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10.07.2006
Artikel Nummer: 9106
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Rheumatoide Arthritis: Remission als Therapieziel

Durch die Entwicklung moderner Biologika wie den TNF-alpha-Antagonisten haben sich die Therapiemöglichkeiten bei der rheumatoiden Arthritis entscheidend verbessert. Therapieziel ist nunmehr die vollständige Remission und das konsequente Verhindern von Gelenkdestruktionen. Erreicht werden kann dieses Ziel aber nur, wenn rechtzeitig eine gezielte Behandlung beim Rheumatologen eingeleitet wird.


Derzeit dauert es bei mehr als 50 % der Patienten mit rheumatoider Arthritis noch länger als sechs Monate, ehe beim Rheumatologen eine Diagnose gestellt und mit einer adäquaten Therapie begonnen wird. Damit aber werden wertvolle Therapiechancen vertan. Denn die Behandlungsergebnisse sind deutlich besser, wenn die Patienten bereits innerhalb der ersten drei Monate nach Auftreten der Symptome mit Basistherapeutika, und wenn dies nicht ausreicht, mit Biologika wie den TNF-alpha-Blockern behandelt werden. „Unser Ziel ist dabei klar die vollständige Remission“, erklärte dazu Professor Dr. Klaus Krüger aus München.

Drei Grundvoraussetzungen müssten dazu gegeben sein: neben der frühzeitigen Diagnosestellung, eine klare Festlegung der zu erwartenden Prognose und der therapeutischen Strategie sowie eine engmaschige Überwachung und gegebenenfalls rechtzeitige Therapiemodifikation im frühen Krankheitsstadium, betonte der Rheumatologe.

Rechtzeitig an die Option der Biologika denken

Die Behandlung erfolgt nach Professor Dr. Matthias Schneider aus Düsseldorf primär mit Basistherapeutika wie dem Methotrexat, die als „Disease Modifying Antirheumatic Drugs“ (DMARDs) Einfluss auf die Entzündung und den weiteren Krankheitsprozess nehmen. Gelingt es jedoch nicht innerhalb von sechs Monaten, die Krankheitsaktivität zurückzudrängen, so muss nach Worten von Prof. Krüger die Therapie mit einem modernen Wirkstoff wie  Adalimumab (Humira®) erwogen werden. Allerdings darf die Vorgabe von sechs Monaten nicht streng gesehen werden: „Bei hochaktivem Verlauf müssen wir im Einzelfall schon früher an den Einsatz von Biologika denken“, so der Referent. Auf eine hohe Krankheitsaktivität weisen ein Krankheitsbefall von mehr als zwei Gelenken hin, der positive Nachweis von Rheumafaktoren, eine ausgeprägte Erhöhung der serologischen Entzündungsmarker sowie eine frühzeitige radiologisch nachweisbare Gelenkzerstörung, ein hoher DAS (Disease Activity Score) und ein schlechter Funktionsstatus im Frühstadium.

Die frühzeitige Gabe von Biologika bei der rheumatoiden Arthritis führt bei vielen Patienten zum Erreichen und zum Erhalt der physischen Unabhängigkeit (FFbH = Funktionsfragebogen Hannover; OR = Odds Ratio)

Die frühzeitige Gabe von Biologika bei der rheumatoiden Arthritis führt bei vielen Patienten zum Erreichen und zum Erhalt der physischen Unabhängigkeit (FFbH = Funktionsfragebogen Hannover; OR = Odds Ratio)

Liegt ein hochaktiver Verlauf vor, so kann nach Professor Dr. Ulf Müller-Ladner, Gießen, auch eine Kombination von Methotrexat mit Adalimumab sinnvoll sein. Denn der schon frühzeitige Einsatz des TNF-alpha-Antagonisten trägt wesentlich dazu bei, die weitere Progression zu hemmen und die physische Unabhängigkeit des Patienten zu erhalten. „Wir sind mit den modernen Biologika auf der Erfolgsspur bei der rheumatoiden Arthritis. Nun müssen wir daran arbeiten, die Therapie noch erfolgreicher zu machen“, so Prof. Müller-Ladner.  
 


Interview

TNF-Alpha-Blocker: Keine Heilung aber oft Remission und Stop der Progression

Professor Dr. Elisabeth Märker-Hermann,
Dr. Horst Schmidt-Kliniken, Wiesbaden

Prof. Dr. Märker-Hermann

Welchen Stellenwert haben moderne Medikamente wie Adalimumab bei der rheumatoiden Arthritis?

Prof. Märker-Hermann: Die modernen Tumornekrosefaktor-alpha-Antagonisten sind ein wichtiger Fortschritt bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Sie werden entsprechend einer aktuellen Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie eingesetzt, wenn sich mit Basistherapeutika ein befriedigender Behandlungserfolg nicht erwirken lässt.

Wann konkret werden die Biologika verordnet?

Prof. Märker-Hermann: Die Empfehlungen sehen vor, dass der Einsatz von TNF-Blockern gerechtfertigt ist, wenn trotz konsequenter Therapie mit konventionellen Basistherapeutika (in der Regel mit zwei Basistherapeutika – eines davon Methotrexat – alleine oder in Kombination) nach sechs Monaten weiterhin eine aktive Erkrankung besteht.

