Donnerstag, 24. Juli 2014

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18.09.2000
Artikel Nummer: 6056
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Das bringt rund 100 DM

Frage von Dr. Karl-Heinz Deuser,
Facharzt für Allgemeinmedizin,
Straubenhardt:

Es kommen öfters Patienten zu uns, die nach § 18 Abs. 1 Bundesseuchengesetz wegen Tätigkeit in Kantinen, Gaststätten usw. untersucht werden müssen. Wir stellen den Patienten eine Privatrechnung nach GOÄ aus. Dabei kommen wir mit Ganzkörperuntersuchung, Beratung und wegen der Durchführung des Tuberkulin-Stempel-Testes zwei Tage später nochmals einer Beratung, dem Befundbericht und verschiedenen Laborparametern auf ungefähr 250 DM. Natürlich gibt es manchmal Ärger im Gespräch mit dem Patienten. Ich habe nun von einer Patientin gehört, dass das Gesundheitsamt die Untersuchung für ca. 90 DM durchführt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie dieser Betrag eingehalten werden kann. Ist unsere Rechnungsstellung korrekt?


Antwort von Dr. Hans-Heinrich Dennhardt,
Facharzt für Innere Medizin,
Mainz:

Zunächst muss festgestellt werden, dass diese Untersuchung nach dem Bundesseuchengesetz entsprechend den Gebühren für spezielle arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen - UV-GOÄ oder BG-GOÄ - genannt, abgerechnet werden muss. Der Untersuchungsumfang ergibt sich aus der Aufstellung im Grundsatz 42 der BG, wo als erforderliche Untersuchung folgendes festgelegt ist:

BG-GOÄ-Nr.:

» Anamnese und Beratung nach Nr. 1: DM 9,80

» Untersuchung im Hinblick auf die Tätigkeit nach Nr. 65: DM 14,40

» Tuberkulin-Stempeltest nach Nr. 384: DM 5,70

» Lungenübersichtsaufnahme nach Nr. 5135: DM 40,50

» Kostenerstattung für Dokumentation, ärztliche Bescheinigungen sowie formularmäßige Berichterstattung: DM 16,60

Dies sind zusammen 87 DM, dazu kommen noch die Laborkosten einer einmaligen Stuhluntersuchung auf Salmonellen.

Die Untersuchungen der Gesundheitsämter laufen mitunter so, dass Lungenübersichtsaufnahmen zwar durchgeführt, aber nicht selbst befundet werden können. Die Befunde werden dann einem entsprechend weitergebildetem Arzt zur Beurteilung vorgelegt, mit diesem besteht dann eine finanzielle Sondervereinbarung. Das gleiche trifft für die Salmonellenuntersuchung zu. Diese werden häufig von den staatlichen Medizinaluntersuchungsämtern durchgeführt, mit denen eine Sondervereinbarung des jeweiligen Gesundheitsamtes abgeschlossen ist, die zum Teil unter der Hälfte des Einfachsatzes der GOÄ liegt. Darauf haben ambulant tätige Ärzte natürlich keinen Einfluss. auf diese Weise kann dann ein Gesamtuntersuchungsbetrag von 90,00 DM eingehalten werden.

Als niedergelassener Arzt, ermächtigt für die Grundsatzuntersuchung 42 durch den jeweiligen Landesverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften, kann man nur nach der BG-GOÄ abrechnen, das heißt entsprechend einem Punktwert von 13,5 Pfennig. Hierfür ist mit der Ziffer 1 Anamnese und Beratung abgegolten, die alte Ziffer 65 (hier gilt noch die alte GOÄ) als Untersuchung im Hinblick auf die Tätigkeit eine gründliche körperliche Untersuchung.

Der Untersuchungsumfang der von Dr. Deuser angegebenen Berechnung ist sicherlich zu hoch. Eine Untersuchung nach GOÄ-Ziffer 8 (Ganzkörper-Untersuchung von den Augenreflexen bis zu den Fußpulsen) ist sicher nicht erforderlich. Auch verschiedene Stuhlkulturen auf andere Keime als auf Salmonellen sind nicht vorgeschrieben. Befundbericht und Schreibgebühr sind mit der "Kostenerstattung" von 16,60 DM abgegolten.

Nach dem bisher gültigen Untersuchungsaufwand ist - je nach Laborpreisen für die Salmonellen-Untersuchung (Verhandlung mit Labor empfohlen) von ca. 100,00 DM in der Gesamt-Berechnung auszugehen. Die UV-GOÄ basiert auf den seit 1.7.1992 geltenden vertraglichen Regelungen zwischen den Spitzenverbänden der Unfallversicherungsträger und der KBV. Diese Gebührenordnung gilt weiter, wurde nicht durch die GOÄ zum 1.1.1996 ersetzt und wurde noch einmal ergänzt in Neuauflage am 1.1.1997 (Gebühren für spezielle Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, Keppner-Druck Postfach 10 02 62 in 75021 Eppingen).

Besonders sei darauf hingewiesen, dass zum Bundesseuchengesetz kürzlich eine Novelle vom Bundestag beschlossen wurde. Diese ist noch nicht veröffentlich. Das Neue darin ist, dass eine Röntgen-Thorax-Untersuchung nicht mehr vorgeschrieben ist. Auch brauchen die Lehrer z.B. keinen Tuberkulin-Tine-Test mehr. Zum Ausstellen des "Küchenpasses" genügt nach wie vor eine einmalige Salmonellen-Untersuchung.

Einer Ermächtigung durch die Berufsgenossenschaften für diese Untersuchungen bedarf es natürlich nur in den Fällen, in denen die Bescheinigung zum Zwecke der Berufsausübung vorgelegt werden soll.

 

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