Montag, 31. August 2015

News

02.12.2001
Artikel Nummer: 5791
  • Es können nur eingeloggte Benutzer Kommentare verfassen
  • Empfehlen Sie diesen Artikel per E-Mail weiter
  • Artikel drucken

Antiepileptika nicht beim Glaukom?

Frage von Dr. Georg Stürmer,
Neurologe, Psychiater,
Stuttgart:

Meine Patientin leidet unter komplexen Partialanfällen, die seit Jahrzehnten mit Carbamazepin und Barbexaclon sehr gut unter Kontrolle sind. Seit einigen Jahren besteht ein beidseitiges Glaukom, wobei sich die Sehnervendefekte jetzt etwas verschlechtert haben. Der Ophthalmologe drängt, die antiepileptische Medikation zu überdenken. Für welche Medikamente stellt das Glaukom tatsächlich eine Kontraindikation dar, bzw. welche Patienten sollten augenärztlich überwacht werden?


Antwort von Professor Dr. Manfred Zierhut,
Universitäts-Augenklinik,
Tübingen:

Nach Literaturdurchsicht ist es überraschend, wie wenig über den Zusammenhang von Medikamenten wie z.B. Antiepileptika, Antihypertensiva, Antiallergika und Glaukom wirklich bekannt ist. Man kann jedoch davon ausgehen, dass all diese Medikamente zu Problemen beim sog. Engwinkelglaukom, weniger bzw. gar nicht dagegen beim Offenwinkelglaukom, führen.

Ursache ist die anticholinerge, atropinartige Wirkung, die durch Beeinflussung der lokalen oder zentralen vegetativen Innovation mit nachfolgender Mydriasis ein akutes Engwinkelglaukom auslösen kann. Für alle Medikamente liegen jedoch nur Einzelberichte vor. In extrem seltenen Fällen sind auch Druckanstiege durch parasympathomimetische Medikamente, die über eine Pupillenverengung zu einem Pupillarblock führen, beschrieben.

Für Ihren Patienten heißt dies: Es wäre notwendig, die Art des Glaukoms zu kennen. Der langsam schleichende Verlauf spricht zweifelsohne für ein Offenwinkelglaukom, so dass eigentlich die Medikation mit Antiepileptika meines Erachtens nach unproblematisch sein sollte. Jedoch gibt es Zwischenformen, die wir als "chronisches Offenwinkelglaukom mit Engwinkelkomponente"bezeichnen. Diese sind dadurch charakterisiert, dass der Kammerwinkel deutlich weniger offen ist als beim herkömmlichen Offenwinkelglaukom. In diesem Fall wäre evtl. eine arzneimittelbedingte Komponente bei der Verschlechterung des Glaukoms denkbar.

Erwähnenswert sind noch zwei Mechanismen, die durch Medikamente zu einer Erhöhung des Augendrucks führen: Einerseits können Kortikosteroide durch Veränderung des Kammerwinkels zu einem Glaukom führen, andererseits nimmt man hypothetisch an, dass Medikamente wie Acetylsalicylsäure, Acetazolamid und Hydrochlorothiazid zu einer transitorischen Myopie und dadurch zu einem Anstieg des Intraokulardrucks führen können.

Literatur: Schlote, Freudenthaler, Stübiger, Zierhut: "Medikamentöse Nebenwirkungen am Auge", Thieme-Verlag

 

Artikel kommentieren

 

Um einen Artikel zu kommentieren müssen Sie sich einloggen. Falls Sie noch kein Login haben können Sie hier einen Zugang erstellen.

 
Geben Sie bitte Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden.

 

Mehr zum Thema

 

Stichworte

 AOK   Arzneimittel   Bayern   Demenz   Depression   Diabetes   EBM   Hausärzteverband   Honorar   HzV   Impfung   KBV   Krankenkassen   Krebs   KV   Migräne   Rauchen   Regress   Schlaganfall   Sport