Mittwoch, 30. Juli 2014

Für Patienten

05.02.2006
Von: Dr. Beatrice Wagner
Artikel Nummer: 10313
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Ayurveda: Mutter der Medizin (Seite 2)


Der Kapha-Typ darf nicht schwer essen

Ursache einer Krankheit ist laut Ayurveda ein Verhalten, dass die Grundeigenschaften im Übermaß verstärkt. Der Vata-Typ, der dünn ist und schnell friert, darf sich nie großer trockener Kälte aussetzen – weil er dann noch mehr frieren würde. Der Pitta-Typ hingegen, der mehr Polster hat und Wärme verströmt, darf keine scharfen und heißen Mahlzeiten und keinen Alkohol zu sich nehmen – weil er sonst seine innere Wärme noch mehr verstärken würde. Der Kapha-Typ, der die Substanz verkörpert und das Schwere und Gewichtige repräsentiert, darf nie Kaltes, Öliges und Schweres essen – Völlegefühl und Verdauungsschwäche wären die Folge.

Jede Behandlung besteht aus einer Vorbereitung, der Hauptbehandlung und dem Nachher. Die Vorbereitung soll den Körper empfänglicher für die anschließende Hauptbehandlung machen. Heilpflanzen wie Ingwertee oder schwarzer Pfeffer mit Honig wirken verdauungsfördernd und magenstabilisierend. Zur weiteren Vorbereitung dient das einwöchige Butteröltrinken. Morgens werden im Allgemeinen 80 ml Butteröl (Ghee) verabreicht. Danach trinkt man nur Ingwertee oder heißes Wasser, bis sich der Appetit auf eine leichte Diätkost wieder einstellt. Das Butteröltrinken ist von viel Ruhe begleitet. Es soll die Gewebe weich und biegsam machen und ist im Allgemeinen nicht belastend. Es wird mit einer ritualisierten Wärmebehandlung abgeschlossen.

Die gesamte Vorbereitung kann 10 bis 14 Tage dauern. Prinzipiell muss man für eine ayurvedische Therapie viel Zeit mitbringen. Bis der gewünschte Erfolg eintritt, können Monate vergehen.

In der Hauptbehandlung sollen die krank machenden Faktoren ausgeleitet werden. Für diese Reinigungskur (Pancha-Karma) werden je nach Störung eines oder mehrere von fünf ausleitenden Verfahren angewendet. Dies sind die Ausleitung über den Magen (herbeigeführtes Erbrechen), Ausleitung über den Dünndarm (abführende Maßnahmen), Ausleitung über den Dickdarm (Einlaufbehandlung), Ausleitung über die Nase (Nasenbehandlung) und Ausleitung über das Blut (Aderlass). Die Art der Ausleitung wird von der Art der Störung begründet. Wenn man beispielsweise zuviel Kapha-Symptome erworben hat – umgangssprachlich könnte man das auch als Übergewicht bezeichnen –, so schreibt die ayurvedische Medizin eine Ausleitung über die Nase oder über den Magen vor. Eine Migräne wird beispielsweise durch eine Nasenbehandlung therapiert.

Alle Verfahren werden kontrolliert und sehr gründlich ausgeführt. Für den Organismus kann die Behandlung sehr belastend sein! Wichtig ist, nach einem Behandlungszyklus zu ruhen und sich davon zu erholen.

Auch bei Stress, Schlaflosigkeit, Herzrasen

In der Nachbehandlung wird der Patient sozusagen für sein Leben zu Hause neu eingestellt – eine regelmäßige Einteilung des Tages, die Vermeidung von körperlicher wie psychischer Überanstrengung, individuelle Ernährungsregeln und eine Kräuterbehandlung sollen die erreichten Heilerfolge festigen.

