unter Übelkeit und Gewichtsverlust, außerdem bestand ein Ikterus mit dunkel verfärbtem Urin.
Nach Radikaloperation zwei Jahre Medikamente
Transaminasen und Bilirubin zeigten sich deutlich erhöht. Und im Computertomogramm war eine ausgedehnte Raumforderung mit auffälligen Verkalkungen in der Leber zu erkennen. Diese Verkalkungen sind typisch für den Echinococcus multilocularis, erklärte Dr. Müllhaupt. Aus diesem Grund ist es wichtig, die CT-Untersuchung zunächst nativ durchzuführen. Die Serologie bestätigte den Parasitenbefall. Die Antikörperbestimmung zählt zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden, sie ist bei mehr als 90 % der Betroffenen positiv. Etwa bei der Hälfte liegt auch eine IgE-Erhöhung vor.
Steht die Diagnose Fuchsbandwurm, sollten die Patienten immer dem Chirurgen vorgeführt werden, denn laut Dr. Müllhaupt ist die operative Sanierung die Therapie der ersten Wahl. Gelingt die radikale Entfernung der Herde, schließt sich für zwei Jahre eine medikamentöse Therapie mit Albendazol (täglich 10 bis 15 mg/kg Körpergewicht) oder Mebendazol (täglich 40 bis 50 mg/kgKG, maximal 6 Gramm) an. Bleiben Reste in der Leber zurück, muss die medikamentöse Behandlung lebenslang erfolgen.
Zysten belassen,
nur Inhalt töten?
Beide Substanzen töten den Erreger nicht ab, sondern wirken nur parasitostatisch. Wegen ihrer Teratogenität ist bei jungen Frauen Vorsicht geboten. Als Nebenwirkung sind Haarausfall sowie ein transienter Anstieg der Leberwerte möglich. Nur selten kommt es zu schweren hepatischen Schäden, versicherte Dr. Müllhaupt. Gelegentlich können die Präparate allerdings auch knochenmarktoxisch wirken, vor allem bei ikterischen Patienten.
Im vorliegenden Fall war der Herd inoperabel, der Mann steht unter einer Dauertherapie mit Albendazol und ist damit zu 100 % arbeitsfähig, Krankenhauseinweisungen waren seither nicht mehr nötig.
Wenn Läsionen nicht komplett entfernt werden können, heißt das noch lange nicht, dass der Chirurg gar nichts tun kann. Beispielsweise kann er die Zysten belassen, aber ihren Inhalt abtöten, berichtete Professor Dr. Wolfgang Steurer von der Chirurgischen Klinik des Westpfalz-Klinikums Kaiserslautern. Am häufigsten appliziert man dafür 10–30%ige Kochsalzlösung in die eröffneten Zysten und lässt diese fünf Minuten einwirken. Alternativ kommt 10%iges PVP-Jod infrage. Wichtig ist, dass anschließend eine Netzplastik angelegt wird. Diese Maßnahme senkt das Abszessrisiko, verhindert Gallefisteln und mögliches Restsekret kann resorbiert werden. Die chirurgischen Eingriffe beim Fuchsbandwurmbefall lassen sich heute vielfach laparoskopisch durchführen und es gibt auch bereits Instrumente mit eingebauter Absaugvorrichtung, um eine Kontamination zu vermeiden. Als Kontraindikationen für die minimal-invasive Technik gelten intrabiliäre Rupturen, Zysten über 15 cm sowie Rezidive. Dr. Anja Braunwarth

 

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