Krankengymnastik reine Quälerei?
Beim Impingementsyndrom der Schulter setzte man bisher vor allem auf intensive Krankengymnastik. Jetzt deutet eine randomisierte Studie darauf hin, dass man die Patienten mit dem monatelangen zeitaufwendigen Krafttraining möglicherweise völlig unnötig gequält hat.
Bei 57 Patienten mit subakromialen Schmerzen ohne nachweisbare morphologische Veränderungen verglichen Würzburger Orthopäden den Effekt einer Bandagenbehandlung mit Krankengymnastik. Die Bewegungsübungen verfolgten das Ziel, durch Stärkung der Muskulatur den Humeruskopf besser zu zentrieren. Bei der Bandage handelte es sich um eine Art Orthodese mit integriertem Gelkissen und elastischen Zügen, die die Beweglichkeit im Schultergelenk nicht wesentlich einschränkte, wie Dr. Markus Walther von der Orthopädischen Universitätsklinik Würzburg auf dem Orthopädenkongress in Berlin berichtete.
Das auch für die Untersucher überraschende Ergebnis: Nach jeweils 24-wöchiger Therapie unterschied sich die Schmerzreduktion in beiden Gruppen nicht wesentlich und war im Trend bei der deutlich preisgünstigeren Bandagenbehandlung sogar etwas besser. In beiden Gruppen erwiesen sich eine länger als zwölf Monate bestehende Symptomatik und mehrere erfolglose Vorbehandlungen als prognostisch ungünstige Faktoren.
Über welchen Mechanismus die Bandage ihre positive Wirkung entfaltet, bleibt allerdings völlig unklar. Hier drängt sich der Gedanke auf, so der Orthopäde, dass man in beiden Gruppen möglicherweise nur den Spontanverlauf der Schulterschmerzen dokumentiert hat. In Zukunft sollte man also auch mal untersuchen, was mit den Schmerzen passiert, wenn man gar nichts macht, schlug Dr. Walther vor.




