Dienstag, 22. Juli 2014

Für Patienten

24.12.2009
Von: Cornelia Kolbeck
Artikel Nummer: 15156
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Krise bremst weltweit Gesundheitsprojekte

Die globalen Akteure müssen koordiniert handeln, um die weltweiten Gesundheitsstandards anzuheben. Diese Auffassung vertraten die Teilnehmer des ersten Weltgesundheitsgipfels in Berlin.


Dass diese Koordination schwierig werden wird, lassen allerdings die in viele Richtungen gehenden Veränderungsvorschläge vermuten.

Maria Neira von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte eine „Grüne Revolution“ – schließlich stehe ein Viertel aller vermeidbaren Krankheiten mit dem Klimawandel im Zusammenhang.

Victoria Hale, Gründerin des Institute for OneWorld Health, dem ersten Non-Profit-Pharmaunternehmen in den USA, sowie der Nobelpreisträger Luc Montagnier sprachen sich für neue Konzepte beim Zugang zu Medikamenten aus. Die in den Entwicklungsländern hergestellten Arzneimittel entsprächen häufig nicht dem lokalen Bedarf, kritisierte Hale. Montagnier forderte „neue, zum Beispiel auf DNA basierende Technologien“. Zudem müssten die Ärzte „einen neuen Blick auf die Patienten richten“: Es sei wichtig, Risiken ernst zu nehmen und die Gesundheit der Menschen zu schützen, ehe eine Krankheit ausbricht.

Arzneimittelentwicklung: schneller und effektiver

Grundlagenforschung, Früherkennung und Genetik bezeichnete Michel Kazatchkine vom Global Fund als die wichtigsten Innovationsfelder. Er forderte einen besseren Zugang zur medizinischen Versorgung für alle Menschen und bedauerte, dass sich die Wirtschaftskrise auch stark auf die Finanzierungen des Gesundheitssektors auswirke. Der Global Fund habe deshalb erstmals wichtige Projekte um ein Jahr verschieben müssen.

Kritik äußerten Tagungsteilnehmer an der Regulierungsdichte der Politik. Richard Peto von der Oxford University erklärte: „Die letzten 20 Jahre waren eine Katastrophe für die Forschung.” Die EU-Richtlinie für klinische Studien habe erheblichen Schaden verursacht und die Vorhaben junger Forscher würden von den Regulierungsanforderungen kaputt gemacht.

Auf die demografischen Herausforderungen ging Cornel Sieber von der Universität Erlangen-Nürnberg auf einem von dem Unternehmen Novartis anlässlich des World Health Summit veranstalteten Partner-Symposiums ein. Die derzeitige, vielfach organ- und defizitbezogene Behandlung entspreche nicht dem Bedarf des multimorbiden älteren Menschen. Sie negiere völlig den „physio-psycho-sozio-spiritualen“ Ansatz der Geriatrie, der den Menschen im Ganzen betrachtet.

Über die Entwicklung von Innovationen sprach Dr. Trevor Mundel, Global Head of Development Pharma der Novartis Pharma AG. Das Unternehmen will Forschung und Entwicklung beschleunigen und effektiver machen, um „eine regelmäßige Welle innovativer Medikamente“ auf den Markt zu bringen.

Die Entwicklung beginnt mit „einer explorativen Phase“, so Dr. Mundel: Ein Team versucht die Biologie eines medizinischen Problems zu verstehen und eine molekulare Zielstruktur zu entdecken. Anschließend gelte es, einen passenden Wirkstoff zu finden und ihn rasch in einem „proof of concept“ zu testen. Dieser frühe Wirksamkeitsnachweis am Menschen sei ein zentrales Element, um den Entwicklungsprozess zu beschleunigen und festzustellen, ob das in Zellkultur und Tierversuchen bestätigte Wirkprinzip einer neuen Substanz auch beim Menschen trägt. Zugleich ermögliche es diese Strategie, ein und denselben Wirkstoff von vornherein für verschiedene Erkrankungen zu entwickeln.

Der Weltgesundheitsgipfel, an dem Vertreter aus 60 Ländern teilnahmen, ist eine Initiative der Universitäten Charité Berlin und Descartes Paris. Kritik an ihm äußerten bei einer parallelen Demonstration medico international, attac, Evangelischer Entwicklungsdienst, IPPNW und die gesundheits- bzw. sozialpolitischen Fachbereiche der Vorstände von DGB, IG Metall und ver.di.

„Gesundheit droht zur Ware zu werden“

Der World Health Summit ist ihrer Ansicht nach nicht geeignet, weltweite Gesundheitsprobleme anzugehen, da vor allem kurative Individualmedizin und der Einsatz von Hochtechnologien im Mittelpunkt stünden. „Damit droht Gesundheit zu einer Ware zu werden, die nur noch von technischen und betriebswirtschaftlichen Kriterien bestimmt wird“, so Thomas Seibert von medico international. Es sei sinnvoller, die Strukturen der WHO zu stärken.

 

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