Freitag, 19. Dezember 2014

Für Patienten

21.05.2006
Von: Dr. Beatrice Wagner
Artikel Nummer: 10907
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Die Kunst, nichts zu essen (Seite 2)


Schrauben Sie langsam runter

Während der beiden Entlastungstage sollten Sie nur noch leicht verdauliche Lebensmittel essen, also Obst, Gemüse, Reis, Nudeln oder Kartoffeln. Finger weg von Fisch, Fleisch, Fett und fetthaltigem Süßem wie Schokoriegel und Sahnetorte.

Am Nachmittag des zweiten Entlastungstages sollten Sie abführen. Dies können Sie mit einer Darmspüllösung zum Trinken oder mit einem Einlauf, auch Klistier oder Irrigator genannt, machen - beides aus der Apotheke. So stellt der Darm seine Funktionen ein, denn laut Erfahrung bekommt man mehr Hunger, wenn der Darm in der Fastenzeit weiterarbeitet. Vorsichtig: Die Antibabypille erst drei Stunden nach dem Abführen einnehmen, keinesfalls kurz davor oder danach!

Das kann jeder: nichts essen, viel trinken

Während der Fastentage ist dann eigentlich alles ganz einfach. Sie dürfen nichts essen, sollten aber viel trinken. Erlaubt sind: klare Gemüsebrühe, alle möglichen Teesorten mit Honig und Zitrone und natürlich Wasser. Um während des Fastens den Körper gezielt zu entsäuern, ist der sauer schmeckende Brottrunk gut geeignet, durch ihn siedeln sich in dieser Zeit auch wieder gute probiotische Bakterien an. Sinnvoll ist weiterhin, täglich ein Basenpräparat (z. B. Wirkstoff Natriumbicarbonat) einzunehmen. Präparate, die sich erst im Darm auflösen, scheinen in diesem Fall verträglicher zu sein.

Wichtig: Setzen Sie sich nicht mit der Familie oder den Kollegen an den Esstisch, sondern kultivieren Sie Ihren Fastentrunk für sich alleine oder zusammen mit anderen Fastenden. Ersetzen Sie Essen durch Genießen. Am besten, Sie trinken in kleinen Schlucken und "kauen" den Schluck lange, bis Sie die einzelnen Geschmacksrichtungen Ihres Gemüsesafts oder des duftenden Tees herauskosten. Damit erschließt sich eine Vielfalt an Erlebnissen im Mund, für die Sie gerade jetzt sehr empfänglich sind.

Ab dem zweiten Tag sind Sie übrigens meist über dem Berg. Ab dann profitieren Sie von dem, was das Fasten an geistigen Erlebnissen bietet: Sie schwimmen auf einem Gefühlshoch und fühlen sich selbstbewusst. Denn Sie haben es gezeigt, dass Sie vor einem Berg an Hindernissen nicht kapitulieren, sondern durchhalten. Sie fühlen sich leichter als sonst, Ihr Schlafbedürfnis ist gesunken und Sie erkennen Ihre eigenen Gefühle klarer. Sie sind aber auch empfindlicher und nehmen sich mehr zu Herzen. Und auch darauf sollten Sie sich einstellen: Beim Fasten verändert sich der Körpergeruch. Betreiben Sie Ihre Körperhygiene jetzt besonders sorgfältig.

Das Fastenbrechen beginnt mit einer Kartoffel- oder Gemüsesuppe sowie mit Buttermilch und Knäckebrot. Nutzen Sie die Gelegenheit, um sich zu überlegen, wie Sie künftig essen möchten. Vielleicht einfach etwas genussvoller und gesünder?
 

Wer darf nicht fasten?

Nicht fasten sollten Menschen mit schweren Essstörungen. Dies gilt besonders für Magersüchtige, die keine Fettreserven haben. Aber auch sehr übergewichtige Personen mit Fressattacken sollten auf jede Art von Diät verzichten, so auch auf das Fasten - selbst wenn dies in manchen Ratgebern anders zu lesen ist. Wichtig ist es stattdessen, regelmäßige Mahlzeiten und genussvolles Essen anzustreben. Krankhaft ausgezehrte Menschen sollen natürlich wieder zu Kräften kommen und nicht fasten. Schwangeren ist das Fasten ebenfalls nicht zu empfehlen. Wer Marcumar oder ein ähnliches Blutverdünnungsmittel nimmt, darf auf keinen Fall fasten.

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