Samstag, 01. November 2014

News

Darmkrebsvorsorge - Polypenentfernung halbiert das Darmkrebsrisiko.

Darmkrebsvorsorge - Polypenentfernung halbiert das Darmkrebsrisiko.

23.05.2012
Von: Dr. Stefanie Kronenberger, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19297
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Jahrzehntelanger Schutz vor Darmkrebs

Nach einer koloskopischen Polyp­ektomie sinkt das Risiko für ein kolorektales Karzinom auf lange Sicht um mehr als die Hälfte. Allerdings nimmt nur ein Bruchteil der Patienten das Angebot eines Darmkrebsscreenings an.


Im Rahmen der National Polyp Study (NPS) wurden 2602 Personen in eine prospektive Untersuchung1 aufgenommen. Alle Patienten unterzogen sich zwischen 1980 und 1990 einer Polypentfernung. Nachbeob­achtet wurde im Mittel über 15,8 Jahre. Während dieser Zeit verstarben 1246 Personen, 12 von ihnen an einem kolorektalen Karzinom. In der Allgemeinbevölkerung muss man in einem solchen Zeitraum mit 25 Todesfällen aufgrund von Darmkrebs rechnen. Damit sinkt laut Berechnung der Forscher die Sterblichkeit um mehr als die Hälfte.

Spiegelt die Darmpolypen-Studie tatsächlich die Realität?

Die Wirksamkeit der Intervention gründet sich auf der Tatsache, dass sich Adenome langfristig zu Karzinomen entwickeln können. Die Studienergebnisse bestätigen diese These. Verglich man Probanden, deren Polyp nicht adenomatös war, mit Personen, deren Adenom entfernt wurde, so war die Mortalität in den ersten zehn Jahren nach Polypektomie in beiden Gruppen gleich. Nach Ende der regelmäßigen Nachbeobachtung erhöhte sich das Risiko der Adenompatienten wieder, evtl. durch unentdeckte Entwicklung neuer Gewächse.


Da nur Patienten mit geplanter koloskopischer Polypentfernung aufgenommen wurden, handelte es sich um eine Personengruppe mit besonders hohem Darmkrebsrisiko. Daher spiegelt die nachgewiesene Reduktion der Sterblichkeit von 53 % die Wirksamkeit der Polypektomie wahrscheinlich nicht vollständig wider, schreiben die Forscher im „New England Journal of Medicine“.

Patienten wollen lieber den Stuhltest zur Darmkrebsvorsorge machen

Als Schwächen der Studie stellen die Autoren die große Erfahrung der endoskopisch tätigen Studienärzte und die insgesamt geringe Darmkrebsmortalität in der Studie heraus. Die guten Ergebnisse ließen sich daher vielleicht nicht verallgemeinern. Im Rahmen der Überwachung ließen 81 % der Studienteilnehmer erneut Koloskopien über sich ergehen. Diese Nachbeobachtung könnte die Inzidenz ebenfalls beeinflusst haben.


Eine zweite, noch laufende, spanische Studie2 widmet sich dem diagnostischen Unterschied zwischen einer einmaligen Koloskopie und dem immunologischen Stuhltest alle zwei Jahre. Mehr als 26 000 Personen wurden diese Vorsorgeuntersuchungen angeboten. In einer Interimsanalyse zeigte sich erwartungsgemäß, dass die Stuhluntersuchung besser angenommen wurde als die Koloskopie (34,2 % vs. 24,6 %).


Die Basisuntersuchung deckte mit 33 vs. 30 Fälle etwa gleich viele kolorektale Karzinome auf. Bei kleinen Adenomen allerdings lag die Koloskopie mit 1109 gegenüber 119 Funden klar vorne.  

Früherkennung des kolorektalen Karzinoms muss mehr in Anspruch genommen werden

Die niedrige Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchungen, egal ob bei Koloskopie oder Stuhltest, stellt eine große Hürde im Kampf gegen die Früherkennung von Darmkrebs dar, schreiben Dr. Michael Bretthauer aus Oslo und Dr. Mette Kalager aus Boston in ihrem Editorial3. Denn nur bei entsprechender Compliance sind tatsächlich gute Vorsorge-Effekte erreichbar.


Da die Stuhltests alle zwei Jahre notwendig sind, ist hier im Laufe der Zeit sogar noch mit sinkenden Beteiligungsraten zu rechnen, meinen die Kollegen. Bei guter Akzeptanz könnte man die Koloskopie dagegen als einen Triage-Test anwenden, der jedem älteren Bürger angeboten würde, zumal dieser Test auch nur einmal nötig ist, um Hochrisikopatienten aufzuspüren.



1. Ann G. Zauber et al., N Engl J Med 2012; 366: 687–696; 2. Enrique Quintero et al., a.a.O.: 697–706; 3. Michael Bretthauer et al., a.a.O.: 759-760

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte