Samstag, 29. August 2015

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12.05.2006
Von: CG
Artikel Nummer: 8740
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Kapsel und Ballon erobern Dünndarm

Die Tage der herkömmlichen Röntgendiagnostik im Dünndarm scheinen gezählt. Videokapsel und Doppelballon haben in der Enterodiagnostik einen gloriosen Siegeszug angetreten.


Es ist kein Wettrüsten in der Dünndarmdiagnostik sondern eher ein Rüsten mit Verfahren, die einander ergänzen, stellte Professor Dr. Friedrich Hagenmüller von der 1. Medizinischen Abteilung am Allgemeinen Krankenhaus Altona beim Seminar „Endoskopie des Internisten“ dar. Sowohl die Kapsel-Endoskopie mit über 6000 Untersuchungen in den vergangenen fünf Jahren als auch die Doppelballon-Enteroskopie (über 2000 Untersuchungen) graben der herkömmlichen Röntgendiagnostik das Wasser ab. Die Untersuchung, bei der der Patient eine Kamera-bestückte Kapsel schluckt, die während der Darmpassage Bilder von der Schleimhaut sammelt, bieten in Deutschland mittlerweile 230 Einrichtungen an, davon 50 Praxen. Der Vorteil des Verfahrens: Es kann ohne Probleme ambulant vorgenommen werden.

Vorsicht bei Stenosen: <ls />Kapsel steckt fest

Die Doppelballon-Technik lässt sich nur stationär durchführen. Etwa 100 Kliniken in Deutschland sind inzwischen entsprechend gerüstet. Das „Push and Pull“-Verfahren, bei dem das Endoskop mit Hilfe zweier wechselweise luftgefüllter Ballons aktive, raupenartige Vorwärtbewegungen vollführt, ist allerdings sehr aufwändig und kann nicht allen Patienten zuteil werden. Bei wem wird also welche Methode eingesetzt?

Die Ausbeute bei obskurer gastrointestinaler Blutung fällt zu Gunsten der Kapselendoskopie aus. Bei Verdacht auf M. Crohn, wenn man mit klinischen Untersuchungen zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt, schneidet die Kapsel laut aktuellen Daten im Vergleich zu herkömmlichen Röntgenmethoden klar besser ab. Gleiches gilt für den bekannten Crohn. „Die Kapsel ist der Sargnagel des Röntgens im Dünndarm“, so der Experte.

Als Erkrankung, bei der man evtl. primär die Doppelballon-Enteroskopie einsetzen sollte, nannte Prof. Hagenmüller das Peutz-<ls />Jeghers-Syndrom, wenn aller Voraussicht nach eine Polypentherapie in gleicher Sitzung erfolgen soll. Alles in allem scheint es vernünftig, bei Dünndarm-Erkrankungen die Video<ls />kapsel vorzuschalten, um überflüssige Doppelballon-Untersuchungen einzusparen.

Bei bekanntem M. Crohn gilt allerdings ein Caveat. Bestehen wahrscheinlich Stenosen, sollte man den Patienten auf keinen Fall die Kapsel schlucken lassen. „Dann müssen nämlich oft wir Chirurgen ran,“ formulierte es ein Kollege aus dem Auditorium. Anders wird der Untersuchte eine steckengebliebene Kapsel kaum wieder los.

Kapsel-Indikationen

Wenn auch klare Indikationen zum Doppelballon fehlen, sind diese für die etwas "ältere" Videokapsel-Endoskopie (VKE) bereits definiert:

  • obskure gastrointestinale Blutung
  • V.a.M. Crohn nach unergiebiger Vordiagnostik

An Bedeutung gewinnt die Kapsel bei komplizierter Sprue und Polyposis. Die Doppelballon-Technik ist indiziert bei Indikation zur Biopsie und Endotherapie.

 

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