Sonntag, 20. April 2014

Für Patienten

Festes Zubeißen braucht festes Zahnfleisch.

Festes Zubeißen braucht festes Zahnfleisch.

12.05.2012
Von: Stefan Gutting; Foto: irisblende
Artikel Nummer: 19259
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Zähne: Bei Parodontitis droht der Zahnverlust

Wie sollen wir unsere Zähne vorsorgen? Putzen, putzen, putzen ...


„Ihre Zähne sind in Ordnung – aber Ihr Zahnfleisch geht zurück!“ Auch wenn diese Werbung vor mehr als 30 Jahren ausgestrahlt wurde, ist sie heute genauso aktuell.


Ungefähr 80 Prozent der Erwachsenen haben mit Zahnfleischentzündungen Gingivitis – zu tun und die Mehrheit von ihnen leidet bereits an einer Zahnbetterkrankung – einer Parodontitis –, bei der auch das tiefer liegende Gewebe betroffen ist. Somit ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen nicht die Karies, wie viele glauben, sondern die Zerstörung des Zahnhalteapparates durch Parodontalerkrankungen.

Zahnfleischbluten ist nicht „normal“

Untersuchungen zeigen, dass etwa ein Viertel der Bevölkerung bereits aufgrund genetischer Faktoren ein erhöhtes Parodontitis-Risiko hat. Blutspuren beim Ausspülen nach dem Zähneputzen? Das Zahnfleisch wirkt aufgequollen, weich und tief gerötet? Das ist nicht „normal“, sondern ein Alarmzeichen: Gesundes Zahnfleisch hat eine blassrosa Farbe, liegt fest an den Zähnen an und blutet nicht bei Berührung.


Zahnfleisch entzündet sich, wenn sich auf den Zahnflächen Bakterien ansammeln und zu einem haftenden Plaquefilm werden. Das kann schon innerhalb weniger Tage passieren: Wird der Bakterienfilm nicht mit Zahnbürste oder Zahnseide entfernt – Spülen oder Munddusche reichen nicht! –, gelangen die giftigen Stoffwechselprodukte der Bakterien in den angrenzenden Zahnfleischsaum und lösen dort eine entzündliche Reaktion aus.

Achtung Zahnsteinbildung!

Durch Mineralien, die unter anderem im Speichel enthalten sind, verfestigt sich diese Bakterienplaque weiter: Es entsteht Zahnstein, insbesondere an den Zähnen, in deren Nähe die großen Speicheldrüsen in den Mund einmünden. Daher findet sich Zahnstein oft an den Innenseiten der unteren Schneidezähne sowie an den Außenseiten der oberen großen Backenzähne.


Mangelnde Mundhygiene, ungenügende Speichelmenge, defekte Füllungen und ungünstige Zahnstellungen können die Zahnsteinbildung begünstigen.
Auf der rauen Oberfläche des Zahnsteins können sich dann weitere Bakterien ansiedeln. Schließlich erreichen Plaque und harte Ablagerungen auch die Wurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischsaumes, eine Parodontitis entsteht.


Die Gewebsstrukturen, die die Zahnwurzeln umgeben, also Bindegewebsfasern und Knochen, werden durch die Infektion und die Immunreaktion des Körpers angegriffen: Es bilden sich Zahnfleischtaschen, die im fortgeschrittenen Stadium über acht Millimeter weit bis zur Wurzelspitze reichen können. Die Konsequenzen: Die betroffenen Zähne lockern sich und sind letztendlich nicht mehr erhaltbar.

Zähne von Rauchern besonders gefährdet

Parodontalerkrankungen haben sehr unterschiedliche Verlaufsformen. Häufig entwickeln sie sich in Schüben über viele Jahre, es gibt aber auch sehr aggressive, rasch verlaufende Formen, die allerdings eher bei jüngeren Patienten auftreten. Prinzipiell gefährdet sind Raucher, die wesentlich häufiger als Nichtraucher an Parodontose erkranken. Weitere Risikofaktoren sind allgemeine Abwehrschwäche und auch Stress.


Wichtig zu wissen: Diese tiefen Zahnfleischtaschen können Eintritts-
pforten für Krankheitserreger und deren Giftstoffe in den Körper sein. Unbehandelte Zahnbetterkrankungen stellen daher eine nicht zu unterschätzende Gefahr für den ganzen Organismus dar. Sie können Mitauslöser von Herzerkrankungen und Diabetes sein und sollen nach neuen Untersuchungen auch den Verlauf von Schwangerschaften beeinträchtigen können.

Zaubermittel: Zahnbürste und Zahnseide

Ist die Entzündung auf die direkte Umgebung des Zahnes begrenzt – es handelt sich also um eine Gingivitis und noch nicht um eine Parodontitis –, führt die Entfernung der bakteriellen Plaque und des Zahnsteins in wenigen Tagen zu einer Abheilung.


Liegt dagegen bereits eine Parodontitis vor, wird genauso zunächst der Zahnstein und die oberflächliche Plaque entfernt und die professionelle Zahnreinigung durchgeführt. Nach Vermessung der Taschentiefen im Zahnfleisch und der Lockerungsgrade der Zähne müssen dann aber auch unterhalb des Zahnfleischsaumes alle Ablagerungen von der Wurzel entfernt und die Wurzeloberflächen geglättet werden. Bei sehr tiefen Zahnfleischtaschen kann sogar ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um Ablagerungen und zerstörtes Gewebe zu entfernen.


Die Behandlung ist aber nur dann erfolgreich, wenn im Anschluss daran sorgfältig auf Mundhygiene geachtet wird: Gründliche und mindestens zweimal tägliche Zahnreinigung mit Zahnbürste, Zahnseide und ähnlichen Hilfsmitteln verhindert die Entstehung neuer Plaque. Und ein- bis zweimal im Jahr ist eine professionelle Zahnreinigung mit Polierpasten und einem Airflow-Pulverstrahlgerät fällig – um den zitierten Werbespot fortzuführen: „Damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können.“ 

 

Parodontose – Parodontitis?
Parodontose bezeichnet eine degenerative Erkrankung des Zahnhalteapparates, Parodontitis die entzündliche Erkrankung desselben – mit gleicher Folge, nämlich dem möglichen Verlust von Zähnen.

 

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