Donnerstag, 27. November 2014

Für Patienten

30.07.2007
Von: Manuela Arand
Artikel Nummer: 11383
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Die Blutfette entgleisen? Dann steigt das Cholesterin!

Dass hohe Cholesterinspiegel Herz und Arterien nicht guttun, hat jeder schon mal gehört. Im Fettstoffwechsel laufen aber noch andere, sehr komplexe Vorgänge ab und es kann noch einiges mehr schiefgehen als "nur" der Anstieg des Cholesterinspiegels.


Wenn Fett mit der Nahrung aufgenommen wird, aber auch, wenn zum Zweck der Energieversorgung die Fettpölsterchen abgebaut werden, müssen die Fette im Blut transportiert werden. Und da Fett sich mit wässrigen Lösungen wie Blut nicht besonders gut verträgt, müssen die Fette so „aufbereitet“ werden, dass sie transportfähig sind. Sonst würden sie als Tropfen im Blut herumschwimmen und die kleinen Blutgefäße verstopfen. Im Fall des Cholesterins und der anderen Nahrungsfette (Triglyzeride) geschieht der Transport in Form von sogenannten Lipoproteinen – "Lipo-" bedeutet Fett, "Protein" ist ein anderes Wort für Eiweiß. Lipoproteine sind also aus Eiweiß und Fett zusammengesetzte Moleküle. Der Trick dabei ist, dass die Moleküle nach außen hin einen wasserverträglichen Anteil tragen, nach innen hin aber fettfreundliche (lipophile) Strukturen.

Vier verschiedene Transporter für Fette

Man unterscheidet prinzipiell vier verschiedene Lipoproteine: die Chylomikronen, einfach aufgebaute Partikel, in denen Triglyzeride transportiert werden, sowie die "Cholesterintransporter" VLDL, LDL und HDL*, die sich darin unterscheiden, wie dicht die Moleküle gepackt sind. VLDL enthält auch Triglyzeride und andere Fette.

Für das Herz-Kreislauf-Risiko am wichtigsten sind neben dem Gesamtcholesteringehalt des Blutes und den Triglyzeriden die Anteile des Cholesterins, die sich auf die LDL- und HDL-Fraktion verteilen. Diese vier Werte – Gesamtcholesterin, HDL, LDL und Triglyzeride – bestimmt übrigens der Arzt, wenn er ein Blutfettprofil erstellt. Nur den Cholesterinspiegel zu messen, reicht nicht aus, um das individuelle Herz-Kreislauf-Risiko zu prüfen!

LDL und HDL erfüllen unterschiedliche Aufgaben: Während LDL in erster Linie das Cholesterin von der Leber zu verschiedenen Geweben bringt, wo es vor allem zur Produktion von Hormonen verwendet wird, übernimmt HDL den Rücktransport des überschüssigen Cholesterins zur Leber. Aus gesundheitlicher Sicht gilt LDL als das "schlechte", HDL als das "gute" Cholesterin. LDL kann nämlich bei seinem Weg durch die Arterien Cholesterin abgeben, das dann in die Gefäßwand eingelagert wird –
sozusagen der Startschuss zur Arteriosklerose, die in Herzinfarkt und Schlaganfall münden kann.

Das HDL dagegen ist in der Lage, unterwegs Cholesterin aufzunehmen, auch aus der Gefäßwand, sodass sich die arteriosklerotischen Plaques wieder zurückbilden können. HDL wird deshalb auch als Gefäßschutzfaktor bezeichnet – je mehr davon, desto besser.

Bluthochdruck? Raucher?

Wie viele Triglyzeride, wie viel Cholesterin, wie viel LDL sind zu viel? Die Antwort fällt keineswegs so leicht, wie auch viele Experten lange dachten. Denn es hat sich gezeigt, dass man die Blutfette nicht für sich allein betrachten darf. Das Herz-Kreislauf-Risiko eines Menschen wird durch die Gesamtheit seiner Risikofaktoren bestimmt, und die geht bekanntlich weit über Cholesterinwerte hinaus: Sie reicht von Geschlecht und Alter über Rauchen und Körpergewicht bis hin zu Blutdruck und Blutzucker – um nur die wichtigsten zu nennen.

Cholesterinwert zählt bei jedem anders

Die Bewertung des Blutfettprofils erfolgt deshalb heute sozusagen ganzheitlich, nämlich unter Einbeziehung vieler anderer wichtiger Faktoren. Ein kerngesunder Nichtraucher von 40 Jahren beispielsweise kann auch ein LDL-Cholesterin von 150 Milligramm pro Deziliter Serum haben, vor allem wenn sein HDL-Wert hoch ausfällt, ohne dass sein Arzt auch nur die Stirn runzeln wird. Bei einem herzkranken Raucher dagegen, der vielleicht auch noch einen hohen Blutdruck hat, sind 100 Milligramm pro Deziliter schon zu viel.

