Dienstag, 07. Juli 2015

News

27.04.2007
Von: CG
Artikel Nummer: 10828
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Insulintherapie früh und intensiv auch beim Typ-2-Diabetes?

Nicht zu lange mit dem Insulin zögern, heißt die Devise bei der Behandlung von Typ-2-Diabetikern. Nur so lassen sich schwere Herz-Kreislauf-, Nieren- und Augenkomplikationen fernhalten. Doch soll man gleich das voll intensivierte Programm fahren?


- Pro -

Die Hemmschwelle, beim Typ-2-Diabetiker zum Insulin zu greifen, liegt immer noch hoch. Allzuoft halten die Ärzte sich zu lang auf den einzelnen Stufen der Zucker-einstellung auf – zum Schaden der Kranken. Aktuellen Daten zufolge laufen Patienten zum Zeitpunkt der Umstellung auf Insulin bereits fünf Jahre und länger mit einem HbA1c über 8 <nonbreaking-space />% herum: Da muss man mit Langzeitfolgen rechnen, warnte Professor Dr. Jochen Seißler, von der Medizinischen Klinik Innenstadt in München beim Internistenkongress.

Basalinsulin reicht <forced-line-break />auf Dauer nicht

Er plädiert dafür, auch bei Typ-2-Diabetikern bereits früh die intensivierte Insulintherapie einzusetzen. In der sog. Kumamoto-Studie konnte diese Maßnahme den HbA1c-Wert über sechs Jahre unter 7 <nonbreaking-space />% halten und Retino-, Nephro- und Neuropathie sowie diabetesbezogene Todesfälle signifikant senken.

Dass irgendwann Insulinersatz notwendig wird, ist ohnehin keine Frage. Auch bei Typ-2-Diabetikern geht es mit der Sekretion des Inselzellhormons progressiv bergab. Die Betazellfunktion schrumpft um rund 6 <nonbreaking-space />% jährlich, sodass man nach einem Krankheitsverlauf von 10 bis 15 Jahren auf jeden Fall von einem substitutionsbedürftigen Insulinmangel ausgehen kann, unterstrich der Referent.

Um langfristig mikro- und makrovaskuläre Schäden zu vermeiden, genügt nach Darstellung von Prof. Seißler die Gabe von Basalinsulin nicht: Je näher man in gute HbA1c-Bereiche kommt, um so bedeutender werden die postprandialen Zuckerspiegel: Ihr Einfluss auf das HbA1c beträgt 50 <nonbreaking-space />% im Bereich 7,3 bis 8,4, jedoch 70 <nonbreaking-space />% im Bereich unter 7,3.

Die Vorteile der frühen intensivierten Insulintherapie fasste der Kollege wie folgt zusammen:

  • bestmögliche Imitation der physiologischen Insulinsekretion
  • langfristige Senkung des HbA1c
  • Vermeiden von Folgeerkrankungen
  • längerer Erhalt der endogenen Restsekretion
  • durch moderne Insuline leichte Anpassung an körperliche Aktivität, wenig schwere Hypoglykämien
  • Anpassung bei Blutzucker-Entgleisung jederzeit schnell möglich.

- Contra -

„Die frühe intensivierte Insulintherapie beim Typ-2-Diabetiker ist nicht falsch, aber nicht nötig“, meint Privatdozent Dr. Andreas Fritsche vom Klinikum der Universität Tübingen, vorausgesetzt man bekommt den HbA1c-Wert anders in den Griff. Er plädiert ebenfalls dafür, auf den einzelnen Stufen der Typ-2-Diabetes-Therapie nicht lang zu fackeln: Stellt sich nach drei Monaten kein Erfolg ein, wird es höchste Zeit für den nächsten Step. Der Kollege führt jedoch auch Argumente gegen allzu eilige Insulingabe an:

  • endogenes Insulin besitze eine physiologischere Wirkweise als exogenes: solange endogenes Insulin vorhanden ist, solle man möglichst mit oralen Antidiabetika auskommen
  • eine bessere Prävention kardiovaskulärer Komplikationen durch frühe intensivierte Therapie sei bei Typ-2-Diabetikern überdies nicht belegt
  • die Behandlung mit Insulin sei aufwändig und teuer.

Nur bei Kontraindikationen gegen orale Antidiabetika würde Prof. Fritsche rasch Insulin einsetzen. Auch wenn bei der Erstdiagnose ein sehr hohes HbA1c vorliegt, hält er das Spritzen vorübergehend für indiziert.

Ansonsten heißt seine Devise: Alles, was den HbA1c-Wert senkt, vermeidet kardiovaskuläre Komplikationen. Gelingt es z.B. mit Basalinsulin und oralen Antidiabetika, den Nüchtern-Blutzucker auf 100 <nonbreaking-space />mg/dl zu titrieren und den HbA1c um 6,5 <nonbreaking-space />% zu halten, sieht er keinen Anlass, intensiviert einzusteigen. Als Vorteil seines Konzeptes nennt er die einfache und patientenfreundliche Strategie. Diese sei gleich effektiv wie die Bolusgaben zu den Mahlzeiten und berge weniger Hypoglykämiegefahr.

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte

 AOK   Arzneimittel   Bayern   Demenz   Depression   Diabetes   EBM   Hausärzteverband   Herzinsuffizienz   Honorar   HzV   Impfung   Infektion   KBV   Krebs   KV   Migräne   Rauchen   Schlaganfall   Sport