Freitag, 31. Oktober 2014

Für Patienten

30.07.2007
Von: Dr. Anja Oppelt
Artikel Nummer: 11367
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Juckreiz im Intimbereich - meist Pilzinfektion

Hinter dem Juckreiz steckt meist eine Pilzinfektion. Wie Frau am besten vorbeugt, woran sie eine Hefeinfektion erkennt und wann sie zum Arzt muss, erklärt Dr. Anja Oppelt, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Erlangen.


Woran ist eine Hefepilzinfektion zu erkennen?

Dr. Oppelt: Eigentlich sind Hefepilze ganz nor­male „Hautbewohner“. Erst wenn sie in die obere Hautschicht eindringen – etwa bei Hautverletzungen oder „günstigen“ Bedingungen wie in der Schwangerschaft, bei Einnahme der Pille oder infolge einer Behandlung mit Antibiotika –, verursachen sie Probleme und man spricht von einer Infektion. Ein ganz typisches Zei­chen dafür ist der Juckreiz, der manchmal fast unerträglich wird. Es kann brennen und zu Rötung und Schwel­lung in der Scheidenregion kommen. Typisch ist ein weißer, quarkähnlicher, geruchloser Ausfluss. Er tritt aber nicht bei jeder Pilzinfektion auf.

Wie wird man die Pilze möglichst schnell wieder los?

Dr. Oppelt: Meist ist das gar nicht so kompliziert und die Pilze sprechen innerhalb von wenigen Tagen gut auf eine lokale Be­handlung mit speziellen Antipilzmitteln in Form von Vaginalsuppositorien, Cremes oder Pas­ten an. Frauen mit „Pilzerfah­rung“ können eine Selbstbehandlung mit frei verkäuflichen Präparaten vornehmen. In schwerwiegenden oder chronisch wiederkehrenden Fällen dagegen muss natürlich der Arzt zurate gezogen werden und es sind Tabletten ange­zeigt. Es gibt sogar eine Eintages­the­ra­pie, die allerdings vergleichsweise teuer ist.

Wann ist genau ein Arztbesuch ratsam?

Dr. Oppelt: Spätestens wenn die Selbst­behandlung nach drei Tagen nicht den gewünsch­ten Erfolg erzielt hat oder wenn die Beschwerden immer wieder auftauchen, sollte man einen Frauenarzt aufsuchen. Und ganz besonders dann, wenn der Verdacht auf eine bakterielle Infektion besteht! Darauf deutet ein dünn­flüssiger Ausfluss hin, der grünlich oder gelblich gefärbt ist oder oft übel riecht. Eine Be­siedelung mit Bakterien spricht auch nicht auf Antipilz­mittel an, dann sind Antibiotika notwendig.

Sollte der Partner mitbehandelt we­r­den? Ist sexuelle Abstinenz angesagt?

Dr. Oppelt: Tritt die Infektion zum ersten Mal auf, ist eine Partnerbehandlung nicht nötig, solange dieser keine Be­schwerden wie Juck­reiz, Rötung oder auch kleine Pusteln im Intimbereich aufweist. Und in den ersten drei Tagen der Lokaltherapie ist die Schleim­haut der Scheide sowieso noch sehr gereizt und der Geschlechtsverkehr eher schmerzhaft –
schon deshalb also nicht ratsam. Wird die Behandlung weitergeführt, ist die Infektion so­ weit im Griff, dass dem gemeinsamen Vergnügen nichts mehr im Wege steht.

Warum "fangen" sich manche Frauen immer wieder Scheiden­pilze?

Dr. Oppelt: Meistens ist dann das natürliche Scheidenmilieu gestört, das durch Milch­säurebakterien gebildet wird und für die Abwehr von Keimen zu­ständig ist. Hormonelle Unregelmäßigkeiten – etwa eine ungünstige „Pille“ kommen als Ursache dafür ebenso infrage wie Grund­erkran­kun­gen wie Diabetes oder Autoim­munerkrankungen. Frauen nach den Wechseljahren sind ge­nerell anfälliger: Mit dem langfristigen Mangel an Östrogenen wird die Schleimhaut im Intimbereich weniger gut durchblutet, weniger feucht und die Ab­wehr- oder Barriere­funktion ist herab­gesetzt. Abhilfe schafft in diesen Fällen entweder eine Lokaltherapie mit östro­genhaltigen Cremes oder Zäpfchen oder eine Hormon­therapie.

Welche einfachen Tipps em-pfehlen Sie zur Vorbeugung?

Dr. Oppelt: Nicht empfehlenswert ist übertriebene Intimhygiene: Eine Reinigung mit klarem Wasser ein- bis zweimal täglich ist sicherlich ausreichend. Der In­timbereich sollte generell immer von „vorn nach hinten“ abgewischt werden, damit keine Keime aus dem Enddarm in die Scheide „verschmiert“ werden. Auch geeignete Wäsche beugt vor: Am besten leichte Baum­­wolle, keine Unterwäsche aus rein synthetischen Fasern, keine String-Tan­gas und eng sitzenden Hosen, die auf der Haut reiben. Ganz ungünstig sind auch Slip­ein­lagen, vor allem kunstoff­beschichtete: Man schwitzt stärker, die Keime können sich besser vermehren. Und selbstverständlich sollten nasse Badeanzüge nicht am Kör­per trock­nen.

Was ist mit Schwimmbad- oder Whirlpoolbesuchen?

Dr. Oppelt: Im warmen Wasser ver­mehren sich Pilze und Bakterien beson­ders gut und schnell. Anfällige Frauen können sich schützen, indem sie vor einem Schwimmbadbesuch den Intimbereich mit Vase­line oder einer speziellen fettenden Cre­me gut einschmieren und über diese „ober­flächliche Versiegelung“ den Kei­men den Zugang zur oberen Haut­schicht erschweren. Men­schen, die anfällig sind für bakterielle oder Pilzinfektionen – etwa weil sie an Hauterkrankungen wie Neurodermitis leiden oder gar offene Wunden haben –, sollten Whirlpools und Dampfbäder generell meiden.

 

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