Donnerstag, 31. Juli 2014

Infotainment

26.07.2012
Von: Dr. Günter Gerhard
Artikel Nummer: 19691
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Der Gewinn aus GKV-Tätigkeit ist zu niedrig

Der magere GKV-Gewinn treibt Praxen in den Ruin, meint Dr. Günter Gerhard. Er fordert, den Kostenansatz zu revidieren.


Sind Sie ein Surfer im Internet? Dann besuchen Sie doch mal Ärzteforen. Sie kommen sich vor wie auf einem „Tahrir-Platz“ für Ärzte. Und den brauchen wir, liebe Kolleginnen und Kollegen!


So durfte ich dieser Tage folgende Sätze einer Kollegin lesen: Wenn ich mir das deutsche Gesundheitswesen heute betrachte, fühle ich mich an die Malthus´sche Verelendungstheorie erinnert. Eine Theorie, die grob vereinfacht besagt, dass die „Mächtigen“(in unserem Fall die Krankenkassen) immer nur so viel bereit sind für eine Leistung zu bezahlen, dass der Arbeiter (sprich hier Honorarabhängige) gerade noch in der Lage ist, seine Leistung zu erbringen. Sobald er mehr erbringt, wird sein Ho(h)norar in irgendeiner Form gekürzt. Die Arbeiterschaft hat aus diesem Sachverhalt den Schluss gezogen, sie brauche Vereinigungen (Gewerkschaften), um die Marktmacht über ihre Arbeitskraft zu gewinnen.

Ärzteschaft besteht aus einem Haufen Individualisten

Die Ärzteschaft scheint dazu nicht in der Lage zu sein, sie besteht aus einem Haufen von Individualisten, von denen jeder lieber für sich allein stirbt.
Ein immer wiederkehrendes Thema ist dabei der Ärztemangel, so nach dem Motto „Die Häuptlinge gehen, die Indianer flüchten.“ Es wird aber nicht nur aus Altersgründen gegangen, sondern aus pekuniären. So schreibt ein Kollege nach neun Jahren Praxis in Deutschland, der jetzt in die Schweiz geht: Hätte sich ein junger Kollege für meine verwaiste Praxis interessiert, dann hätte ich ihn fairerweise fragen müssen, ob er ganz bei Trost ist.


Ein Mittel gegen den Ärztemangel sollte die Aktion sein „Ältere Kollegen müssen junge Ärzte motivieren!“ Dazu schreibt ein Kollege: Ich persönlich möchte nicht dafür verantwortlich sein, einem jungen Kollegen das Leben durch nicht rückzahlbare Kredite, täglichen Dauerärger, Wochenarbeitszeiten an der Burn-Out-Grenze unter Verzicht auf ein eigenes Sozialleben und mit täglichen Ohrfeigen in der Presse unerträglich zu machen.“ Gut gebrüllt Löwe(n)! Danke! Zum Glück bleiben die Kolleginnen und Kollegen dem Forum auch treu, wenn sie denn erfolgreich z.B. in der Schweiz tätig sind und schreiben, wer viel arbeitet, bekommt auch mehr … ich werde nach Aufwand bezahlt (nicht pauschal) … Nachteil: Einen Tag die Praxis zu machen, kostet Geld, da es in der Schweiz kein Quartalsende und keine RLV-Überschreitung gibt.

KVen sollten mit den Steuerberatern zusammen arbeiten

Eins merkt man beim Surfen überdeutlich: Das Problem ist ein viel zu niedriger Gewinn aus der GKV-Tätigkeit, was immer häufiger Praxen in die Insolvenz bzw. in die Nähe davon treibt. Gute Lösungsansätze werden angeboten wie beispielsweise die Empfehlung, die KVen sollten eng mit den Steuerberatern zusammen arbeiten. In der Tat kennen sie die Zahlen ihrer Mandanten und schulden ihnen, so ein Urteil des Bundesgerichtshofs, eine umfassende Interessenwahrnehmung, also weitgehende Aufklärung über Risiken.

Strategische Offensive gegen Presse-Ohrfeigen

Diese prekäre Situation konnte sich in den letzten Jahren immer mehr zuspitzen durch folgenden, falsch praktizierten Ansatz: Der durchschnittliche Kostensatz einer Praxis (= Summe aller Kosten dividiert durch Summe aller Einnahmen) wird auf alle Einkunftsarten angewendet. So wird der gleiche Kosten- bzw. Gewinnfaktor den Einnahmen aus GKV-Behandlung als auch den Einnahmen aus Privatbehandlung zugeschrieben, obwohl beide Einkunftsarten bei gleichen Entstehungskosten weit unterschiedlich honoriert werden. Die Arztstunde geht dabei nicht in die Kostenkalkulation ein, so dass der höhere Zeitaufwand bei Privatpatienten in der Einnahmeüberschussrechnung nicht zu Buche schlägt. Dann kann man natürlich der GKV-Tätigkeit auch dann noch einen Gewinn zuschreiben, wenn der Einnahmebereich daraus längst defizitär ist, durch andere Arbeiten subventioniert wird, und insgesamt ein Gesamtgewinn erwirtschaftet wird.

 

Kein Wunder also, dass dieser falsche Kostenansatz seit mehr als  zehn Jahren dazu führt, uns einen doppelt so hohen Gewinn aus der GKV-Tätigkeit zu prognostizieren, als es der korrekten betriebswirtschaftlichen Rechnung entspricht.


Sicherlich keine einfache Materie, aber Ihr Steuerberater kann Ihnen das ganz genau erklären. Wichtig für Ihr Überleben, aber auch für eine strategische Offensive gegen die täglichen Ohrfeigen in der Presse. Wir müssen uns diese Argumentation zu Eigen machen, damit wir uns in der Öffentlichkeit wehren können. Ansonsten stellt man uns schnell wieder in die Ecke der „Jammerer auf hohem Niveau.“

 

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