Montag, 31. August 2015

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28.09.2006
Von: Christine Vetter
Artikel Nummer: 9566
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Schnelles Analoginsulin – eine physiologische Insulinsubstitution

Die moderne Diabetestherapie orientiert sich direkt an der Physiologie der Blutzuckerregulation und versucht, diese so weit wie möglich zu kopieren. Bei Menschen mit insulinpflichtigem Typ 2-Diabetes gelingt dies in der Regel am besten mit einer auf die Basaltherapie abgestimmten prandialen Behandlung mit einem kurzwirksamen Analoginsulin, so hieß es beim Deutschen Diabetes-Kongress.


Nach dem Essen schnellt der Blutzucker rasch in die Höhe. Beim Gesunden werden solche Blutzuckerspitzen durch eine rasche Insulinfreisetzung abgefangen, bei Menschen mit Diabetes aber klappt genau dies nicht. „Auch mit Humaninsulin lässt sich die postprandiale Situation nur bedingt in den Griff bekommen“, sagte Professor Dr. Rüdiger Landgraf aus München. Denn: „Humaninsulin wirkt zu langsam, zu lang und nicht effektiv genug“, erklärte der Diabetologe.

Rasche Anflutung, kurze Wirkdauer

Deutlich günstiger und eher an die physiologische Situation angepasst, ist nach seinen Worten die Behandlung mit einem raschwirksamen Analoginsulin wie Humalog®, das infolge seiner raschen Anflutung und seiner nur kurzen Wirkdauer dem Patienten genau in der Zeit Insulin gibt, in der dieser das Hormon benötigt.1 „Mit den kurzwirksamen Analoginsulinen erzielen wir praktisch eine physiologische Insulinsubstitution“, meinte dazu Professor Dr. Bernhard Zinman aus Toronto. Regelhaft würden in seiner Klinik in Toronto Menschen mit Typ 1-Diabetes mit einem Analoginsulin wie Insulin lispro (Humalog®) behandelt. „Auch bei Menschen mit Typ 2-Diabetes gehen wir inzwischen mehr und mehr zu einer solchen prandialen Therapie über“, so der Mediziner.

Die Insulinwirkung tritt unter Insulin Iispro schneller ein als unter Humaninsulin und ist auch schneller wieder beendet.

Die Insulinwirkung tritt unter Insulin Iispro schneller ein als unter Humaninsulin und ist auch schneller wieder beendet.

Bessere postprandiale Blutzuckerkontrolle

Prof. Zinman zufolge sind die Vorteile der Analoginsuline wie bei Insulin lispro gut dokumentiert. Studien belegen nach seinen Worten die bessere postprandiale Blutglukoseregulation und auch die stärkere HbA1c-Absenkung. Gleichzeitig sinkt infolge der nur kurzen Wirkdauer die Hypoglykämiegefahr.2

Vorteile resultieren nach Worten von Professor Landgraf aber auch auf der Ebene des Therapiekomforts. Diese Vorteile sollte man nicht unterschätzen. Denn: Die Patienten brauchen keinen Spritz-Ess-Abstand mehr einzuhalten, das verschafft mehr Flexibilität und steigert die Therapiezufriedenheit und die Lebensqualität, verdeutlichte er.

Interview

Raschwirksame Analoginsuline sind unverzichtbar

Professor Dr. Bernhard Zinman, Direktor der Mount Sinai Klinik, Toronto

Prof. Dr. B. Zinman

Brauchen wir wirklich raschwirksame Analoginsuline für eine gute Behandlung von Menschen mit Typ 2-Diabetes?

Prof. Zinman: Die raschwirksamen Analoginsuline sind Mittel der Wahl, wenn es darum geht, den postprandialen Blutzucker adäquat einzustellen. Diese Wirkstoffe sind die beste Möglichkeit, die physiologische Antwort auf die Nahrungsaufnahme abzubilden.

Warum ist es wichtig, den postprandialen Blutzucker zu kontrollieren?

Prof. Zinman: Die postprandiale Blutzuckerkontrolle ist besonders wichtig, wenn man von einem moderat erhöhten HbA1c von 7 bis 8 % auf Werte unter 6,5 % kommen möchte, wie es von der Internationalen Diabetes Ferderation empfohlen wird. Bei einem erhöhten HbA1c sind die Nüchternblutzuckerwerte von großer Bedeutung.

Wie steht es um das kardiovaskuläre Risiko?

Prof. Zinman: Es gibt viele Hinweise darauf, dass eine postprandiale Hyperglykämie mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einhergeht, wenngleich der Beweis hierfür letztlich noch nicht erbracht wurde. Die Zusammenhänge werden derzeit in der HEART2D-Studie bei Menschen mit Typ 2-Diabetes nach einem Myokardinfarkt untersucht. Geprüft wird, inwieweit sich die Prognose der Patienten bessert, wenn sie statt der Standardtherapie das raschwirksame Analoginsulin Insulin lispro erhalten.

Welche Vorteile haben aus Ihrer Sicht raschwirksame Analoginsuline ganz generell?

Prof. Zinman: Neben der besseren postprandialen Glukosekontrolle und dem damit möglicherweise einhergehenden niedrigeren kardiovaskulären Risiko haben raschwirksame Analoginsuline weitere Vorteile wie eine niedrigere Inzidenz von Hypoglykämien. Darüber hinaus der angenehmere Einnahmemodus, der nicht das Einhalten eines Spritz-Ess-Abstandes von 30 bis 40 Minuten vorschreibt. Das gibt den Patienten Flexibilität in der Lebensführung zurück, sie können ihr Leben leben, das bedeutet ein Gewinn an Lebensqualität, gleichzeitig wird die Compliance verbessert.

  
Langfristige Effekte der prandialen Therapie werden untersucht
 
HEART2D – weniger kardiovaskuläre Ereignisse?

LEIPZIG – Eine gute postprandiale Blutzuckerkontrolle ist wohl nicht nur für die aktuelle Diabeteseinstellung wichtig, sondern wahrscheinlich auch für die langfristige Prognose der Patienten. Inwieweit sich durch eine optimierte prandiale Therapie das kardiovaskuläre Risiko senken lässt, wird derzeit in der HEART2D-Studie untersucht.

Kardiovaskuläre Komplikationen stellen die Haupttodesursache bei Menschen mit Diabetes dar. Es gibt stichhaltige Hinweise darauf, dass vor allem die postprandiale Hyperglykämie für die exzessive kardiovaskuläre Gefährdung von Menschen mit Typ 2-Diabetes verantwortlich ist.3 Deshalb ist es nach Professor Dr. Bernhard Zinman aus Toronto folgerichtig zu prüfen, ob sich durch eine verbesserte postprandiale Blutzuckerkontrolle auch das kardiovaskulären Risiko senken lässt.

Zwei Behandlungsregime werden verglichen

Ob sich diese Hoffnung erfüllt, wird derzeit in der von Eli Lilly initiierten HEART2D-Studie (Hyperglycemia and its Effect after Acute Myocardial infarction on cardiovascular outcomes in patients with Type 2 Diabetes mellitus) untersucht.

An der Studie werden voraussichtlich 1355 Menschen mit Typ 2-Diabetes teilnehmen, die bereits einen Myokardinfarkt hinter sich haben. Bekannt ist, dass es im Mittel bei 40 % dieser Patienten innerhalb von zwei Jahren zu einem erneuten kardiovaskulären Ereignis kommt, das in der Mehrzahl der Fälle fatal verläuft.3

Die Studienteilnehmer werden zirka drei Jahre lang neben der üblichen Therapie zwei unterschiedliche Insulin-Behandlungsregime erfahren. So wird eine Patientengruppe mit Basalinsulin behandelt, die zweite Gruppe zusätzlich mit Insulin lispro zu den Mahlzeiten. In beiden Gruppen wird dabei ein HbA1c-Wert unter 7 % angestrebt.

Erste Ergebnisse 2008

Erwartet wird eine Reduktion des relativen Risikos kardiovaskulärer Ereignisse durch die prandiale Therapie um 15 bis 18,5 %. „Mit dem Studienergebnis rechnen wir im Jahre 2008“, sagte Prof. Zinman.

1 Howey DC et al., Diabetes 1994 (43) 396
2 Anderson JH et al., Arch Intern Med 1997 (157) 1249
3 Milicevic Z et al., Diab Compl 2005 (19) 80–87

Fazit für die Praxis

Von einer prandialen Therapie mit einem kurzwirksamen Analoginsulin profitieren Menschen mit Typ 2-Diabetes in mehrfacher Hinsicht: Neben der besseren postprandialen Blutglukoseregulation und dem physiologischeren Wirkprofil kommt es auch zu niedrigeren HbA1c-Werten und zu weniger Hypoglykämien.1 Zudem ist die Behandlung komfortabler, sorgt wieder für mehr Flexibilität im Alltag und damit auch für eine bessere Lebensqualität.

 

10 Jahre erfolgreich

Als weltweit erstes Analoginsulin kam 1996 Insulin lispro unter dem Warenzeichen Humalog® auf den Markt. Der Wirkstoff, der nunmehr seinen „10. Geburtstag“ feiert, wurde in 300 kontrollierten klinischen Studien bei insgesamt 50 000 Patienten untersucht (Lilly Safety Database). Es handelt sich damit, so die Experten in Leipzig, um das besterforschte und bestdokumentierte kurzwirksame Analoginsulin. Die gute Datenlage führte unter anderem dazu, dass Insulin lispro als einziges Analoginsulin bereits im März 2000 ohne Altersbegrenzung auch für die Behandlung von Kindern mit Diabetes zugelassen wurde [CPMP/0601/95].

 

Service

Satellitensymposium anlässlich des Deutschen Diabetes-Kongresses, Leipzig, Mai 2006, Veranstalter: Lilly Deutschland GmbH
 

Impressum

Idee und Konzeption:
Inter Medical Sonderpublikationen
Unter den Eichen 5
65195 Wiesbaden

Redaktionsleitung:
Brigitte Gonschorowski
Chefin vom Dienst: Alice Schmelz
Bericht: Christine Vetter

 

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