Donnerstag, 28. August 2014

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15.12.2006
Von: Sabine Bayer
Artikel Nummer: 10101
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Keine Rezeptgebühr?

Praxisgebühr, Rezeptgebühr, 10 Euro pro Tag im Krankenhaus – die Liste der Zuzahlungen ist lang, aber: Es gibt einen Lichtblick. Seit Kurzem kann die Rezeptgebühr für bis zu einem Drittel der verordneten Medikamente entfallen. Das dahinterstehende Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz ist so kompliziert wie sein Name, aber es kann sich lohnen, sich damit auseinanderzusetzen. Hier ein Überblick über Zuzahlungen, Zuzahlungsbefreiungen und das AVWG – wie das Gesetz in Kurzform heißt.


Cartoon

An Zuzahlungen hat man sich als Patient mittlerweile gewöhnt. Die häufigsten Zuzahlungen sind Praxisgebühr, Rezeptgebühr, Zuzahlungen bei Heilmitteln (z.B. Massagen, Krankengymnastik) und Hilfsmitteln (z.B. Blutzuckermessgeräte, Windeln, Gehwagen) sowie die 10 Euro pro Tag für Kliniken und Reha-Einrichtungen. Wenn die Summe dieser Zuzahlungen die sogenannte Belastungsgrenze überschreitet, kann man die Zuzahlungsbefreiung bei der Krankenkasse beantragen. Da man im Laufe des Jahres nie weiß, wie viele Zuzahlungen auf einen zukommen, sollte man alle Zuzahlungsbelege von Januar an sammeln.

Belastungsgrenze

Die Belastungsgrenze errechnet sich immer individuell und liegt bei 2 Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens der Familie. Klingt einfach und ist auch für eine erste Grobeinschätzung ganz nützlich, wird im Einzelfall aber aufgrund von Freibeträgen doch so komplex, dass man am besten die Krankenkasse die Grenze ausrechnen lässt. Wer zudem von der Krankenkasse als chronisch krank anerkannt wird – was auch nicht so einfach ist –, muss schon bei einer Belastungsgrenze von einem Prozent des Bruttoeinkommens keine Zuzahlung mehr leisten.

Zuzahlungsfreie Arzneimittel

Neu seit 1. Juli 2006 und verstärkt seit 1. November sind Zuzahlungsbefreiungen für bestimmte Medikamente, und zwar für jeden Patienten unabhängig von der individuellen Belastungsgrenze. Grundsätzlich macht die Zuzahlung zwischen fünf und zehn Euro pro Packung aus, abhängig vom Preis des Medikaments. Die neue Befreiungsregelung nach AVWG lautet (stark vereinfacht): Wenn die Krankenkassen einen bestimmten Wirkstoff auf die Zuzahlungsbefreiungsliste setzen und zugleich die Pharmafirma das entsprechende Arzneimittel unter einem bestimmten Preis anbietet, dann zahlt der Patient jetzt nichts mehr drauf. Es kann also sein, dass ein Medikament mit gleichem Wirkstoff bei Hersteller A Zuzahlung kostet, bei Hersteller B dagegen zuzahlungsfrei ist.

Generell nie zuzahlungsfrei

Allerdings gibt es auch Zuzahlungen, von denen man sich nie befreien lassen kann und die auch nicht zur Belastungsgrenze hinzugezählt werden: Dazu gehören künstliche Befruchtung, Zahnersatz und kieferorthopädische Behandlungen. Für die letzten beiden Fälle gibt es allerdings Rückzahlungs- und Härtefallregelungen, über die Zahnarzt oder Krankenkasse im Detail informieren.

Detailliertere Informationen bietet www.betanet.de. Gleich auf der Startseite finden sich Links zu allen interessanten Informationen. betanet ist eine Suchmaschine für Sozialfragen im Gesundheitswesen und wird vom Arzneimittelhersteller betapharm zur Verfügung gestellt. Die Nutzung ist so einfach wie „googeln“. Man gibt einen Suchbegriff ein, zum Beispiel „Zuzahlungen“, und bekommt eine Übersicht der Treffer gelistet. Der Klick auf das gewünschte Thema führt direkt zu den ausführlichen Informationen.

Dringende Fragen – hilfreiche Antworten

  • Zuzahlungsfrei bei Bluthochdruck?
     
    Ein 63-Jähriger mit Bluthochdruck muss regelmäßig Medikamente einnehmen. Jetzt hat er erfahren, dass es seit Kurzem über 6000 zuzahlungsfreie Arzneimittel geben soll. Kann sein Arzt ihm auch ein solches Arzneimittel verordnen?
     
