Samstag, 20. Dezember 2014

Für Patienten

Wer sich gesund und abwechslungreich ernährt braucht keine extra Vitamine.

Wer sich gesund und abwechslungreich ernährt, braucht keine extra Vitamine.

24.02.2012
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: BilderBox
Artikel Nummer: 18917
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Mit Lebensmittel-Irrtümern aufräumen!

Mit Vitamin C Erkältungen vermeiden und „Bier auf Wein, das lass sein!“. Eine Expertin räumt auf mit Ernährungsirrtümern.


Ein schlichter Rechenfehler war es, der dem Popeye-Gemüse Spinat den Ruf als Eisen-Power-Paket eintrug. Wissenschaftler kalkulierten den Eisengehalt von Spinat bezogen auf 100 g getrocknete Ware (35 mg Eisen). Um auf diese Eisenmenge zu kommen, müsste man bei einem Wassergehalt des Gemüses von 90 % schon ein ganzes Kilo essen – 100 g Spinat liefern nur 3,5 mg Eisen. Ebenso ist die Volksweisheit, dass der Verzehr aufgewärmter Pilze gesundheitsschädlich sei, Unsinn, schreibt die Kölner Diplom-Ökotrophologin Angela Bechthold in der „Ernährungs-Umschau“.


Irrtümern und Verwechslungen ist es auch zu verdanken, dass in Deutschland jedes Jahr bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen. Jeder Bürger wirft im Mittel Essen im Wert von über 300 Euro weg, weil er die Begriffe Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum durcheinander wirft. Das Mindesthaltbarkeitsdatum gibt an, bis wann ein Produkt seine spezifischen Eigenschaften behält – Geschmack, Geruch, Farbe, Optik und den Frischezustand. Dennoch ist es nach dem angegebenen Datum nicht automatisch verdorben und kann durchaus noch verkauft und verzehrt werden.

Süßstoff macht nicht dick

Das Verbrauchsdatum für besonders leicht verderbliche Waren wie Hackfleisch oder frisches Geflügel zeigt dagegen den Tag an, bis zu dem ein Lebensmittel verkauft werden darf. Danach muss es aus dem Handel genommen werden, um Verbraucher vor dem Verzehr (Keimbelastung, Gesundheitsrisiko) zu bewahren.


Als Ammenmärchen brandmarkt die Autorin auch die Aussage: „Süßstoffe machen dick“. Die Hypothese, dass Süßgeschmack die Insulinsekretion anregt und damit quasi reflektorisch den Appetit steigert, ließ sich nicht bestätigen – weder die Insulin- noch die Blutglukose-Spiegel ändern sich nach Süßstoffzufuhr, berichtet die Ökotrophologin.

Statt Vollkorn steckt Malz im Brötchen

Täuschen lassen sich viele Verbraucher obendrein in Sachen Brot: „Körnerbrot“, „Vollwert-Brötchen“, „Kraftkorn-“ oder „Mehrkornschnitten“ werden keineswegs aus Vollkornmehl gebacken, sondern sind evtl. nur mit Auszugsmehl hergestellt und mit Malz (farblich), Leinsamen und Sonnenblumenkernen aufgepeppt. Nur wo Vollkorn draufsteht, ist auch Vollkorn drin.

Die Überzeugung, dass Vitamin C den Durchschnittsbürger vor Halsweh und Schnupfen bewahrt, haben mittlerweile Metaanalysen widerlegt. Nur Personen, die unter starker körperlicher Belastung stehen, wie Marathonläufer, Skifahrer oder Soldaten in subarktischen Umgebungsbedingungen, profitieren von Ascorbinsäure (200 mg täglich) in puncto Erkältungsabwehr.


Brauner Zucker gesünder als weißer? Ebenfalls ein Mythos, so die Expertin. Die durch den Raffinationsverzicht gesparten Mineralien und Vitamine tragen kaum nennenswert zur Nährstoffversorgung bei.

Vitamin-C-Tipp
Hochdosiertes Vitamin C ist zwar kein Zaubermittel gegen Rhinoviren, aber eine unzureichende Versorgung kann die Infektanfälligkeit steigern. 150 mg Vitamin C täglich lassen sich einfach mit der Nahrung zuführen, z.B. in Form von:
• einer halbe rote Paprika, einer Kiwi und einer Tomate oder
• einem Glas Orangensaft und einer Portion gegarter Brokkoli.

Wein auf Bier... So ein Blödsinn

Schließlich und endlich widmet die Autorin sich dem Thema Alkohol. Dass der von innen nachhaltig wärmt – hätte man wohl gern. Aber nach dem wohligen Brennen in der Speiseröhre, wenn man einen Schnaps gekippt hat, folgt vermehrte Hautdurchblutung. Das bedeutet eher Wärmeverlust und erhöhte Gefahr für Erfrierungen, insbesondere weil Alkohol auch die Temperaturwahrnehmung verändert.


Kompletter Mumpitz ist in den Augen der Verfasserin der Spruch: „Bier auf Wein, das lass sein, Wein auf Bier das rat ich dir!“ Der fadenscheinige Grund für diesen Spruch – „erst das niedrigprozentigere Getränk konsumieren, auf dass es das nachfolgende verdünne“ – verfängt bei Angela Bechthold nicht. Im Hinblick auf den Kater komme es auf die Menge des konsumierten Alkohols, nicht die Reihenfolge an.


Quelle: Angela Bechthold, Ernährungsumschau 2011; online first

 

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