Besonderheiten (z.B. Kontraindikationen gegen Basistherapeutika, hohe Krankheitsprogression) können einen früheren Einsatz von TNF-Blockern erforderlich machen.

Allerdings kann bei der rheumatoiden Arthritis keinesfalls nach „einem Kochbuchschema“ vorgegangen werden. Die Therapie richtet sich unter anderem immer auch nach den Begleiterkrankungen des Patienten und nach den Prognosefaktoren.

Welchen Einfluss haben die Prognosefaktoren?

Prof. Märker-Hermann: Wenn von Anfang an klar erkennbar ist, dass der Patient eine hochaktive Erkrankung und damit eine schlechte Prognose hat, etwa weil er schon bei Diagnosestellung hohe Entzündungsparameter, knöcherne Erosionen und hohe Rheumafaktoren aufweist, so wird man solchen Patienten rascher einen TNF-alpha-Antagonisten verordnen als Patienten mit mildem Krankheitsverlauf.

Was kann man von den Biologika erwarten?

Prof. Märker-Hermann: Man kann von den Biologika sicher nicht erwarten, dass sie eine Heilung der rheumatoiden Arthritis bewirken, d.h. dass sie nach Erreichen einer Remission abgesetzt werden können. Die Wirkstoffe müssen wahrscheinlich langfristig eingesetzt werden und führen bei vielen Patienten zu einer guten Kontrolle der Entzündungsaktivität und der knöchernen Zerstörungen. Werden die TNF-alpha-Blocker frühzeitig eingesetzt, so kann neueren Daten zufolge außerdem bei vielen Patienten die Progression der Erkrankung gestoppt und die Gelenkdestruktion verhindert werden.



Psoriasis-Arthritis wird oft noch unterschätzt

Gelenkdestruktionen konsequent entgegenwirken

Noch heterogener als die rheumatoide Arthritis verläuft die Psoriasis-Arthritis. Auch bei diesem Krankheitsbild muss – und das gilt ebenso für die ankylosierende Spondylitis – die Therapie am individuellen klinischen Bild ausgerichtet werden.

Falsch ist die Annahme, bei der Psoriasis-Arthritis handele es sich um eine gutartige Erkrankung. „Wir sehen zum Teil durchaus schwere Verläufe mit rascher Progression und Gelenkdestruktion“, erklärte Dr. Frank Behrens aus Frankfurt. Rund 20% der Patienten weisen nach seinen Worten einen progressiven Verlauf auf. „Erosionen zeigen sich nach zwei Jahren bereits bei 47% der Patienten“, sagte der Experte.

Vor diesem Hintergrund muss auch bei der Psoriasis-Arthritis relativ frühzeitig an die Möglichkeit einer Therapie mit TNF-alpha-Antagonisten wie Adalimumab gedacht werden, das bereits seit Mitte des vergangenen Jahres für diese Indikation offiziell zugelassen ist. Der Wirkstoff hat sich, anders als beispielsweise das Methotrexat, laut Dr. Behrens im Rahmen der evidenzbasierten Medizin als wirksam erwiesen und führt entsprechend der Studienergebnisse gegenüber Plazebo zu einem signifikant höheren Ansprechen der Therapie mit deutlicher Verbesserung der klinischen Haut- und Gelenksymptome.
 

Fazit für die Praxis

Bei der rheumatoiden Arthritis und ebenso bei der Psoriasis-Arthritis und bei der ankylosierenden Spondylitis kommt es darauf an, dass der Patient frühzeitig eine effektive Therapie erhält, die die Entzündungsaktivität zurückdrängt und das Krankheitsbild insgesamt unter Kontrolle und am besten in eine vollständige Remission bringt. Möglich ist das oft nur, wenn alle therapeutischen Optionen genutzt werden, bis hin zum Einsatz moderner Biologika. TNF-alpha-Antagonisten können bei Patienten, bei denen die klassischen DMARDs versagen, die Progression stoppen. Auch mit den Biologika lassen sich Gelenkdestruktionen nur dann effektiv abwenden, wenn sie frühzeitig gegeben werden – ein Grund mehr, Patienten mit entsprechender Symptomatik unverzüglich einem internistischen Rheumatologen vorzustellen. Die Patienten sollten innerhalb der ersten sechs Monate nach Auftreten der Symptome mit Basistherapeutika behandelt werden. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sind Biologika wie TNF-alpha-Blocker indiziert.

Service

Symposium anlässlich des Internistenkongresses; Wiesbaden, April 2006; Veranstalter: Abbott GmbH & Co. KG

Um die Früherkennung zu fördern, hat Abbott Immunology das Projekt „Früherkennung der rheumatoiden Arthritis“ initiiert, an dem sich die primär versorgenden Ärzte – Allgemeinmediziner und Praktische Ärzte, Internisten und Orthopäden – beteiligen können. Bei dem Projekt werden Patienten mit unspezifischen Gelenkbeschwerden an Händen und/oder Füßen, die sich bei ihrem Arzt vorstellen, dokumentiert. Wer mitmachen will, kann sich direkt an Abbott Immunology in Wiesbaden wenden.

Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.humira.de


Impressum

Idee und Konzeption:
Inter Medical Sonderpublikationen
Unter den Eichen 5
65195 Wiesbaden

Redaktionsleitung:
Brigitte Gonschorowski
Chefin vom Dienst: Alice Schmelz
Bericht: Christine Vetter


 

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