Sonntag, 30. August 2015

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18.01.2005
Von: MW
Artikel Nummer: 6232
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Laparoskopische Sanierung steht an erster Stelle

Klagen Frauen im reproduktionsfähigen Alter über chronische Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhoe, unerfüllten Kinderwunsch oder eine Vielzahl unspezifischer Symptome, sollte man immer an eine Endometriose denken. Nur durch eine sehr individuell ausgerichtete Therapie kann den Betroffenen geholfen werden.


Die Endometriose ist mit einer geschätzten Prävalenz von 5 % der reproduktionsfähigen Frauen die zweithäufigste gutartige Erkrankung in der gynäkologischen Praxis. Etwa die Hälfte der betroffenen Frauen entwickeln Symptome, die ihre Lebensqualität stark einschränken, so Privatdozent Dr. Andreas Ebert vom Endometriosezentrum an der Berliner Charité auf dem Fortbildungsforum Gynecol in Berlin.

Schmerzen beim Sex?
Die meisten Patientinnen stellen sich mit dem Leitsymptom Schmerz vor - ausgeprägte Dysmenorrhoe oder chronische Unterbauchschmerzen. Typisch ist auch die Dyspareunie. Hier gilt es gezielt nachzufragen, da viele Frauen nur deshalb keine Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben, weil sie auf Grund der Symptomatik von vornherein auf Sex verzichten, verdeutlicht Dr. Ebert. Ein weiteres Leitsymptom ist die Fertilitätsstörung. Auch über Blutungsstörungen mit Vor- und Nachschmieren und eine Vielzahl unspezifischer Symptome wird häufig berichtet.

Nicht gleich "rumbrutzeln"
Goldstandard in der Diagnostik und erster therapeutischer Schritt ist die Laparoskopie. Bevor man hier aber nach der ersten Inspektion gleich anfängt "rumzubrutzeln", sind erst ein Staging und eine histologische Diagnosesicherung notwendig, betont der Experte. Auch die Fertilitätsprüfung gehört immer mit zur Diagnostik. Erst dann erfolgt die eigentliche Therapie mit Destruktion der Herde, Adhäsiolyse und ggf. der Rekonstruktion zerstörter Strukturen.

Eine weitere Säule in der Therapie stellt die medikamentöse Behandlung dar. Hier muss differenziert werden, meint Dr. Ebert. Für Frauen mit vordringlichem Kinderwunsch bedeutet die Therapie mit GnRH-Analoga oder anderen Hormonpräparaten meist nur einen Zeitverlust, so dass man hier am Scheideweg "Schmerz oder Kind" steht.

Erstmal GuRH-Analoga
Besteht kein Kinderwunsch, stellen die GnRH-Analoga wie Leuprorelinacetat (Enantone®-Gyn) das Mittel der ersten Wahl dar. Dr. Ebert empfiehlt nach laparoskopischer Sanierung für sechs Monate mit dem Depotpräparat zu behandeln. Dadurch lässt sich bei 20 bis 40 % der Patientinnen ein kompletter Rückgang der Endometriose über einen Zeitraum von fünf Jahren erreichen. Durch den Östrogenentzug bedingte Nebenwirkungen können durch eine "add-back"-Therapie mit östrogenhaltigen Hormonersatz-Präparaten abgemildert werden. Unter dieser Begleittherapie ist in Einzelfällen auch eine Verlängerung der Therapie auf ein Jahr möglich. Die Rückfallquote liegt nach Operation und nachfolgender Hormontherapie mit einem GnRH-Agonisten langfristig bei etwa 30 % und damit deutlich niedriger als nach alleiniger medikamentöser Therapie. Das früher sehr häufig eingesetzte Danazol wird heute auf Grund der nicht unerheblichen Nebenwirkungen kaum noch empfohlen.

Bald COX-2- und Aromatasehemmer?
Orale Kontrazeptiva oder Gestagene bewirken zwar oft eine deutliche Besserung der symptomatischen Endometriose, es fehlen aber entsprechende Studiendaten. Eine weiterführende Behandlung nach Ausreizung der Therapie mit GnRH-Analoga könnte aber einen Versuch wert sein. Bei Menstruationsbeschwerden und Wunsch nach hormoneller Antikonzeption empfiehlt sich auch die Einnahme eines monophasischen Ovulationshemmers im Langzyklus über drei bis sechs Monate.

Medikamentöse Therapieansätze, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen könnten, sind moderne Aromatasehemmer und Cox-2-Hemmer. Sowohl Aromatase als auch Cox-2 ist in Endometrioseherden überexprimiert, eine Hemmung dieser Enzyme könnte das therapeutische Spektrum erweitern. Hier gilt es aber, entsprechende Studienergebnisse abzuwarten.

 

 

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