Donnerstag, 21. August 2014

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14.12.2007
Von: Ute Ayazpoor
Artikel Nummer: 12127
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Auch Körpergewicht berücksichtigen!

Adipositas sollte nach Ansicht führender Experten stärker als bisher auch bei der antidiabetischen Therapie bedacht werden. Fallbeispiele* zeigten, dass es strategisch günstig für die Entwicklung des Körpergewichts sein kann, Patienten mit Typ 2 Diabetes bei Versagen von oralen Antidiabetika früh auf Insulindetemir (Levemir®) umzustellen.


„Wir Ärzte konzentrieren uns in erster Linie auf die Kontrolle des HbA1c-Wertes und berücksichtigen das Körpergewicht meist nur unzureichend in unseren therapeutischen Überlegungen“, sagte Professor Dr. Andreas Hamann, Diabetes-Klinik, Bad Nauheim anlässlich der Herbsttagung für Praktische Diabetologie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Am Fallbeispiel eines Hochrisikopatienten verdeutlichte er die Effekte einer frühzeitigen Insulintherapie auf die Stoffwechsel- und Gewichtskontrolle.

Hochrisikopatient: Therapie optimieren

Es handelte sich um einen 59-jährigen Patienten (Taillenumfang: 111 cm, HbA1c-Wert: 7,7 %, Nüchtern-Blutzucker: 162 mg/dl, HDL-Cholesterin: 32 mg/dl, Triglyzeride: 288 mg/dl, LDL-Cholesterin: 140 mg/dl, Blutdruck 140/95 mmHg). Sein kardiovaskuläres Risiko war zudem durch eine familiäre Vorbelastung erhöht: Die Mutter hatte mit 60 Jahren einen Herzinfarkt erlitten, der Vater hatte einen Typ 2 Diabetes, berichtete Prof. Hamann. Zum Zeitpunkt seiner Vorstellung erhielt der Patient dreimal täglich Metformin 850 mg, Pio­glitazon 45 mg einmal täglich, ASS 100 mg und Simva­statin 10 mg.

Changing Diabetes - Teil 2 der Diabetes World TourNach dem PROCAM-Algorithmus (10-Jahres-Risiko von 37 % für einen Herzinfarkt) wurde der Patient als Hochrisikopatient eingestuft, deshalb war eine Therapieoptimierung laut Prof. Hamann dringend erforderlich. Unter anderem wurde die Blutzuckereinstellung verbessert: Der Patient bekam zur Nacht 22 Einheiten Insulindetemir (Levemir®), d.h. in der üblichen Startdosis von 0,2 Einheiten pro kg Körpergewicht sowie weiterhin Metformin – das Glitazonpräparat wurde abgesetzt.

Nach vorheriger kardiologischer Diagnostik motivierte man den körperlich aktiven Patienten zu einem zusätzlichen, regelmäßigen Ergometertraining, weiterhin versorgte man ihn mit einem Schrittzähler.

Weniger Gewicht, besserer HbA1c-Wert

Der Patient wurde auch aufgefordert, die Insulindosis selbst zu steigern und kam schließlich auf eine Dosis von 48 Einheiten pro Tag. Unter die­ser Dosis ging der Nüchternblutzucker auf 112 mg/dl zurück, das HbA1c lag bei 6,9 % und der Patient hatte an Gewicht abgenommen. Dieser therapeutische Erfolg setzte sich nach weiteren drei Monaten mit einer weiteren Gewichtsabnahme bei nochmals verbesserter Blutzucker­einstellung fort. Bei übergewichtigen Diabetikern und KHK-Patienten sei die Zugabe von Metformin obligat, so Prof. Hamann.

In der klinischen Studie von Rosenstock et al. konnte beispielsweise gezeigt werden, dass Insulindetemir einen signifikanten Gewichtsvorteil beim Typ 2 Diabetes gegenüber Insulin­glargin aufweist.2

* vorgestellt auf der diesjährigen Herbsttagung für Praktische Diabetologie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG)
1 Reinehr T et al., Der Diabetologe 2007, Vol.3: 335
2 Rosenstock et al., Diabetes 2006; 55 (Suppl.1): A132
 

Im Interview: Prof. Dr. Stephan Jacob, Internist, Endokrinologe und Diabetologe, Villingen-Schwenningen

Realisierbare Ziele setzen

 
Prof. Dr. JacobWann hat die Empfehlung, körperlich aktiver zu werden, eine Chance bei ihren Patienten?
 
Prof. Jacob:
Das Problem ist, dass viele der vermeintlichen „Risikopatienten“ sich nicht als solche fühlen und keinen Grund für eine Intervention sehen – nach dem Motto: „Wieso – mir geht es doch gut?“ Hier sind die Voraussetzungen, etwas zu erreichen, schlecht. Ist aber ein eigener Wunsch und ein Interesse vorhanden, dann muss diese Motivation langfristig gefördert und gestützt werden. Als Arzt sollte ich mit dem Patienten realisierbare Ziele vereinbaren, wobei bereits das „in den nächsten Wochen Nicht-weiter-Zunehmen“ manchmal ein schweres Ziel ist! Bekanntlich ist die Prognose umso schlechter, je öfter schon nicht geglückte Versuche unternommen wurden.
 
Wie überzeugen Sie einen übergewichtigen Typ 2 Diabetiker von einer notwendigen antidiabetischen Therapie, unter der er weiter zunimmt?
 
Prof. Jacob:
Das ist ein sehr schwieriger Punkt. Ich höre immer wieder von interessierten Patienten, dass sie es nicht für sinnvoll halten, wenn zwar der Blutzuckerwert stimmt, sie aber nicht abnehmen können. Die Blutzuckerkontrolle muss nicht notwendigerweise zu einer Gewichtszunahme führen. Durch eine geschickte Auswahl an Therapeutika – hier sind auch die Insuline zu nennen – und eine vernünftige Lebensweise kann die Gewichtszunahme weitestgehend vermieden werden. Dies sollte man im Einzelfall entscheiden und im Idealfall auch mit dem Patienten besprechen.
 
