Mittwoch, 03. September 2014

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HIV-Infizierten ein Statin dazugeben

Bei entgleistem Lipidprofil HIV-Infizierten ein Statin dazugeben

08.06.2011
Von: Manuela Arand: Foto: BilderBox.com
Artikel Nummer: 17649
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HIV-Infizierte: Lipidprofil mit Statinen bessern?

Sowohl das HI-Virus selbst als auch die antiretrovirale Therapie können das Blutfettprofil entgleisen lassen. Was tun? Lipidsenker verordnen? Die HIV-Therapie umstellen?


Seit 20 Jahren ist bekannt, dass HIV-Infizierte oft ein abnormes Lipidprofil aufweisen. „Damals hat es nur niemanden interessiert, weil wir ganz andere Sorgen hatten“, so Professor Dr. James Stein von der University of Wisconsin in Madison*.


Doch heute lebt ein HIV-Infizierter nach der Diagnose dank der modernen antiretroviralen Therapie (ART) 20 Jahre und länger – daher sieht die Sache jetzt ganz anders aus.

HIV-Medikamente sparen ist schlecht für Gefäße

Unter der antiretroviralen Therapie verändert sich das Lipidprofil zum Teil beträchtlich, wobei die Effekte von Substanzklasse zu Substanzklasse wechseln und auch innerhalb der Klassen variabel sind. Daher lassen sie sich im Einzelfall schwer vorhersagen.

„Nahezu alle Regime führen aber zu einem Anstieg des LDL-Cholesterins und der LDL-Partikelzahl“, sagte der Experte. Will man eine „Hitliste“ aufstellen, lässt sich sagen, dass Protease-Inhibitoren (v.a. Ritonavir-geboosterte) besonders ausgeprägte Lipidwirkungen ausüben, während der Entry-Inhibitor Maraviroc und der Integrasehemmer Raltegravir vergleichsweise lipidneutral sind.

HI-Virämie extrem gefäßschädlich?

Dennoch steigt die Herztodrate unter ART nicht an, sondern sinkt sogar, wie eine große retrospektive Analyse von Daten der US-Veterans’ Administration ergab.


Das liegt vermutlich daran, dass die HI-Virämie extrem gefäßschädlich ist, wie Prof. Stein erläuterte. Außerdem führt die Infektion selbst zum Anstieg von Triglyzeriden und hoch atherogenen, kleinen dichten LDL-Partikeln, zugleich sinkt der HDL-Spiegel.

Lipidsenker verordnen ist kein Fehler

Dass es sowohl unter virologischen als auch unter kardiologischen Gesichtspunkten von Übel ist, HIV-Medikamente einsparen zu wollen, hat die SMART**-Studie gezeigt: Wurde die Behandlung unterbrochen, wenn die CD4-Zellzahl eine bestimmte Höhe erreicht hatte, stieg nicht nur das AIDS-Risiko auf das 2,5-Fache, sondern auch die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität um mehr als 50 %.

 

Änderungen der antiretroviralen Therapie sollte man selbstverständlich Kollegen überlassen, die sich damit auskennen, riet Prof. Stein. Einen Lipidsenker zu verordnen ist aber sicher kein Fehler, wenn unter der ART die Blutfette entgleisen. Statine wirken zwar weniger gut als bei Nichtinfizierten, stellen aber auch hier den Goldstandard dar. Nur verträgt sich nicht jedes Statin mit der ART, warnte Prof. Stein.


Wichtig ist, auf wechselwirkungsarme Substanzen zu achten, weil viele AIDS-Medikamente das CYP-450-System stark beeinflussen. Die wirkliche Herausforderung in kardiovaskulärer Hinsicht ist aber eine ganz andere: 60 % der HIV-Infizierten rauchen – sie zum Aufhören zu bewegen würde das Risiko stärker senken als jede lipidsenkende Therapie.

* Jahrestagung des American College of Cardiology, New Orleans 2011
** Strategies for Management of Antiretroviral Therapy

 

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