Samstag, 25. Juni 2016

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Resistente Tb-Stämme breiten sich auch in Europa aus

Resistente Tb-Stämme breiten sich auch in Europa aus

02.03.2016
Von: Manuela Arandt; Foto: CDC.gov
Artikel Nummer: 25323
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Materialschlacht gegen resistente Tuberkulose

Multiresistente und extensiv resistente (M/XDR) Tuberkulosestämme breiten sich immer mehr aus. Die meisten Infizierten können geheilt werden, aber mit enormem Aufwand.


Im Vergleich zu den Hochprävalenzländern China, Russland und Indien weist Deutschland noch verhältnismäßig niedrige Raten an M/XDR-Tuberkulosen auf, aber sie dürften infolge der Zuwanderung deutlich steigen. „Viele Flüchtlinge leiden an einer latenten Tuberkulose“, berichtete Professor Dr. Christoph 
Lange, Leiter des Klinischen Tuberkulosezentrums am Forschungszentrum Borstel in Lübeck.

Resistente Stämme nur in Zentren behandeln

Da in den Heimatländern meist nur eine eingeschränkte medizinische Versorgung vorlag, besteht das Risiko, dass bei einer nur anbehandelten Tuberkulose resistente Stämme selektiert wurden. Der in Europa meistverbreitete hochresistente Stamm stammt ursprünglich aus China, hat aber inzwischen den ganzen Erdball erobert. Neben Importen kommen auch Ansteckungen hierzulande vor.

Immerhin: Bisher gibt es keinen wesentlichen Anstieg der Resistenzraten in 
Europa. M/XDR-Stämme erschweren die Behandlung und verlängern sie erheblich. Etwa 60 % der MDR-Stämme sind gegen Pyrazinamid und Ethambutol resistent, bei den XDR-Stämmen liegen die Raten bei fast 95 % und über 80 %. Aber auch diese Infektionen lassen sich heilen. „Die Erfolgsraten liegen bei 70 bis 80 %“, sagte Prof. Lange – vorausgesetzt, die Therapie findet in einem gut ausgerüsteten Zentrum statt.

Fünf Anti-TB-Medikamente, acht Monate stationär

Um eine MDR-Tb zu behandeln, werden mindestens vier Antituberkulotika benötigt, für eine XDR-Tb mindestens fünf. Die Therapie erfolgt in den ersten fünf bis acht Monaten stationär. Vor allem die injizierbaren Antibiotika stellen diese auf eine harte Probe, weil die gluteale Injektion Hämatome und Abszesse verursachen kann. „Die Patienten können acht Monate lang kaum sitzen“, erzählte Prof. Lange. Hinzu kommt die hohe Pillenlast. Die Gesamttherapiedauer bei MDR-Tb beträgt derzeit fast zwei, bei XDR-Tb drei Jahre.

Quelle: Kongress der European Respiratory 
 Society, Amsterdam, 2015

 

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