Samstag, 20. September 2014

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05.11.1999
Artikel Nummer: 6108
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Neuroleptikum weiterverordnen?

Frage von Dr. Jessika Weldner,
Sibbesse:

Bei meiner jetzt 35jährigen Patientin wurde 1989 eine paranoid-halluzinatorische Psychose mit Zwangssymptomen und Depression diagnostiziert. Die Patientin wird mit Decentan® 8 bis 12xa0mg/die behandelt und ist derzeit beschwerdefrei. Sie lebt in einer festen Beziehung und äußerte einen Kinderwunsch. Könnte die noch laufende Medikation für eine Schwangerschaft ein Risiko darstellen?


Antwort von Dr. Christof Schaefer,
Abteilung
Embryonaltoxikologie,
Beratungsstelle für Vergiftungserscheinungen,
Berlin:

Decentan® mit dem Wirkstoff Perphenazin ist ein Phenothiazin-Neuroleptikum. Aus "embryotoxikologischer Sicht" gehört es zu den Mitteln der Wahl, wenn eine psychotische Symptomatik in der Schwangerschaft behandelt werden soll. Zwar wurden einzelne Fälle mit Entwicklungsstörungen bei Kindern publiziert, deren Mütter Phenothiazine während der Schwangerschaft erhalten hatten. Ein kausaler Zusammenhang ließ sich aber nicht bestätigen. Die schon vor Jahrzehnten eingeführten Vertreter dieser Gruppe, zu denen auch Perphenazin gehört, können heute als weitgehend sicher angesehen werden. Besteht also eine klare Indikation für eine neuroleptische Behandlung - hier mit einem Phenothiazin -, darf diese auch bei einer zu erwartenden Schwangerschaft fortgesetzt werden. Eine über das übliche Maß hinausgehende, zusätzliche Pränataldiagnostik ist nicht erforderlich. Phenothiazine können beim Neugeborenen leichte Entzugserscheinungen wie z.B. Unruhe und Zittrigkeit verursachen, die aber - anders als bei Benzodiazepinen und Opiaten - meist keine therapeutische Intervention erfordern. Phenothiazin-Neuroleptika sind auch in der Stillzeit akzeptabel. Aufgrund der hohen Eiweißbindung im mütterlichen Plasma gehen nur geringe Anteile in die Milch über. Für Perphenazin wurden unter 1xa0% der gewichtsbezogenen mütterlichen Dosis für ein vollgestilltes Kind ermittelt. Eine Einschränkung des Stillens ist somit nicht zu begründen, denn Symptome durch das Medikament in der Muttermilch sind praktisch nicht zu erwarten. Eine Literaturliste kann bei der Redaktion angefordert werden.

 

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