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Freitag, 24. Mai 2013

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Was ist dran an der Delfintherapie?
02.03.2011
Von: Dr. Andrea Wülker, Foto: BilderBox
Artikel Nummer: 17214
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Delfintherapie - Echte Hilfe oder Betrug?

Kinder, die sich in azurblauem Wasser an der Flosse eines Delfins festhalten oder ihren „lächelnden“ Wassertherapeuten auf die Schnauze küssen – in den Medien kursieren solche Bilder massenhaft. Aber was ist dran an der Delfintherapie?


Die Delfintherapie, auch DAT (dolphin-assisted therapy) genannt, wurde in den USA entwickelt und wird seit etwa 25 bis 30 Jahren angeboten, berichtete der Meeresbiologe Dr. Karsten Brensing von der Whale and Dolphin Conservation Society, München, in seinem Referat im Rahmen der 6. Dattelner Kinderschmerztage.

Große Nachfrage nach Delfintherapie

Die Nachfrage nach Delfintherapie ist immens, und so gibt es heute auf der ganzen Welt Zentren, die diesen Service mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen anbieten. Häufig findet die Delfintherapie in einer schönen Urlaubsumgebung und mit begleitenden Freizeit- und Betreuungsangeboten für die ganze Familie statt.

Halbe Stunde Delfin kostet Hunderte Euro

DAT-Anbieter geben an, dass sich die Delfintherapie sowohl für geistig als auch körperlich behinderte und für chronisch kranke Patienten eignet. Als DAT-taugliche Indikationen werden unter anderem genannt: Zerebralparese, Down-Syndrom, Autismus, ADHS, Muskeldystrophie, Depressionen, chronische Schmerzen und Stress.

 

Gerade Eltern von mehrfach behinderten Kindern, die bereits eine Vielzahl von Behandlungen hinter sich haben, setzen oft sehr große Hoffnungen in die Delfintherapie und sind bereit, enorme Summen dafür auszugeben. Eine Therapieeinheit von einer halben Stunde mit einem Delfin kostet im Schnitt mehrere Hundert Euro. Rechnet man die Kosten für den Flug und die Unterbringung der gesamten Familie für zwei bis drei Wochen hinzu, kommt schnell eine fünfstellige Summe zusammen.

 

Wer sich finanziell derart verausgabt, möchte natürlich Behandlungserfolge sehen. Kein Wunder, dass Eltern in wissenschaftlichen Studien angaben, ihre Kinder hätten nach einer Delfintherapie eine Besserung ihrer Symptome gezeigt, auch wenn dies nicht objektiviert werden konnte. Bisher scheint es laut einer Stellungnahme einschlägiger Fachgesellschaften keinen wissenschaftlich überzeugenden Beweis für eine Wirksamkeit der Delfintherapie zu geben.

Gefährliche Bisse vom gestressten Trainer

Ist es dann als harmloses Urlaubsvergnügen anzusehen, wenn Eltern mit ihrem behinderten Kind nach Florida oder in die Türkei reisen, um ihm eine Delfintherapie zukommen zu lassen? Dr. Karsten Brensing hat hier starke Bedenken.

 

„Delfine suchen in der Regel nicht die Nähe von Menschen“, erklärte der Tierschützer. Außerdem können Delfine bisher nicht nachhaltig gezüchtet werden – also müssen die Tiere für die Therapie meist der Wildbahn entnommen werden. Sie sind nicht domestiziert, und das Leben in einem Becken mit stark gechlortem Wasser sowie die Vielzahl der täglichen Therapieeinheiten setzen die Delfine unter Dauerstress. Das kann zu aggressivem Verhalten der Tiere mit ernsten Konsequenzen für die Menschen im Wasser führen. Tatsächlich wurde mehrfach über Bisse, Stöße und andere Verletzungen durch Delfine berichtet.

 

Möglicherweise kann es auch zur Übertragung von Infektionen zwischen Menschen und Delfinen kommen. Angesichts des fehlenden Wirksamkeitsnach-weises und der unkalkulierbaren Risiken für Patient und Delfin hält Dr. Brensing die Delfintherapie für nicht empfehlenswert.

Fachgesellschaften nehmen Stellung

Zum Thema tiergestützte Therapien gibt es eine Stellungnahme der Gesellschaft für Neuropädiatrie und der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin aus dem Jahr 2008. Über die Delfintherapie heißt es darin:
„In einer ausgedehnten Literaturrecherche konnte (…) keine Arbeit gefunden werden, die objektiv einen positiven, der Delfintherapie im engeren Sinne zuzuordnenden Effekt bei behinderten Kindern beschreibt. Ein spezifischer Effekt des Delfins an sich konnte in der bisher veröffentlichten Literatur nicht bewiesen werden. (…) Die Delfintherapie kann daher nicht als eine neue wirksame Therapie angesehen werden.“


Quelle: http://www.neuropaediatrie.com/info_fuer_aerzte/stellungnahmen.html

 

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