Kollege erkannte verschleppten Wundstarrkrampf
Gut, dass bei dem Kollegen „das Glöckchen klingelte“, sonst hätte die sportliche 67-Jährige einen banalen Fahrradsturz mit dem Leben bezahlt. Die Frage des Arztes entlockte ihr die wegweisende Information.
Während eines Kurzurlaubs war die rüstige ältere Dame mit ihrem Fahrrad auf einem Waldweg gestürzt und hatte sich eine Risswunde am Unterarm zugezogen. Weil die Wunde ziemlich schmutzig aussah, begab sich die Frau in eine Klinikambulanz an ihrem Urlaubsort. Dort nahm man lege artis eine Wundtoilette vor, verzichtete auf den Primärverschluss und legte einen Verband an.
Kieferklemme durch Tetanus erst auf Nachfrage genannt
Nach 15 Tagen stellte sich die Frau in der Klinik an ihrem Heimatort vor, weil der Arm angeschwollen war und schmerzte. Die Wunde sah zu diesem Zeitpunkt „nicht so gut“ aus, sodass man sich zur erneuten Revision in Lokalanästhesie entschloss. Dabei förderten die Kollegen Splitter eines abgebrochenen Zweigs (2 x 0,25 cm) zutage, wie Dr. Peter Schäfer vom MVZ Labor Ludwigsburg berichtete.
Auf die Frage nach einer Tetanusimpfung gab die Patientin an, sich nicht erinnern zu können. Als sich der Kollege in der Klinik nach Krämpfen oder anderen muskulären Symptomen erkundigte, antwortete sie: „Ja, jetzt wo Sie es sagen – seit zwei Tagen geht mein Mund so schlecht auf.“ Zudem leide sie verstärkt unter Lärmempfindlichkeit, bei jedem Geräusch zucke sie seit Neuestem zusammen.
Tetanus-Patientin muss sechs Wochen beatmet werden
Die Ärzte reagierten sofort: Es erfolgten aktive und passive Tetanus-Immunisierung, ausgedehntes Wund-Débridement sowie Gabe eines Breitspektrum-Antibiotikums. Die mikrobiologische Diagnostik aus einer Gewebeprobe bestätigte den Tetanusverdacht. Im Mausversuch mit Sterilfiltrat aus der Kultur fiel das Nagetier „typisch in Robbenstellung“ um und starb, während das geimpfte Tier überlebte.
Der weitere klinische Verlauf bei der 67-Jährigen gestaltete sich dramatisch. Sie entwickelte Krämpfe und eine Ateminsuffizienz. Erst nach sechs Wochen kam sie von der Beatmungsmaschine los, unter Intensivtherapie bildeten sich ihre Lähmungen allmählich zurück. Die Frau hat ein Riesenglück gehabt, dass sie den verschleppten Tetanus überlebte, unterstrich der Referent.
Quelle: 47. Süddeutschen Kongress für aktuelle Medizi, Stuttgart, 2012