Noch etwas anders sieht die Situation bei Diabetikern aus, die oft gar keinen sehr hohen LDL-Wert haben, aber hohe Triglyzeridspiegel und ein gefährlich niedriges HDL. Der Diabetes selbst ist in puncto Herz und Arterien schon brandgefährlich. Und diese Fettkonstellation trägt noch dazu bei, die Entwicklung der Arteriosklerose und ihrer Folgekrankheiten Infarkt und Schlaganfall zu beschleunigen.

Um das Blutfettprofil wieder ins Lot zu bringen, können die Betroffenen selbst auch etwas tun: ihr Körpergewicht auf Normalmaß bringen, mehr Sport treiben (das ist besonders gut fürs HDL!) und sich gesund ernähren. Allerdings geht die Gleichung "cholesterinarm essen gleich cholesterinsenkend essen" so nicht auf. Der Einfluss des Cholesterins in der Nahrung – besonders Hühnereier waren ja lange absolut verpönt – ist deutlich geringer als früher angenommen.

Cholesterinarm und cholesterinsenkend!

Nur etwa 10 bis 15 Prozent des Cholesterinspiegels lassen sich durch das Essverhalten beeinflussen, der Rest stammt aus körpereigenen Quellen. Trotzdem macht es natürlich Sinn, darauf zu achten, was man sich auf den Teller packt, schon um eine möglicherweise nötige Arzneimittelbehandlung zu unterstützen. Außerdem können manche Nahrungsbestandteile zusätzlich helfen, das Cholesterin zu senken (siehe Kasten). Besonders wer zu hohe Triglyzeride hat, sollte Alkohol meiden, weil der die Spiegel weiter erhöht!

Wenn der Arzt entscheidet, dass der Cholesterinspiegel medikamentös gesenkt werden sollte, wird er zunächst einen Wirkstoff aus der Gruppe der Statine verordnen. Diese Mittel hemmen die Cholesterinsynthese in der Leber und können den LDL-Spiegel sehr effektiv senken. Sie zählen zu den wissenschaftlich sehr gut untersuchten Arzneimitteln und vermindern nachweislich das Risiko für schwere HerzKeislauf-Komplikationen wie Infarkt oder Herztod in beträchtlichem Maß.

Wenn das nicht ausreicht, kann ein zweites Medikament die Wirkung unterstützen, indem es die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm verringert. Die Kombination mit einem Statin hat sich als sinnvoll erwiesen, weil man den Cholesterinspiegel damit sozusagen von zwei Seiten in die Zange nehmen kann. Sind die Cholesterinwerte dagegen relativ normal, aber die Triglyzeride erhöht, wie es vor allem bei Diabetikern häufiger vorkommt, können auch Fibrate eingesetzt werden, mit denen sich die Triglyzerid-Synthese in der Leber hemmen lässt.

Mit Niacin steht außerdem ein Mittel zur Verfügung, das den HDL-Wert und damit den Gefäßschutz erhöhen kann – Statine können das zwar auch, aber nur in relativ geringem Maße.

* VLDL – Very Low Density Lipoprotein,
LDL – Low Density Lipoprotein,
HDL – High Density Lipoprotein
 

Cholesterinbewusst essen …

… bedeutet mehr als nur cholesterinarm zu essen. Es kommt zwar auch darauf an, fettarm zu essen, aber ganz besonders wichtig ist die richtige Zusammensetzung der Nahrungsfette: Gesättigte Fettsäuren soll man meiden, insbesondere gehärtete Fette, weil sie viele schädliche Transfettsäuren enthalten können. Einfach ungesättigte (z.B. in Rapsöl oder Olivenöl) oder mehrfach ungesättigte Fette (z.B. in Fisch) sollte man bevorzugen. Einen Beitrag zur Cholesterinsenkung leisten auch lösliche Ballaststoffe in Obst, Gemüse und Getreideprodukten. Vermutlich binden diese Ballaststoffe die Gallensäuren, für die Cholesterin einen Grundbaustein darstellt. Die Gallensäuren werden so ausgeschieden, sodass mehr Cholesterin für den Nachbau verbraucht wird.

Behandlungsziele für den Fettstoffwechsel

Die moderne Medizin hat sich von der Idee gelöst, Grenzwerte für die Blutfette zu definieren, ab denen der Arzt bei jedem Patienten gleichermaßen therapeutisch eingreifen muss. Stattdessen arbeitet man heute mit Zielwerten: Wenn ein Patient eine bestimmte Risikokonstellation aufweist, sollten diese Werte durch die Behandlung erreicht werden. Die nebenstehende Tabelle zeigt die Zielwerte für das LDL-Cholesterin und die Triglyzeride, wie sie die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen, salopper „Lipidliga“ genannt, definiert hat. Der HDL-Wert sollte übrigens bei Männern über 40 und bei Frauen über 50 Milligramm pro Deziliter betragen.

LDL-Cholesterin (in mg/dl)

Triglyzeride (in mg/dl)

0 bis 1 Risikofaktor

< 160

< 150

mit zwei oder mehr Risikofaktoren

< 130

< 150

bei koronarer Herzkrankheit und/oder Diabetes mellitus

< 100

< 150

 

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