Donnerstag, 30. Oktober 2014

Für Patienten

Angereichertes Mehl kann gegen Folsäuremangel helfen.

Angereichertes Mehl als Mittel gegen Folsäuremangel in Deutschland

06.06.2012
Von: Dr. Stefanie Kronenberger, Foto: bilderbox
Artikel Nummer: 19446
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Folsäure ins Mehl!

Als Schutz vor Schlaganfall und Neuralrohrdefekt hat sich Folsäure in Lebensmitteln in den USA bewährt - ein Rezept auch für Deutschland?


Besonders ältere Menschen weisen häufig Vitamin-B-Mangel und hohe Homocysteinwerte auf. Damit steigt das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen, Herzinsuffizienz und Schlaganfall. Sollte man deswegen wie in Amerika auch bei uns Lebensmittel mit Vitaminen anreichern?

 

Folsäure und Vitamin B12 sind an der Umwandlung von Homocystein in die lebenswichtige Aminosäure Methionin beteiligt. Erhöhte Homocysteinwerte gehen mit gesteigertem Risiko für degenerative Erkrankungen einher. In einer Studie hat man bereits 1997 die Verbindung zwischen hohem Homocysteinspiegel, kardiovaskulären Erkrankungen und Mortalität gezeigt. Bei niedrigen Werten der Aminosäure registrierten die Forscher die geringsten Morbiditäts- und Sterblichkeitsraten.

 

Weitere Untersuchungen zeigten dann Zusammenhänge mit der Herzinsuffizienz, aber auch mit Osteoporose. Zusammen mit einem Vitamin-B-Mangel scheint die Hyperhomocysteinämie zudem kognitiven Störungen und der Demenz Vorschub zu leisten, berichtete Professor Dr. Wolfgang Herrmann vom Institut für Klinische Chemie an der Universitätsklinik des Saarlandes in Homburg auf dem 118. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

Männer profitieren besonders von zusätzlichen Vitaminen

Mit Vitamin-B- und Folsäure-Gabe lässt sich der Homocysteinspiegel wirksam senken. Aber bringt dieser Schritt auch etwas für Herz und Gehirn? Dieser Frage ist man in vielen Studien nachgegangen.

 

So erzielte die Gabe von Vitamin B in der HOPE*-Studie für die Patienten keinen zusätzlichen Nutzen in Sachen kardiovaskuläres Risiko. Eine aktuelle
Analyse förderte dann aber differenzierte Ergebnisse zutage: Wenn nur die Patienten betrachtet wurden, die kein oder wenig Acetylsalicylsäure einnahmen, so senkte die Vitamin-B-Gabe das KHK-Risiko sehr wohl. Zudem ließ sich die Schlaganfallrate durch Supplementierung signifikant senken.

 

In einer weiteren Metaanalyse ermittelten die Wissenschaftler auch für die Zugabe von Folsäure einen Trend zur Verringerung von Schlaganfällen. Am besten waren die Ergebnisse bei Kombination von Folsäure mit Vitamin-B-Präparaten und bei männlichen Versuchsteilnehmern.

 

In den USA wollte man mit der Zugabe von Folsäure zum Mehl Neuralrohrdefekte verhindern. Das ist gelungen, und gleichzeitig ließ sich noch ein weiterer günstiger Effekt erreichen: Die Schlaganfallrate ging zurück. In Deutschland herrscht ebenfalls eine andauernde Unterversorgung. Im Mittel nehmen wir 290 µg Folsäure täglich auf, das Soll beträgt aber 420 µg. Eine Anreicherung wie in den USA würde auch bei uns den verbreiteten Mangel beheben helfen.

Weitere Erkenntnisse in Sachen hohe Homocysteinwerte und Vitamin-B-Mangel: Beide erhöhen das Risiko für Hirnatrophie und Demenz. In einer Studie an Patienten mit MCI (milder kognitiver Einschränkung) ließ sich die Hirnatrophie (Rückbildung der Gehirnmasse) durch die Behandlung mit Homocystein-senkenden B-Vitaminen um mehr als die Hälfte verzögern. Ob die Behandlung auch auf die Entwicklung der Alzheimer-Demenz Einfluss nimmt, müssen weitere Studien zeigen.

 

* Heart Outcomes Prevention Evaluation Study

 

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