Donnerstag, 24. April 2014

Fürs Praxisteam

Den IGeL zum richtigen Patienten bringen.

Selbstzahlerleistungen heißen auch IGeL: Individuelle Gesundheitsleistungen.

04.06.2012
Von: Anouschka Wasner, Foto: Irisblende
Artikel Nummer: 16565
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Den IGeL zum richtigen Patienten bringen

Selbstzahlerleistungen: Hemmschwellen zwischen Patient und IGeL gibt es viele. Überwinden Sie sie - zum Nutzen des Patienten!


Eine der klassischen Hemmschwellen entsteht zum Beispiel häufig aus der Annahme, Selbstzahlerleistungen würden vom Arzt nur angeboten, um Geld damit zu machen. Daraus erklärt sich, dass es sehr kontraproduktiv sein kann, jedem Patienten jede IGeL anzubieten. Denn damit hätte man diese Vorurteile ein wenig unterstützt. Wobei das Gegenteil – dem Patienten gar keine Angebote zu machen, damit er nicht auf solche Gedanken kommt – natürlich genauso wenig hilfreich ist.

Überlegen Sie sich IGeL-Indikationen!

Um eine Linie in das IGeL-Angebot der Praxis zu bringen, überlegen Sie mal im Team, welche Merkmale eines Patienten ihn an welchem Ihrer IGeL Interesse haben lässt: Alter? Übergewicht? Raucherfinger? Gestresstes Aussehen? Berufsgruppe? Risikogruppe? Diagnosen? Die Affinität zu alternativen Heilmethoden? Oder „nur“ ein großes Gesundheitsbewusstsein? Welche dieser Aspekte können schon am Tresen von der MFA abgefragt werden, um solche Merkmale herauszufinden? Überlegen Sie sich entsprechende Zeichen, die auf der Patientenakte vermerkt werden, sobald sich im Aufnahme- oder Arztgespräch Anhaltspunkte für eine solche „Indikation“ ergeben.

Arzthelferin oder Arzt - wer soll dem Patienten den IGeL anbieten?

Als nächstes sortieren Sie Ihre IGeL: Präventive Leistungen, die sich an Risikogruppen wie Raucher oder Übergewichtige wenden, also noch nicht in direktem Zusammenhang mit einer Krankheit stehen, können direkt von den MFA angeboten werden. Bei allen anderen Leistungen bietet sich ein abgesprochenes Zusammenspiel zwischen Arzt und Arzthelfern an. Überlegen Sie sich jetzt einen optimalen Ablauf, z.B. vom ersten Angebot der MFA, welche dann auf den Arzt verweist, über das Gespräch in der Sprechstunde bis zum Festzurren an der Rezeption.

Zuständigkeiten im Praxisteam klar vorgeben

Legen Sie fest, wer für was zuständig ist – „jemand“ funktioniert quasi nie. Je besser die jeweils zuständigen Person in Rollenspielen, mit Vorgaben und Informationen geschult sind, desto überzeugender agieren sie! Übrigens: Wem solche Gespräche unangenehm sind und trotz Übung auch bleiben, der sollte anderen den Vortritt lassen – das gilt auch für den Arzt. Entscheidend ist in erster Linie, dass dem Patienten immer ersichtlich ist, dass ihm die Leistung auf der Grundlage einer ärztlichen Empfehlung angeboten wird.

Der Praxistipp: IGeL-Ablehnungen – wie man ihnen begegnet

1. „Ich überleg mir das“ oder „Ich spreche mit meiner Frau/meinem Mann drüber.“ Lassen Sie diesem Patienten Zeit. Sagen Sie ihm: „Ja, machen Sie das. Soll ich Sie in drei Tagen noch mal anrufen? Dann geht es nicht vergessen.“ Und: Bei Unentschlossenen erst gar keine Alternativen nennen!

 

2. „Ich weiß nicht“ und die Frage nach Details, das Greifen des Formulars, Vorbeugen oder Wiederholen der positiven Aspekte. Jetzt geht es darum, die Situation richtig zu deuten – reichen Sie dem Patienten den Stift bzw. machen Sie einen Termin aus!

 

3. „Überall muss man bezahlen!“ Zeigen Sie Verständnis – schließlich hat der Patient recht. Aber erklären Sie ihm gleichzeitig, dass ihm dieses Lamento auch nicht weiterhilft, wenn er seiner Gesundheit etwas Gutes tun will.

 

4. „So etwas interessiert mich nicht.“ Eine Antwort hierauf ist nicht leicht. Wichtig wäre es, die Relation klar zu machen – schließlich geht es nicht um ein neues Auto, sondern um die Gesundheit. Versuchen Sie es mit: „Ich erkläre Ihnen noch mal, warum es gerade für Sie sinnvoll ist.“ Ausnahme: Sie haben die Wahrnehmung, dass der Patient wirklich nichts davon wissen will.

 

5. „Ja, aber …“ Welches Argument auch immer folgt: Gehen Sie darauf ein und erklären Sie, warum es nicht ausschlaggebend ist. Aber: Müssen Sie feststellen, dass der Patient recht hat, dann ist der IGeL tatsächlich nicht der richtige für ihn!

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema