Freitag, 31. Oktober 2014

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Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL): Sinnvoll oder Geldmacherei?

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL): Sinnvoll oder Geldmacherei?

25.01.2012
Von: Michael Reischmann, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 18815
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IGeL-Monitor der Krankenkassen: mündig oder vorlaut?

Die GKV rüstet auf gegen die IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen): Auf einer Webseite klärt sie über Nutzen und Schaden einzelner Selbstzahlerleistungen auf und gibt den Versicherten „Verhaltenstipps“.


„Bei den IGeL-Leistungen geht es vorrangig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige medizinische Leistungen für Kranke“, sagt die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer. Nach ihren Angaben setzen Deutschlands Ärzte jährlich rund 1,5 Milliarden Euro mit IGeL bei gesetzlich Krankenversicherten um. Ein Teil dieser Leistungen ist für die Käufer nutzlos oder sogar schädlich, tut der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) auf seiner Internetseite www.igel-monitor.de kund.

 

Die Kassen forcieren mit dieser Website ihre öffentliche IGeL-Kritik. Sie reagieren damit auf Klagen von Versicherten, die sich bei ihrer Kasse beschweren, wenn ihnen eine Leistung in Rechnung gestellt wird. Aber auch Umfrageergebnisse und Medienberichte über unseriöse Verhaltensweisen – wie sie auch der verstorbene Bundesärztekammerpräsident Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe im vergangenen Jahr kritisiert hat – motivieren die Kassen zum gemeinsamen Handeln.

Ohne Rücksicht auf fehlenden Nutzen und mögliche Schäden?

Die Website ist aber auch eine Breitseite gegen die Ärzteschaft. Ein Versicherter, der künftig von seiner Kasse darauf verwiesen wird, sich doch auf www.igel-monitor.de über ein Angebot zu informieren, wird beim Suchen und Stöbern den Eindruck erhalten: Ärzte handeln bei Selbstzahlerleistungen Geld-getriggert, ohne Rücksicht auf den Patientennutzen und mögliche Schäden.

 

Auch politisch können die Kassen dieses Pferd noch eine längere Strecke reiten. Forderungen, IGeL im geplanten Patientenrechtegesetz zu reglementieren, sieht der Entwurf des Justiz- und Gesundheitsministeriums nicht vor. Kassenvertreter fordern weiterhin eine Beschränkung des IGeL-Angebots und eine 24-stündige Bedenkzeit, in denen Kunden sich überlegen können, ob sie ein Angebot annehmen wollen. Das klingt eher umständlich als abwegig. Schon Prof. Hoppe wies darauf hin, dass die Annahme eines IGeLs nicht zur Eingangshürde eines Patienten für die Inanspruchnahme von GKV- und PKV-Leistungen gemacht werden darf.

 

Welche Bedeutung wird das MDS-Portal bekommen? Der Umfang der Empfehlungen und Warnungen ist bislang überschaubar. Aufklärungsseiten von Kassen im Internet gibt es schon länger, z.B. der AOK zum PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs. Genauso verbreitet sind Ratgeber von Kasse, Kammer und KV. Umsatzbremsen sind das nicht.

Verbindung zwischen Arztbewertungsportalen und politischer Einflussnahme

Doch mit den neuen Arztbewertungsportalen, mit denen die Kassenverbünde die Versicherten an ergänzende Informationen und Beurteilungen heranführen und so für mehr Transparenz sorgen, kann auch der „IGeL-Monitor“ größere Aufmerksamkeit gewinnen. Zumal GKV-Spitzenverband und MDS ankündigen: „Für den IGeL-Monitor ist es wichtig, mit den Nutzern in Kontakt zu kommen. Anregungen, Erfahrungen und Wünsche der Versicherten sollen in die weitere Arbeit einfließen, etwa für die Auswahl zukünftiger Bewertungen.“

 

Was folgt aus der neuen GKV-Aktion? Ärzte sollten sich auf mehr Nachfragen von Versicherten bei IGeL-Angeboten einstellen. Dass man nur Leistungen anbieten sollte, von denen man auch fachlich und im Sinne des Kunden überzeugt ist, ist ein alter IGeL-Grundsatz. Die Regeln zum korrekten Vorgehen beim Anbieten und Abrechnen von Selbstzahlerleistungen sind vielfach geschrieben worden – und rechtlich relevant (Berufsordnung).

 

In der KBV gärt bereits die Idee eines Katalogs, einer Zertifzierung, eines Gütesiegels oder ähnlicher Maßnahmen, um bei den IGeLn die Spreu vom (empfehlenswerten) Weizen zu trennen.

 

Auch die Politik ist sensibilisiert. Mehr Transparenz für mündige Patienten – das heißt ein liberaler Gesundheitsminister von Herzen gut. Sollte allerdings nach der nächsten Bundestagswahl wieder die SPD im BMG das Sagen haben, könnten dort auch die IGeL härter angepackt werden.

 

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