Mittwoch, 17. September 2014

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Frühe Glatze: Prostata und Herz in Gefahr?

Glatzenträger schlecht dran?

03.01.2012
Von: Dr. Carola Gessner, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 18547
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Frühe Glatze: Prostata und Herz in Gefahr?

Männer mit frühem Haarausfall scheinen in mehrfacher Hinsicht gestraft zu sein. Haben sie auch ein erhöhtes Risiko für Prostata- und Herz-Kreislauf-Probleme?


Das Leben ist einfach ungerecht. Als wäre es nicht schlimm genug, früh seine Kopfhaare zu verlieren – nein, es müssen auch noch Gesundheitsgefahren in Sache´n Prostata damit verbunden sein, beklagte Professor Dr. Henning Hamm vom Universitätsklinikum Würzburg beim Derma Update. Zudem klopft das metabolische Syndrom bei Glatzenträgern eher an.

Daten zu Prostata-Krebs sind nicht verlässlich

Doch vorneweg zur Beruhigung von Männern mit schütterem Haar: Die Assoziation zum Prostatakrebs ist noch nicht gesichert. Insgesamt drei epidemiologische Studien haben sich im Jahr 2011 diesem Thema gewidmet.


Die beiden größeren Arbeiten aus den USA und den Niederlanden wollen sogar ein leicht vermindertes Prostatakrebsrisiko festgestellt haben, wenn Männer – ihrer Erinnerung nach – im Alter von 20 bis 40 Jahren schon männertypischen Haarausfall hatten. Dagegen ermittelte die dritte Studie aus Frankreich bei Männern, die bereits als „Twens“ unter androgenetischer Alopezie (AGA) litten, ein verdoppeltes Prostatakarzinomrisiko.


Zur Frage nach der praktischen Konsequenz aus den Daten meinten jedoch die niederländischen Forscher: Eine androgenetische Alopezie sollte die Entscheidung zu einer Prostatakarzinom-Diagnostik auf keinen Fall beeinflussen. Klarer stellt sich dagegen der Zusammenhang zwischen Glatze und benigner Prostatahyperplasie (BPH) dar.


Beides sind androgenabhängige Übel, bei denen die 5α-Reduktase eine besondere Rolle spielt, so Prof. Hamm. Eine methodisch gute Studie aus Granada verglich bei 45 Männern mit früher AGA und 42 Haargesunden zwischen 35 und 65 Jahren das transrektal-sonographisch gemessene Prostatavolumen, Symptomscore (IPSS) und weitere BPH-Parameter.


AGA-Patienten wiesen signifikant größere Drüsen auf (fast 30 ml vs. 20 ml), geringeren Harnfluss (14,5 vs. 22,5 ml/s) und ein höheres PSA. Insgesamt erfüllten fast 50 % der Alopezie-Patienten gegenüber nur 5 % der Kontrollen die Kriterien für eine BPH.

IPSS-Bogen für alle Männer mit Stirnglatze?

Provozierende Frage von Prof. Hamm: Sollen wir nun alle männlichen Alopeziepatienten rektaldigital untersuchen und ihnen die Zeit im Wartezimmer mit IPSS-Fragebögen versüßen? Der Experte selbst würde das nicht so halten. Er plädiert dafür, Männer in den Fünfzigern nur auf das erhöhte BPH-Risiko hinzuweisen und bei der Konsultation nach Störungen beim Wasserlassen (Reizbeschwerden, Entleerungsstörungen, nächtlichem Harndrang) zu fragen.

Früher Haarausfall, mehr Kalk in der Karotis

Als ernsteres Problem, das Haus- und Hautarzt gemeinsam betrifft, nannte der Experte die Assoziation zwischen AGA und Herz-Kreislauf-Gefährdung. Schon 2010 hatten verschiedene Arbeitsgruppen ein vermehrtes Risiko für das metabolische Syndrom, Dyslipidämien und erniedrigte HDL-Werte sowie vermehrt atheromatöse Plaques in der A. carotis bei frühmanifestem Haarausfall aufgedeckt.


Wiederum waren es die spanischen Kollegen aus Granada, die erhöhte Raten von Hyperglykämien bei vermindertem Sexualhormon-bindendem Globulin (SHBG) im Blut nachwiesen. Niedriges SHBG, erläuterte der Referent, gilt als unabhängiger Prognosefaktor für Insulinresistenz.

Haus-und Hautarzt messen Blutdruck

Weitere zwei Fallkontrollstudien der Spanier ermittelten ungünstigere Blutdruck-und Aldosteronwerte bei Patienten mit vorzeitig schütter gewordenem Haar. Zwar mag manch ein Kollege einwenden, dass viele dieser Studien nur kleine Patientenzahlen umfassten und zum größten Teil von den spanischen Autoren – und nicht multizentrisch – veröffentlicht wurden.


Dennoch nimmt Prof. Hamm die Botschaft ernst. Patienten mit früher oder ausgeprägter androgenetischer Alopezie tragen ein erhöhtes Risiko für das metabolische Syndrom und kardiovaskuläre Erkrankungen.


Daher sollten Hausärzte, Dermatologen und Internisten bei diesem Patientenkollektiv an einem Strang ziehen und die Herz-Risikofaktoren bekämpfen: „Zur Standardausrüstung eines guten Trichologen gehört jetzt auch das Blutdruckmessgerät“.

Quelle: DermaUpdate 2011

 

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