Samstag, 27. August 2016

News

Bester Schutz vor Borreliose: Prävention des Zeckenstichs.

Bester Schutz vor Borreliose: Prävention des Zeckenstichs.

28.05.2013
Von: Dr. Anja Braunwarth, Foto: www.zecken.de
Artikel Nummer: 20588
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Borreliose: Wann sind Antibiotika indiziert?

Borrelien-Serologie deuten? Manche bilden gar keine Antikörper, anderen persistieren erhöhte Titer jahrelang. Ein Experte sagt, wann behandelt werden muss.


Die Entdeckung, dass Borrelien eine von Zecken übertragene Infektion auslösen, war vor 30 Jahren ein Durchbruch. Die Symptome konnten klar definiert werden, die Antikörperdiagnostik fand ihren Platz und Antibiotika brachten die Heilung. Doch ganz so einfach stellt sich das Ganze bis heute nicht dar, schreibt Dr. Martin Krause von der Infektiologie am Kantonsspital Münsterlingen.

Borrelien-Erythem manchmal erst 30 Tage nach dem Stich

Eine Infektion durch befallene Zecken erfolgt erst nach 12 bis 24 Stunden Saugzeit. Als typische Erstmanifestation der Lyme-Krankheit zeigt sich drei bis 30 Tage später ein Erythema migrans. Die Antikörper-Titer sind zu diesem Zeitpunkt bei mehr als 50 % der Patienten noch negativ.


In dieser Infektionsphase kommt es zur Frühdissemination, die Erreger wandern in Myokard, Retina, Muskeln, Leber, Milz, Hirn und Meningen. Diese Phase dauert etwa zwei Wochen und geht oft mit grippeähnlichen Symptomen einher.


Als Folge der Ausbreitung sind Ausschläge, Meningitis, Neuro-/Radikulopathien, Myokarditis, Konjunktivitis oder Facialislähmungen zwei bis acht Wochen nach dem Stich möglich. Nach zwei Monaten gelingt die Diagnose bei 80 % der Infizierten durch IgG- und IgM-Nachweis. Aus dem Liquor kann mittels PCR ein direkter Erregernachweis versucht werden.

Frühsymptome der Lyme-Krankheit auf jeden Fall behandeln

Auch der Nachweis von Antikörpern kann Probleme verursachen, denn so langsam, wie sie ansteigen, verschwinden sie auch, manchmal gar nicht mehr. IgG und IgM (!) bleiben in einigen Fällen trotz Therapie über Jahre bis Jahrzehnte hoch – ohne nachweisbare Borrelien im Körper oder Krankheitssymptome.


Die Titer eignen sich also nicht zur Beurteilung des Infektionsverlaufs. Vielmehr besteht die Gefahr, dass bei hohen Titern auf eine fortbestehende Infektion geschlossen und die Antibiotikatherapie wiederholt wird. Die Einschätzung ist besonders schwierig, wenn Patienten gleichzeitig an muskuloskeletalen Schmerzen oder Fibromyalgie leiden.


Mittel der Wahl zur Therapie einer Lyme-Krankheit sind orale Tetrazykline (Doxycyclin 2 x 100 mg), auch wenn das Erythema migrans oder andere Frühsymptome oft spontan abklingen. Wird das Erythema migrans nicht behandelt, entwickelt sich bei jedem fünften Patienten Monate bis Jahre später eine chronische Arthritis (Lyme-Arthritis).


Seltener kommt es zu Polyneuropathie, Acrodermatitis atrophicans oder Enzephalomyelitis. Die Lyme-Arthritis manifestiert sich häufig subakut am Knie. Das Gelenk ist geschwollen und überwärmt, aber selten gerötet.

Neuroborreliose: Ceftriaxon intravenös

Bei Spätformen der Borreliose sind die IgG-Titer immer erhöht, bei Infektion des ZNS werden intrathekal Antikörper produziert. Aus dem Gelenkpunktat kann der direkte Erregernachweis über PCR gelingen.


