Großeinkauf in der Apotheke
Dieser Tage war ich mal wieder in der Apotheke. Es war voll, ich musste warten und bekam zahlreiche Gespräche zwischen den Kunden, dem Apotheker und dessen Personal mit. So manchmal hat es mich schon gereizt, mich zu beteiligen, aber ich beschränkte mich aufs Zuhören.
Da war eine junge Frau mit einem Kinderwagen, die viel Informationen aus dem Internet mitgebracht hatte und jetzt von der Frau mit dem vertrauenerweckenden weißen Kittel wissen wollte, wie sie ihr Immunsystem am besten schützen könnte. Es entwickelte sich eine lange Diskussion, da jede Auskunft kommentiert wurde mit einem: „Ja, aber hier steht doch …“
Daneben stand eine aufgeregte ältere Dame, die unbedingt Brennnesseltee wollte, sich aber hinsichtlich der Menge nicht entscheiden konnte und sich auch nicht so ganz sicher war, ob dieser Tee wirklich für sie das Richtige sei. Auch hier wurden die Fragen immer gezielter, sodass die Pharma-Assistentin ihre liebe Mühe hatte und schließlich ihren Chef, den Apotheker, um Hilfe bat.
Etwas weiter von mir entfernt konnte ich einzelne Wörter mitbekommen wie zum Beispiel Rheumasalbe, Cayennepfeffer, Teufelskralle, Ginkgo biloba und Johanniskraut. Als ich mich gerade wunderte, dass niemand nach den Nebenwirkungen fragte, hörte ich: „… aber von der Pestwurz habe ich doch jetzt gelesen, dass sie der Leber schaden soll …“ Schließlich war ich an der Reihe, bekam mein Medikament und verließ sehr nachdenklich die Apotheke.
Die Frage „Welche Medikamente nehmen Sie denn sonst noch ein?“ hatte ich zum Glück sehr oft gehört. Und sie muss auch, liebe Leserinnen und Leser, auf jeden Fall von Ihrem Apotheker gestellt werden. Denn die Wirkstoffe – auch wenn es nur pflanzliche sind – vertragen sich unter Umständen nicht mit den Wirkstoffen der Medikamente, die Ihnen Ihr Arzt verordnet hat!
Warum wird eigentlich bei pflanzlichen Mitteln so selten nach Nebenwirkungen gefragt?
Ein Beispiel: Sie kaufen sich ein „harmloses Mittel“ gegen Ihre Wetterfühligkeit. Der Wirkstoff, der sich dahinter verbirgt, ist Acetylsalicylsäure. Was Sie nicht wissen: Dass dieser Wirkstoff sich ebenfalls in Ihrem Herzpräparat, Ihren Kopfschmerztabletten und in Ihrem Rheumamittel befindet.
Von Ihrem Hausarzt wissen Sie zwar, dass Sie nur das Herzpräparat regelmässig nehmen sollen und die beiden anderen Mittel nur bei Bedarf – <ls />aber die Wetterfühligkeit ist ja fast täglich zu behandeln. Und schon kann es zu einer Überdosierung mit Acetylsalicylsäure kommen, mit der gefährlichen Nebenwirkung von Magen-Darm-Blutungen. Solche Beispiele gibt es viele. Deshalb muss sowohl Ihr Hausarzt als auch Ihr Apotheker wissen, welche Medikamente Sie zusätzlich bzw. regelmäßig einnehmen.
Zurück zu meinem Apothekenerlebnis. Ich hatte hautnah mitbekommen, wie wichtig die Selbstmedikation von den Patienten genommen wird. Kein Wunder bei dem Sparzwang im Gesundheitswesen und der verstärkten Aufklärung und Werbung in den Medien, überlegte ich. Warum soll sich denn der Patient in mein Wartezimmer setzen, um dann schließlich von mir die Auskunft zu bekommen, dass er sich dieses und jenes Medikament, zum Beispiel gegen Erkältung oder Durchblutungsstörungen, selbst kaufen muss!? Egal wo man heute hinschaut oder hinhört, im Rundfunk, Fernsehen oder in Zeitschriften: Überall ist von Vorbeugung gegen Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Erkältung und auch Krebs die Rede. Die Empfehlungen reichen von Vitaminen, Mineralstoffen, Nahrungsergänzungsmitteln über Sauerstofftherapien, Magnetfeldbehandlungen bis hin zu Aufenthalten in Spezialkurkliniken. Für jeden Geldbeutel scheint etwas Passendes dabei zu sein.
Aber, mündiger Patient hin, mündiger Patient her – ist er nicht in diesem Dschungel, der da heißt Gesundheitsförderung oder -vorbeugung, überfordert? Hier muss der Hausarzt den Weg zeigen, da einerseits bei der vorbeugenden Selbstmedikation „viel“ eben nicht automatisch viel hilft, sondern eher schadet, und andererseits gerade Selbstdiagnose und -behandlung schief gehen können, indem Krankheiten verschleppt werden und die richtige Therapie versäumt wird. Ärzte müssen ihre Patienten beraten, welche Mittel bei Kopfschmerzen, Erkältung oder Durchfall genommen werden und auch welche Präparate zur Vorbeugung und Stärkung der Gesundheit geeignet sind. Vom Arzt muss auch die Verträglichkeit mit den Dauermedikamenten geprüft werden.
Selbstmedikation: Viel hilft selten viel!
Und idealerweise kennt der Hausapotheker ebenfalls die Dauertherapie seines Kunden und kann ihn daher entsprechend beraten. Für Sie, liebe Leserinnen und Leser, komme ich zu folgendem Fazit: Selbstmedikation zur Behandlung von Beschwerden und zur Vorbeugung ist wichtig. Trotzdem sollte sie nur unter Beratung durch Ihren Hausarzt stattfinden, damit nicht aus dem Nutzen für Ihren Körper Schaden wird. So wünsche ich Ihnen alles Gute für Ihre Gesundheit!