     
    In der Liste der zuzahlungsbefreiten Arzneimittel auf www.ifap.de kann der Patient nachschauen, ob sein Präparat enthalten ist. Falls nein, kann er in der Liste der Wirkstoffe suchen, ob der Wirkstoff seines Medikaments prinzipiell von der Zuzahlung befreit sein kann. Falls ja, kann er mit seinem Arzt sprechen, ob er auf ein zuzahlungsfreies Präparat gleicher Wirkung bzw. mit gleichem Wirkstoff umwechseln kann. Spricht nichts dagegen, dann kann der Arzt auch nur den Wirkstoff verordnen und der Apotheker sucht dann ein entsprechendes zuzahlungsfreies Medikament aus.
     
  • Im Voraus alle Zuzahlungen erledigen? 
     
    Ein chronischer Schmerzpatient, 75 Jahre alt, hat 2006 die Belastungsgrenze von 1 % bereits im Juli erreicht. Nun bietet ihm seine Krankenkasse an, im Januar 2007 die kompletten 1 % an die Kasse zu zahlen und dann das ganze Jahr zuzahlungsbefreit zu sein. Ist das zu empfehlen?

     
    Sinnvoll ist die Einmalzahlung der 1 % an die Krankenkasse, wenn absehbar ist, dass sich bei den Einnahmen und den Zuzahlungen des Versicherten nicht viel ändert. Dies trifft z.B. bei Rentnern mit geringem Einkommen zu, die aufgrund einer chronischen Erkrankung dieselben Arzneimittel wie im Vorjahr nehmen müssen. Zu beachten ist aber, dass es immer mehr zuzahlungsfreie Medikamente gibt. Es könnte also sein, dass der Patient die Einprozentgrenze 2007 gar nicht mehr erreicht. Dann müsste er insgesamt weniger zuzahlen als die Einmalzahlung ausmacht.
     
  • Zuzahlungen sogar für Kinder?
     
    Ein 11-jähriger Asthmapatient muss regelmäßig Medikamente einnehmen. Nun hat die Mutter gehört, dass auch Kinder Zuzahlungen leisten müssen – wegen eines „Festbetrags“. Kann das stimmen?

     
    Grundsätzlich sind Versicherte unter 18 Jahren in der gesetzlichen Krankenversicherung von der Zuzahlung bei Arzneimitteln befreit. Wenn allerdings der Preis eines Medikaments über dem Festbetrag liegt, sind die Mehrkosten (Differenz zwischen Festbetrag und Medikamentenpreis) vom Versicherten zu leisten, auch wenn der Versicherte ein Kind ist. Die Mehrkosten über dem Festbetrag gelten nicht als Zuzahlung und sind damit auch von allen Zuzahlungsbefreiungen ausgenommen. Der Festbetrag wird von den Krankenkassenverbänden festgelegt und ist der erstattungsfähige Höchstbetrag für ein Arzneimittel.


Experten beraten Sie persönlich!

Für die Leser der Medical Tribune <ls />bietet betanet von 15. Dezember 2006 bis zum 14. Februar 2007 einen besonderen Service. Sie können sozialrechtliche und psychosoziale Fragen rund um das Thema "Zuzahlung(sbefreiung)" per E-Mail direkt an das betanet-Expertenteam richten: </ls />

  • Gibt es für mein Medikament eine zuzahlungsfreie Alternative?
  • Zählt das Einkommen erwachsener Kinder bei der Belastungsgrenze mit?
  • Wie kann ich meine Belastungsgrenze ermitteln? 
  • Wenn mehrere Kinder in der Familie eine Zahnfehlstellung haben, müssen dann alle für die Spange zuzahlen?
  • Wie erreiche ich die Anerkennung als chronisch Kranker?

Der Link zum Frageformular „Aktion Zuzahlung(sbefreiung)“ befindet sich links auf der betanet-Startseite. Ihre Fragen werden von Experten – Sozialpädagogen, Versicherungsfachleuten, Juristen, Krankenschwestern, Pädagogen, Psychologen – beim beta Institut für angewandtes Gesundheitsmanagement beantwortet. Bei weiteren Fragen oder wenn Sie kein Internet nutzen, wenden Sie sich einfach an Ihren Arzt oder Apotheker.

Die Infos finden Sie bei: www.betanet.de

 

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