Die Therapiedauer beträgt bei Erstmanifestation zehn Tage, nach der Frühdissemination zwei bis drei Wochen. Tetrazykline wirken auch in fortgeschrittenen Stadien, dann sollten sie mindestens über vier Wochen gegeben werden. Bei jeglicher Form der Neuroborreliose – ausgenommen isolierte Facialisparese mit normalem Liquor – ist eine intravenöse Behandlung mit Ceftriaxon über vier Wochen angezeigt.

Bei Post-Lyme-Syndrom helfen Antibiotika nicht

Was ist bei positiven Antikörper-Titern ohne Symptome zu tun? Laut Dr. Krause sind Tetrazykline über zwei bis drei Wochen nur gerechtfertigt, wenn sich anamnestisch ein unbehandeltes Erythema migrans erfragen lässt.


Die Lyme-Arthritis kann trotz Therapie persistieren. Die PCR aus dem Gelenkpunktat fällt dann meist negativ aus. Als Ursache wird ein postinfektiöses Autoimmungeschehen diskutiert, das nicht mit Antibiotika, sondern immunmodulierend behandelt werden sollte.


Auch beim Post-Lyme-Syndrom, das nach korrekter Therapie auftreten kann, vermutet man infektiös getriggerte, autoimmune oder neurohumorale Ursachen. Es äußert sich durch kognitive Einschränkungen, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, fibromyalgieähnliche Beschwerden und Leistungsintoleranz. Langzeitantibiotika zeigen keine Wirkung.


Mangels Borrelien-Impfstoff bleibt zur Prävention nur, Zeckenstiche möglichst zu verhindern bzw. die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen.


Quelle: Martin Krause et al., Schweiz Med Forum 2012; 12: 976-979

 

Kommentare

Regula Heim - 02.03.2013, 06:55

Die Entdeckung, dass Borrelien eine von Zecken übertragene Infektion auslösen, war vor 30 Jahren ein Durchbruch. Seitdem herrscht eine Kontroverse, die eine beschämende Angelegenheit ist. Die ganze Sache ist politisch verdorben. Das Geld geht an Leute, die in den vergangenen 30 Jahren immer das Gleiche hervorgebracht haben: nämlich nichts!

Wieder ein Artikel mit Behauptungen, die nicht definitiv zu beweisen sind. Wo sind die Beweise für die infektiös getriggerten, autoimmunen oder neurohumoralen Ursachen? Wo sind die entsprechend kommerziell erhältlichen Tests? Wo sind die Studien für die vorgeschlagenen immunmodulierenden Behandlungen. Was zeigt Wirkung beim Post-Lyme-Syndrom, wenn Antibiotika nicht wirken? Wo sind die Studien? Betroffenen und deren behandelnden Ärzten nutzt es nichts, zu wissen, was nicht hilft.

Die Betroffenen brauchen endlich Lösungen. Jetzt! Sie haben lange genug gewartet. Die Betroffenen brauchen keine weiteren Behauptungen, die lediglich mit der Evidenz abgesichert sind, die den Autoren solcher Artikel gerade in ihre Wahrheit passen.

Die Borreliose ist für die Betroffenen eine Sackgasse, wenn sich die Borreliose nicht nach Schulbuch verhält. Das verdanken sie den Experten, die sagen, was NICHT hilft, aber kein Wort darüber verlieren, was hilft. Es gibt sie, Betroffene mit eindeutiger Vorgeschichte, die seither chronisch krank sind. Und das nicht zu knapp. Sonst gäbe es die Kontroverse nicht.

 
Anzeige: 1 - 1 von 1.
 
 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte

 AOK   Arzneimittel   Bayern   Demenz   Depression   Diabetes   EBM   Hausärzteverband   Herzinfarkt   Honorar   HzV   Impfung   KBV   Krebs   KV   Migräne   Rauchen   Regress   Schlaganfall   Sport