Mittwoch, 02. September 2015

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14.09.2001
Artikel Nummer: 5897
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Wie viel Urlaub für Teilzeitkräfte?

Frage von Dres. Burkhart Ollertz und Ingrid Gellissen,
Ärzte für Allgemeinmedizin,
Heinsberg:

Wie ist die Handhabung des Urlaubes bei 630-DM-Kräften? Unsere Teilzeitkräfte sind nach Tarifvertrag angestellt.


Antwort von Professor Dr. Edgar Weiler,
Rechtsanwalt,
Bad Schwalbach:

Unbestritten ist, dass die im Einzelfall höhere oder geringere Arbeitszeit im Verhältnis zu Vollzeitkräften den Urlaubsanspruch nach Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder Gesetz nicht beeinträchtigen darf. Hat die Vollzeitkraft beispielsweise in der Fünf-Tage-Woche einen Anspruch auf 26 Arbeitstage Erholungsurlaub, dann steht dieser auch der Teilzeitkraft zu. Eine Angestellte, die z.B. zu 75 % beschäftigt ist und an allen Arbeitstagen 75 % der täglichen Arbeitszeit leistet, hat ebenso viel Urlaubstage Anspruch wie eine vollbeschäftigte Kollegin. Ist die Arbeitszeit im Jahresdurchschnitt auf weniger als fünf Wochentage verteilt, so wird die der Teilzeitkraft zustehende Anzahl der Urlaubstage reduziert. Grundlage für diese Umrechnung ist die Überlegung, dass bei einer Verteilung der Arbeitszeit auf weniger als fünf Tage pro Woche auf Grund der zusätzlichen freien Tage weniger Urlaubstage benötigt werden, um genauso lange Urlaub machen zu können wie eine Kollegin, die an fünf Tagen pro Woche arbeitet.

So wird gerechnet
Der Urlaub der Teilzeitkraft muss also analog dem Urlaub der Vollzeitkraft gewährt werden, darf diesen wiederum aber auch nicht übersteigen. Dies gilt auch für 630-DM-Kräfte, die z.B. an zwei Tagen die Wochen insgesamt zehn Stunden arbeiten. Hier wäre die Helferin gegenüber einer Vollkraft im Vorteil, wenn sie den Urlaub tageweise nimmt. Damit sie nicht "besser wegkommt" als Kolleginnen, die an jedem Tag voll arbeiten, verlangt die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes hier eine Verhältnisrechnung: Es muss die Gesamttageszahl des vereinbarten Urlaubs durch die Zahl fünf bei Tarifvertragskräften (unser Fall) geteilt und mit der Zahl der Arbeitstage der Helferin pro Woche multipliziert werden. Nehmen wir an, der Urlaub beträgt 30 Arbeitstage, die Mitarbeiterinnen arbeiten an zwei Tagen in der Woche. Das ergibt 30 : 5 = 6 x 2 = 12. Statt der 30 Tage kann die Mitarbeiterin also nur 12 Tage beanspruchen, die sie allerdings dann auch stückeln darf.

Das Bundesarbeitsgericht erlaubt alternativ auch eine Verhältnisbestimmung durch Umrechnung der Urlaubsstunden. Hierzu sind wiederum die Urlaubsstunden der Vollzeitkräfte zu denen der Teilzeitkräfte in ein Verhältnis zueinander zu setzen. Beispiel: Die Vollzeitbeschäftigten arbeiten an 5 Tagen in der Woche 38,5 Stunden und haben einen Urlaubsanspruch von 30 Arbeitstagen. Umgerechnet ergeben sich dann für die Vollzeitkraft: 38,5 : 5 x 30 = 231 Urlaubsstunden. Für Teilzeitbeschäftigte mit 10 Wochenstunden ergibt sich dann: 231 x 10 : 38,5 = 60 Urlaubsstunden. Diese Urlaubsstunden sind zu verteilen. Nimmt die Teilzeitkraft etwa zwei Tage Urlaub, so sind ihr hierfür 2/5 x 10 Stunden = 4 Stunden auf ihre Gesamturlaubsstunden anzurechnen.

 

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