Ayurveda wird hauptsächlich bei funktionellen Störungen angewandt, bei denen keine Organschädigung nachweisbar ist. Vor allem für die nervösen Beschwerden, die sich in Stress, Schlaflosigkeit, Herzjagen und Magenschmerzen ausdrücken können, ist ein ayurvedischer Kuraufenthalt sehr wirkungsvoll. Die Kliniken selbst werben mit folgendem Wirkungsspektrum: Erkrankungen des Verdauungstraktes, psychosomatische Erkrankungen, allgemeine Beschwerden und Rege­ne­ration, Krebserkrankungen, Nie­­r­enbecken- und Harnwegserkrankungen, Multimorbidität, orthopädische und rheumatische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen, Hauterkrankungen, Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkran­kungen. In Kliniken wird Ayurveda oft begleitend eingesetzt. Echte Gegenanzeigen zur Therapie gibt es nicht.

Eine Ayurveda-Kur kann man außer in Deutschland natürlich auch in Indien und Sri Lanka durchführen. Die Preise und Qualitäten sind sehr unterschiedlich. In Deutschland gibt es fünftägige Pauschalangebote für rund 700 Euro, individuelle Kuren dauern länger und kosten mehr: 18 Tage etwa 3500 Euro. In Indien und Sri Lanka kosten selbst die noblen Anwendungen weniger, hinzu kommen aber die Flugkosten (siehe Internet, z.B. www.india-tourism.de, dann links auf „Wellness“ und auf „Ayurveda“ gehen.)

Auch wenn Ayurveda nicht ohne Weiteres in westliche Lebenswelten zu transportieren ist – eine professionelle Ayurveda-Kur, die mit viel Zeit und Ruhe durchgeführt wird, ist ganz sicher eine echte Lebensbereicherung.

Der Stirnguss

Der im altindischen als Shirodhara bezeichnete Stirnguss wirkt beruhigend auf das vegetative Nervensystem und wird deswegen besonders bei chronischen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Stress- und Burnout-Syndromen und Depressionen eingesetzt. Der Behandelte gelangt in eine tiefe Entspannung und Beruhigung, und fühlt gleichzeitig Sinne und Geist gekräftigt und stimuliert.

 

Was sind Vata, Pitta und Kapha?

Nach ayurvedischer Lehre gibt es drei Urprinzipien: Bewegung, Kraft und Substanz. Aus diesen drei Grundtypen sind alle Menschen zusammengesetzt. Meist dominieren ein oder zwei Prinzipien. Auch alle anderen Dinge, Lebewesen und Vorgänge enthalten unterschiedliche viele Anteile aus Bewegung, Kraft und Substanz und lassen sich daher kategorisieren.

  • Vata verkörpert die Bewegung. Der Vata-Typ macht viel Wind, ist dabei auch unsicher und hat wenig konstante Kraft. Er begreift schnell und vergisst das Gelernte ebenso schnell wieder. Er ist meist dünn, schlaksig und hat wenig Körperkraft. Haut, Haare und Nägel sind spröde und trocken. Er neigt zu Angst und Besorgnis, hat oft Verdauungsstörungen und Neigung zu Verstopfungen und Blähungen.
  • Pitta verkörpert die Kraft. Der Pitta-Typ imponiert mit Selbstbewusstsein, denkt klar und verhält sich konsequent. Sein Körper ist gut durchblutet, er schwitzt viel und stark, neigt zu Inkonsequenz und ist intelligent. Er spricht schnell und präzise, schläft gut und verdaut problemlos. Die Haut hat Sommersprossen, die Fingernägel sind kräftig. Er bevorzugt Kaltes, um die innere Hitze auszugleichen.
  • Kapha verkörpert die Substanz. Wie ein Elefant ist der Kapha-Typ gewichtig, langsam, durchsetzungsstark und dabei freundlich. Er hat ein ausgeprägtes Durchsetzungsvermögen und ist gesellschaftlich meistens erfolgreich. Er schläft tief und lang und träumt dabei viel. In einer großen Familie fühlt er sich geborgen. Die Hände sind lang und schmal, die Fingernägel weich und dick, das Haar voll und fest, die Haut ölig und weich. Der Kapha-Typ neigt zu allergischen Krankheiten.

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