Donnerstag, 23. Oktober 2014

Für Patienten

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf unsere Gesundheit?

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf unsere Gesundheit?

02.05.2011
Von: Anouschka Wasner, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 13044
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Wie wird man gesund alt?

"Wer gesund bleiben will, muss Sport treiben und Gemüse essen." Lässt sich das wissenschaftlich untermauern? Eine Krebs-Analyse gibt Antwort.


Der Prototyp des wild gestikulierenden und dauerhaft quasselnden Sizilianers oder der klassische Schotte aus dem einsamen Hochland: Wer ist wohl anfälliger für einen Herzinfarkt? Natürlich der Schotte – sonst wäre die Frage ja nicht interessant. Warum es sich so verhält, ist ein Thema, mit dem sich die Epidemiologie beschäftigt, der Wissenschaftszweig, der sich mit der Häufigkeit und den Verteilungsmustern von Krankheiten in einer Bevölkerung befasst.

 

Bei anderer Gelegenheit haben Epidemiologen herausgefunden, dass Japaner, die nach Amerika ausgewandert waren, über Generationen hinweg nicht mehr an Magenkrebs erkrankten – eine in Japan häufige Krebsart –, sondern auf einmal deutlich öfter an Prostatakrebs oder Herzinfarkt.

Welche Faktoren entscheiden, ob man krank wird?

Zu beobachten war , dass sich die Häufigkeit bestimmter Krankheiten im gleichen Maße an die entsprechenden Statistiken der US-Bevölkerung anpasste, wie die Gewohnheiten der Zuwanderer dem Lebensstil der Einheimischen ähnlicher wurden – mit solchen Untersuchungen lässt sich der Einfluss äußerer Faktoren auf die Gesundheit bestimmen.

 

Und dafür interessiert man sich zurzeit ganz besonders. Denn eines der aktuellen Hauptprobleme der Weltbevölkerung ist: Der Mensch wird immer älter. Die Pro-Kopf-Ausgaben für die Gesundheit sind aber im fortgeschrittenen Alter etwa um den Faktor acht höher als bei 20-Jährigen, so rechnet Bevölkerungswissenschaftler Professor Herwig Birg von der Universität Bielefeld. Dieser Anstieg ergibt sich einfach daraus, dass ältere Menschen häufiger erkranken als jüngere.

 

Und so reagiert nicht nur die deutsche Bundesregierung mit einem massiven Angebot an Gesundheitskampagnen. Die Präventionsmaßnahmen sollen Menschen helfen, möglichst lange gesund und selbstbestimmt zu leben – was in der Folge auch zu einer Senkung der Gesundheitskosten führt. Denn Experten gehen davon aus, dass die meisten Krankheiten erst im Laufe des Lebens erworben werden. Die Konsequenz: Mit regelmäßiger Bewegung, gesundheitsbewusster Ernährung und ausreichender Erholung kann Erkrankungen aktiv vorgebeugt werden und die Verschlimmerung einer Krankheit verhindern und Pflegebedürftigkeit vorbeugen.

Krebsreport soll im Alltag Zeichen setzen

Stellt sich die Frage: Mit welchen Präventionsmaßnahmen gegen welche Erkrankungen? Der World Cancer Research Fund, kurz WCRF, hat  einen Report veröffentlicht, der sich mit der Entstehung von Krebs befasst. Das globale Netzwerk aus gemeinnützigen, unabhängigen Organisationen aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Frankreich und Hongkong hat bereits 1997 einen Report veröffentlicht, der als einflussreichste Abhandlung auf seinem Gebiet angesehen wird. Die Vision, die das Netzwerk bei der zweiten, noch aufwendigeren Analyse angeleitet hat: Menschen zu helfen, „Entscheidungen zu treffen, die ihr Krebsrisiko senken".

Aber lässt sich Krebs verhindern? Nach Analyse von Tausenden Studien wird im Abschlussbericht des WCRF die Aussage vertreten, dass Krebs eine vermeidbare Krankheit sei. Das heiße nicht, dass jede Form von Krebs vermeidbar sei. Doch liege die Zahl der erblich bedingten Krebsfälle bei etwa 5 Prozent. Demnach könne also jeder täglich selbst dazu beitragen, sein persönliches Krebsrisiko zu senken.

In einer vereinfachten Darstellung werden die Zusammenhänge, die der WCRF zwischen Ernährung, Bewegung und Krebsentstehung sieht, deutlich: Bei Krebserkrankungen handelt es sich um eine Entgleisung der Zellteilung. Das führt zu einem ungebremsten Zellwachstum. In einem dreistufigen Prozess kommt es dann zu Störungen von Organfunktionen und später sogar zum Erliegen derselben.

Waffen gegen den Krebs

Man geht jedoch davon aus, dass dieser Prozess bis zu einem bestimmten Grad unterbunden werden kann. Und zwar mithilfe von Nähr- und Wirkstoffen, die in Lebensmitteln enthalten sind: nämlich zum einen Vitamine und Mineralstoffe, die in –  mehr oder weniger – allen Lebensmitteln vorkommen, und zum anderen Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind.

