Samstag, 25. Oktober 2014

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23.01.2002
Von: a98g
Artikel Nummer: 4154
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Antidepressivum hoch dosieren!

Engegefühl in der Brust, Herzrasen und Todesangst - schon mehrmals hatte die junge Frau den Notdienst gerufen. Jedes Mal wurde sie mit Blaulicht in die Klinik gebracht - dabei hätte genaueres Nachfragen die seelische Ursache geklärt ...


Als Dr. Axel Cicha vom Bezirkskrankenhaus Gabersee in Wasserburg zu der jungen Frau gerufen wurde, stellte er ihr ganz ruhig erst einmal ein paar Fragen. Es stellte sich heraus, dass ihr Vater vor zwei Jahren im gleichen Haus an einem Herzinfarkt verstorben war. Sie hatte die Reanimation miterlebt und in der Folgezeit eine Panikstörung entwickelt.

In den Allgemeinpraxen ist fast jeder dritte Patient psychiatrisch auffällig, so der Experte beim MEDcongress. Besonders verbreitet sind Panikstörungen mit oder ohne Platzangst, generelle Angst und soziale Phobien. Häufig besteht Angst vor Brücken, Aufzügen, Menschenmengen oder vor dem Autofahren. Und die Angst vor der Angst kann dann ein weit reichendes Vermeidungsverhalten nach sich ziehen. Hauptsymptome sind Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Schwindel und Oberbauchbeschwerden.

Benzodiazepine nur kurzfristig

Bei Patienten mit Panikattacken handelt es sich meist um junge Menschen (im Schnitt 27 Jahre). Die "Attacke" dauert im Schnitt nur eine halbe Stunde, eine medikamentöse Akuttherapie ist dann meist nicht nötig. Sollten sich die Beschwerden doch zwei bis drei Stunden hinziehen, kann man im Notfalldienst auch kurzfristig ein Benzodiazepin einsetzen, z.B. Alprazolam oder Lorazepam. Hausärzte spritzen unruhigen Patienten gern das Neuroleptikum Imap®, berichtete Dr. Cicha.

Die adäquate Therapie von Angst- und Panikstörungen besteht in der Gabe von Antidepressiva und/oder Verhaltenstherapie. Beide Behandlungsformen haben sich als gleichwertig erwiesen, bei Kombination sind die Erfolgsraten etwas höher. Mittel der ersten Wahl bei ambulanten Patienten mit Angst, Panik und Depression sind die selektiven Serotoninwiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Dr. Cicha bevorzugt Citalopram (20 bis 60 mg/Tag) und Sertralin (50 bis 200 mg/Tag). Ähnlich gut wirkt aber auch Paroxetin (20 bis 60 mg/Tag). Während man bei Depressionen mit niedrigen Dosen auskommt, muss man sich bei Angst- und Panikstörungen behutsam einschleichen und dann relativ hoch dosieren. Zu beachten ist, dass sich die Symptome initial verstärken können, Übelkeit droht und die Wirkung erst nach vier bis sechs Wochen eintritt. SSRIs haben gegenüber anderen Substanzgruppen den Vorteil, dass sie nicht abhängig machen, nicht kardiotoxisch sind, nicht anticholinerg wirken und nicht zu Gewichtszunahme oder Müdigkeit führen, so der Experte. Bei sozialer Phobie hat sich Moclobemid bewährt.

 

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