Kann mit sportlicher Betätigung die therapiebedingte Gewichtszunahme kontrolliert werden?
 
Prof. Jacob:
Dazu gibt es relativ wenige Studien, aber mehrere Punkte sprechen klar dafür: Durch Verbesserung der Insulinresistenz wird beim Typ 2 Diabetes weniger Insulin benötigt, die körperliche Aktivität hilft beim Gewichtsmanagement. Die Bewegung hat direkte Auswirkungen auf den Energieverbrauch und den Stoffwechsel, da Muskelmasse aufgebaut bzw. besser erhalten wird.

Gelungene Aktion zum Weltdiabetestag in Mainz

Prävention stand im Mittelpunkt

MAINZ – Der am 14.11.2007 zum ersten Mal unter der Flagge der Vereinten Nationen weltweit durchgeführte Weltdiabetestag stand auf dem Gutenbergplatz in Mainz ganz im Zeichen der Prävention: Unter der Schirmherrschaft des Mainzer Oberbürgermeisters Jens Beutel wurde mit einem bunten Programm über die Risiken der Volkskrankheit Diabetes und Möglichkeiten der Vorbeugung informiert. Erfolgreicher Abschluss des Tages war der Changing Diabetes Run.

Der Weltdiabetestag stand ganz im Zeichen der Kinder mit dem Motto „Diabetes bei Kindern und Jugendlichen“. Denn Typ 2 Diabetes nimmt auch bei Kindern und Jugendlichen zu.1 Nur wer sich gesund ernährt und regelmäßig sportlich aktiv ist, kann sein Risiko hierfür deutlich senken. Daher engagierten sich Mainzer Schülerinnen und Schüler sportlich für mehr Aufklärung und Prävention, sie traten beim Wettbewerb „Superfit und Blitzgescheit“ in Wissensfragen, Geschicklichkeits- und Bewegungsspielen gegeneinander an und hatten viel Spaß dabei.

Schüler beim Weltdiabetestag

Gesundheitsaufklärung rund um Diabetes ist eines der Hauptanliegen des in Mainz ansässigen Pharmaunternehmens Novo Nordisk. Mit der „Changing Diabetes“ Kampagne möchte das Unternehmen über Dia­betes aufklären. Diese Kampagne besteht aus verschiedenen Aktionen. So wurden weltweit Unterschriften gesammelt und den Vereinten Nationen übergeben. Ziel der von der Internationalen Diabetes Föderation geführten und von Novo Nordisk unterstützten Kampagne „UNite for Diabetes“ war die Verabschiedung einer UN-Resolution zum Thema Diabetes. Mit Erfolg: Die Resolution der Vereinten Nationen erkennt Dia­betes erstmals als eine Bedrohung der Weltgesundheit an.

Ausgewogen ernähren, mehr bewegen

Der Kampf gegen Typ 2 Diabetes kann nach Ansicht von Experten nur gewonnen werden, wenn auch (noch) nicht Betroffene wissen, wie sie durch ausgewogene Ernährung – und vor allem ausreichende körperliche Bewegung – etwas für die Gesunderhaltung tun können, so der Olympiasieger im Zehnkampf von Seoul 1988, Christian Schenk. Er macht sich seit einiger Zeit für die „Gesunderhaltung der Arbeitskraft“ stark und warb auch am 14.11. in Mainz für regelmäßigen Sport.

Die Schwierigkeit in unserer Zeit sieht Christian Schenk darin, dass wir viele unserer Aufgaben nur erfüllen können, wenn wir Transportmittel nutzen und deshalb Wege zu selten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Die inzwischen erworbene Bequemlichkeit sei ein angenehmes, aber auch ein trügerisches Gut. Es gehöre durchaus Kraft dazu, diese „Komfortzone“, in der wir leben, im Interesse der Gesunderhaltung zu verlassen – die­se Kraft bringen viele aber nur dann auf, wenn sie auch Anregungen bekommen.

Christian Schenk empfiehlt deshalb: „Komm hervor – heraus aus der Komfortzone“. Nach dem ersten, motivierenden Schritt und der Erkenntnis, dass man sich durch Bewegung besser fühlt, gehe es dann darum, die Teilnehmer auch beim Erreichen des klassischen „toten Punktes“ zum Durchhalten zu motivieren. Denn Bewegung solle in erster Linie Spaß machen, nur dann setzte man diese guten Vorsätze auch in die Tat um – sogar unabhängig vom Wetter.

Benefizlauf mit über 250 Teilnehmern

Den erfolgreichen Abschluss des Aktionstages bildete der Changing Diabetes Run über 5,6 km am Rhein. Unter der Betreuung von Christian Schenk trotzten mehr als 250 Frauen und Männer unterschiedlichen Alters dem eisigen Wind. Sie benötigten zwischen 20 und 30 Minuten für die Strecke und konnten beim Zieleinlauf noch lächeln – ein Beweis dafür, dass sie Spaß am Laufen hatten. Im Übrigen sind sie nicht nur für die eigene Fitness gelaufen: Für jeden Läufer spendete Novo Nordisk 10 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund Mainz.

 

In Kooperation mit Novo Nordisk

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Idee und Konzeption:
Inter Medical Sonderpublikationen
Unter den Eichen 5
65195 Wiesbaden

Redaktionsleitung: Brigitte Gonschorowski
Chefin vom Dienst: Alice Schmelz
Creative Director: Anette Klein (Leitung)
Bericht: Ute Ayazpoor

 

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