Freitag, 18. April 2014

Fürs Praxisteam

17.07.2012
Von: Dr. Robert Oberpeilsteiner
Artikel Nummer: 19659
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Smarter Herztod aus dem App-Store

Legen Sie sich Ihr Smartphone auf die Brust und schreiben Sie sich einfach ein EKG. Mit dem Smartphone-Serviceprogramm der virtuellen Assistentin Sara bieten sich unglaubliche Möglichkeiten.


Sara: Hallo, hier ist Sara, ihre persönliche Assistentin. Ich bin immer dienstbereit. Was kann ich für Sie tun?

 

Patient: Ich habe mir eben ein EKG abgeleitet. Können Sie es für mich interpretieren?

 

Sara: Hmm, sie haben gehäuft ventrikuläre Extrasystolen. Wie geht es Ihnen?

 

Patient: Ich bin etwas schwindelig.

 

Sara: Ich werde sofort den Rettungsdienst informieren. Bleiben Sie dran.

 

Patient: Danke!

 

Sara: Oops ... Ihr EKG zeigt jetzt eine Kammertachykardie von über zweihundert. Der Rettungsdienst ist informiert. Rettungssas nitäter Sebastian Schaumermal ist am Steuer. Die Durchschnittsgeschwindigkeit seiner Einsätze innerorts liegt bei ... Augenblick ... 37 Stundenkilometer. Das heißt, er müsste in acht Minuten und zwölf Sekunden bei Ihnen sein. Das könnte verdammt knapp werden. Moment ... das EKG dürfte dann mit 98-prozentiger Wahrscheinlichkeit seit vier Minuten die Nulllinie anzeigen.

 

Patient: Sara, Was schlagen sie vor.

 

Sara: Sie können sich die App „Defribillieren“ auf ihr Smart-phone laden.

 

Patient: ...?

 

Sara: Sie können es im Programm App Store erwerben. Sie müssen dazu ihr Kennwort sowie die letzten drei Ziffern der Kreditkarte eingeben.

 

Patient: ...

 

Sara: Sie wissen die drei Ziffern nicht. Das ist ausgesprochen kontraproduktiv für das weitere Procedere. Dann würde ich Ihnen empfehlen, per Voicemail eine letzte Nachricht an Ihre Frau zu hinterlassen. Achtung! Das Band läuft.

 

Patient: ...

 

Sara: Vielen Dank. Aber Ihre Stimme klingt gar nicht gut. Sie sollten sich die App „Kommunikationshilfe im Notfall“ auf Ihr Smartphone laden. Es funktioniert nach dem Prinzip des Morse-Codes. So können wir uns auch noch verständigen, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind zu sprechen.

 

Patient: ...

 

Sara: Dann eben nicht, ich habe es nur gut gemeint.

 

Patient: Danke.

 

Sara: Bitte, aber gerne. Was kann ich noch für Sie tun? Übrigens haben wir über das Programm „Meine Freunde orten“ festgestellt, dass Susi und Schnipsi aus Ihrem Adressbuch nur eine Straße entfernt sind. Sollen wir ihnen eine SMS senden?

 

Patient: ...

 

Sara: Nein, Sie können jetzt keine Hunde brauchen? Wie Sie meinen. Ihre Assistentin Sara ist immer für Sie dienstbereit.

 

Patient: Wann kommt endlich der Sanka?

 

Sara: Der Krankenwagen befindet sich laut Navigationsprogramm bereits Müllerstraße 17/ Ecke Kaiserplatz. Rettungsassistent Sebastian Schaumermal hat nachgefragt, ob er mit Sondersignal fahren soll. Wir haben dies nachdrücklich bestätigt.

 

Kurze Pause.

 

Sara: Oops, Ihre Kammertachykardie hat sich beschleunigt. Sie müssten eigentlich schon bewusstlos sein. Wenn Sie es wünschen, werden wir Ihre zweite Frau benachrichtigen. Wir könnten ihr gleichzeitig unverbindlich die Website eines kostengünstiges Bestattungsinstitutes mailen.

 

Patient: ...

 

Sara: Gut, dann drücken Sie auf „Bestätigung“. Danke, der Auftrag wird weitergeleitet. Rettungsassistent Schaumermal hat nachgefragt, ob wir das Not- signal bestätigen könnten. Wir haben es selbstverständlich ge- macht. Sara ist immer für Sie da.

 

Patient: ...ich kann nur noch warten.

 

Sara: Oh, wir müssen leider feststellen, dass der Anwalt Ihrer ersten Frau, Herr Dr. Justus Halsabschneider, sich über das unsoziale Netzwerk Assbook ein- gelinkt, und die Daten Ihres EKG gehackt hat.

 

Patient (mit letzter Kraft): Wie kann sowas passieren?

 

Sara: Vermutlich haben sie nicht die letzte Sicherheitssoftware upgedatet. Aber wir können noch mit dem Programm „meine Feinde“ einen Trojaner absenden, der ihre Daten verschlüsselt? Wenn Sie dies wünschen, so geben Sie ENEMY ein und drücken Sie zweimal „Bestätigung“.

 

Patient: ... Sara: Sie müssen es zweimal drücken.

 

Patient: ...


Sara: Danke. Susi und Schnipsi sind übrigens laut GPS nur noch fünfzig Meter entfernt. Sie haben sie offensichtlich olfaktorisch geortet, denn wir haben sie nicht verständigt.

 

Patient (kraftlos): ...wie lange noch?


Sara: Rettungssanitäter Schaumermal hat eben bestätigt, unsere Zustimmung für den Einsatz der Notsignale erhalten zu haben.

 

Patient: ...

 

Sara: Warum antworten sie nicht.

 

Patient: ...

 

Sara: Sie werden jetzt einen Ton hören, dann drücken sie auf die Taste „Escape“ so schnell sie können. Anhand der Reaktionszeit berechnen wir den Eintritt der Bewusstlosigkeit. Achtung! Wir möchten uns jetzt schon für die gute jahrelange Zusammenarbeit bedanken. Ihre Assistentin Sara.

 

Patient:  ...

 

Sara: Rettungsassistent Schaumermal hat Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet. Hören Sie mich noch ...

 

Patient: ...

 

Sara: Das Bestattungsinstitut hat bei Ihrer Frau nachgefragt, ob Öko, Premium oder Normal. Sie hat sich für Öko entschieden. Das machen die meisten Frauen. Ich wäre auch dafür. Als der Rettungswagen mit Rettungssanitäter Sebastian Schaumermal am Unfallort eintraf, waren bereits Bestattungsinstitut Seelenruh, Rechtsanwalt Dr. Justus Halsabschneider und die Polizei vor Ort. Sie fanden neben einem Toten zwei jaulende Hunde vor.

 

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