 

Genauso wichtig scheint aber auch Muskelaktivität in der Krebsvorsorge zu sein: Einerseits schützt sie offensichtlich direkt vor bestimmten Krebserkrankungen, andererseit verhindert sie Gewichtszunahme. Und Übergewicht hat sich Untersuchungen zufolge sogar als ein selbstständiger Risikofaktor für die Entstehung von Krebs erwiesen.

 

21 international renommierte Wissenschaflter haben fünf Jahre lang an dem Report des WCRF gearbeitet, neun wissenschaftliche Institutionen waren daran beteiligt. 497 350 wissenschaftliche Veröffentlichungen wurden ermittelt, davon 22 100 ausgewertet. Letztlich wurden 7000 Studien in die umfassende Endbewertung einbezogen – jetzt liegt es an jedem Einzelnen, etwas für sich und seine Gesundheit daraus zu machen.


WCRF-Empfehlung 1

„Es wird empfohlen, so schlank wie möglich
zu bleiben, und zwar innerhalb des normalen
Körpergewichtsbereichs"

Für Erwachsene gilt ein Body-mass-Index – Körpergewicht geteilt durch Größe in Meter2 – von 18,5 bis 24,9 als normalgewichtig. Was lange toleriert wurde, nämlich dass man mit dem Alter „ein bisschen Bauch" bekommt, ist zu vermeiden! Die Wissenschaftler vermuten sogar, dass die lebenslange Beibehaltung eines normalen Körpergewichts die wichtigste Maßnahme zur Prävention von Krebs ist. Außerdem schützt ein normales Körpergewicht vor vielen anderen häufigen Krankheiten.

WCRF-Empfehlung 2

„Körperliche Aktivität sollte ein Teil des täglichen Lebens sein"

Vor bestimmten Krebsarten schützt jegliche Form von körperlicher Aktivität. Empfohlen werden 30 Minuten Bewegung täglich, mit einem Grad an Anstrengung wie etwa bei schnellem Gehen. Wer seine Leistungsfähigkeit verbessern will, sollte 60 Minuten moderate oder 30 Minuten intensive Aktivität einplanen.

WCRF-Empfehlung 3

Der Verzehr energiedichter Lebensmittel sollte begrenzt sein, zuckerhaltige Getränke sind zu vermeiden"

Nr. 3 zielt in erster Linie darauf, Nr. 1 zu unterstützen: die Beibehaltung eines normales Körpergewichts. Gemeint sind Lebensmittel, die mehr als 225 kcal pro 100 g enthalten.

WCRF-Empfehlung 4

„Es wird empfohlen, überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu verzehren"

Five a day – täglich fünf Portionen bzw. mindestens 400 g nicht stärkehaltiges Gemüse sowie Obst lautet die Devise. Nicht stärkehaltige Gemüse sind grüne und Blattgemüse, Brokkoli, Okra, Auberginen, Chinakohl und Wurzelgemüse wie Karotten, Artischocken, Selleri, Steckrüben und Kohlrabi (aber keine Kartoffeln!).

WCRF-Empfehlung 5

„Es wird empfohlen, den Verzehr von rotem Fleisch zu begrenzen und den Verzehr von bearbeitetem Fleisch zu vermeiden"

Rotes Fleisch heißt Rind, Schwein, Schaf und Ziege, bearbeitet heißt geräuchert, gebeizt oder gesalzen. Wer sich das zu Herzen nimmt, kann Vegetarier werden –  muss es aber nicht. Die Wissenschaftler merken an, dass auch Fleisch wichtige Nährstoffe liefert und damit gesundheitsfördernd ist – solange es in Maßen genossen wird.

WCRF-Empfehlung 6

„Empfohlen wird eine Begrenzung des Konsums
alkoholischer Getränke"

Die Daten zum Krebsrisiko legen sogar völlige Enthaltsamkeit nahe. Empfohlen wird aber nur eine Beschränkung – bei Männern auf zwei Gläser mit 10 bis 15 g Alkohol am Tag, bei Frauen auf eines –, da die Datenlage darauf hinweist, dass Alkohol einen gewissen Schutz vor der koronaren Herzkrankheit bieten könnte.

WCRF-Empfehlung 7

„Empfohlen wird eine Begrenzung des Salzkonsums, der Verzehr von verschimmeltem Getreide oder verschimmelten Hülsenfrüchten ist zu vermeiden"

Zu viel Salz wird für die Entstehung von Magenkrebs verantwortlich gemacht. Die zweite Aussage spiegelt den globalen Anspruch der Empfehlungen wider: Besonders auch in tropischen Ländern kommt es durch falsche Lagerung zu entsprechenden Problemen.

WCRF-Empfehlung 8

„Der Nährstoffbedarf sollte ausschließlich durch Lebensmittel gedeckt werden"

Die Daten zeigen, dass hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel sowohl vor Krebs schützen – als auch Krebs begünstigen können. Deshalb sollte die Zufuhr wichtiger Nährstoffe über die übliche Kost auf jeden Fall vorgezogen werden!

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte