Samstag, 30. Juli 2016

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Weg von der Flasche - das ist der Wunsch vieler Alkoholkranker

14.05.2013
Von: Dr. Stefanie Kronenberger, Foto: Irisblende
Artikel Nummer: 20811
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Baclofen bei Alkoholkrankheit

Ein bekanntes Medikament hilft die Sucht nach Alkohol zu überwinden. Allerdings ist es für die Therapie der Alkoholkrankheit nicht zugelassen.


Baclofen wird schon länger zur Therapie der Alkoholkrankheit eingesetzt – allerdings nur off-label, weil gute kontrollierte Studien fehlen. Suchtforscher beurteilen die vorliegenden Daten zur Wirksamkeit aber durchaus als ausreichend. Sie fordern daher, Baclofen für Alkoholkranke allgemein zugänglich zu machen.


In einem Survey haben Wissenschafter Erfahrungen von Patienten aus einer Internetselbsthilfegruppe* gesammelt und ausgewertet**. Es nahmen 69 Personen teil, die im Kampf gegen ihre Alkoholkrankheit mindestens drei Monate lang Baclofen eingenommen hatten.

Wirksam  bei 97 % der Anwender

Mit Hilfe von Fragebögen und Scores wurden neben der Wirksamkeit des Medikaments auch nach unerwünschten Wirkungen, nach Angst, Depression, und Lebensqualität untersucht, berichtet Erstautorin Dr. Cornelia Weigel vom Suchthilfezentrum Gießen und ihre Kollegen.


Mit der Wirkung zufrieden erklärten sich 96,9 % der Teilnehmer, wobei fast 70 % eine unbedenklichen Konsum erreichten. 57 % berichteten über völlige Rückfallfreiheit, und mehr als die Hälfte verspürten unter der Medikation kein Graving mehr.

Nur für Alkoholkranke mit Problembewusstsein?

Die Autoren der Studie geben zu bedenken, dass die Partizipation an einer webbasierten Selbsthilfegruppe von hohem Problembewusstsein zeugt. Durch das Interesse an der Medikation signalisieren die Teilnehmer eine hohe Motivation und den starken Wunsch nach Veränderung ihrer Lebenssituation.


Als Nebenwirkungen traten Müdigkeit (27,7 %), Mundtrockenheit (13,9 %) und Vergesslichkeit (12,3 %) auf. Von schweren unerwünschten Effekten wurde nicht berichtet. Mit einem mittleren WHO-5-Score von 19 (maximale Punktzahl: 25) beurteilten die Forscher die Lebensqualität der Patienten als gut. Allerdings erreichten fast ein Drittel der Teilnehmer nur einen Score von maximal 13 Punkten. Dies weist auf häufige psychische Komorbiditäten hin, die gesondert untersucht werden müssten, urteilen die Forscher.

"Medikament den Alkoholkranken nicht vorenthalten"

Die Verwendungsdauer von Baclofen hatte den Daten zufolge keinen Einfluss auf die Wirksamkeit. Die Autoren fordern schon aus ethischen Gründen den Alkoholkranken diese wirksame Therapie nicht vorzuenthalten. Die Arzneimittelsicherheit für dieses seit 40 Jahren in der Neurologie verwendete zentrale Muskelrelaxans sei längst dokumentiert.


Weitere Studien, wie sie häufig gefordert würden, seien lediglich nötig, um eine Aufnahme in den EBM zu rechtfertigen. Für den breiten Einsatz bei Alkoholkrankheit allerdings ist eine Schulung für Ärzte erforderlich und die therapeutische Begleitung der Patienten sollte gesichert sein.

*www.Baclofen-forum.de

** mit Hilfe der Software Surveymonkey®


Quelle: Posterpräsentation auf dem 19. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin

 

 

Kommentare

Friedrich Kreuzeder - 22.05.2013, 14:46

Aus Frankreich wurde bekannt:

In einer im April 2013 veröffentlichten Petition beklagen 32 Persönlichkeiten (22 davon Mediziner), die „zögerliche Haltung“ öffentlicher Stellen wenn es darum geht, Patienten Baclofen zugänglich zu machen. Ein Medikament, welches derzeit zur Behandlung von Alkoholismus in zwei klinischen Studien, „Bacloville“ seit April 2012 und „Alpadir“ seit Oktober 2012 getestet wird.

An der Spitze der Unterzeichner stehen Prof. Didier Sicard, Ehren-Präsident der französischen nationalen Ethikkommission und Prof. Bernard Debré, nationaler Pariser Abgeordneter der UMP sowie Prof. Bernard Granger, Professor der Psychiatrie an der Université René Descartes (Paris).

Die Unterzeicher der Petition fordern eine vorübergehende provisorische Zulassung als dringend erforderliche Massnahme, welche die Medikamentenzulassungsbehörde erteilen kann, wenn es zu einem bestimmten Therapiezweck keine adäquate, allgemein zugelassene Alternative gibt. Die Dauer einer solchen Massnahme ist auf drei Jahre beschränkt, ein entsprechender Antrag wurde bereits gestellt.

Die Unterzeichner betonen, dass Alkohol alleine in Frankreich jeden Tag für 100 vorzeitige Todesfälle verantwortlich ist. Eine immense gesellschaftliche Geißel, die nicht nur die abhängigen Patienten, sondern auch ihr gesamtes Umfeld trifft.

Quelle: http://www.medscape.fr/humeur/articles/1533541/

 
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