Dienstag, 21. Oktober 2014

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01.06.1998
Artikel Nummer: 6077
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Osteoporose vorprogrammiert?

Frage von Professor Dr. Wolf-D. Thomitzek
Laborarzt
Heidelberg:

Ist ein niedriger Östradiol-Spiegel unter 20-pg/ml bei nicht erhöhten-Gonadotropinspiegeln (unter 8-U/l) bei 20- bis 30jährigen Frauen, die Ovulationshemmer einnehmen, ein Grund zur Substitution? Besteht aufgrund der niedrigen Östradiolwerte ein für später vorprogrammiertes Osteoporose-Risiko?


Antwort von Professor Dr. W. G. Rossmanith
Universitäts-Frauenklinik
Ulm:

Bei den erwähnten Östrogen-Serumspiegeln handelt es sich um die Konzentrationen des 17-p-Östradiols, des wesentlichen Sexualsteroids aus dem reifenden Follikel. Unter der Einnahme von Ovulationshemmern ist die Follikulogenese supprimiert; denn die Anwendung von potenten synthetischen Steroiden hemmt die stimulierende Gonadotropinsekretion. Die beschriebene Konstellation von niedrigen 17-p-Östradiol-Serumspiegeln unter 20-pg/ml bei Gonadotropinkonzentrationen im Normbereich der Follikelphase (es finden sich auch erniedrigte Konzentrationen der Gonadotropine bei kompletter Suppression) kennzeichnet die Hemmung der ovariellen Aktivität durch Sexualsteroide aus Ovulationshemmern. Trotz des niedrigen 17-p-Östradiolspiegels tritt unter der Einnahme von Ovulationshemmern keine Östrogen-Mangelsituation auf. Denn anstelle des supprimierten endogenen Follikelöstrogens steht das Äthinyl-Östradiol aus der Pille als sehr potentes Östrogen zur Verfügung. Bei der Bestimmung des 17-p-Östradiols im Serum messen heutige spezifische Labormethoden dieses synthetische Steroid nicht mit. Unter Ovulationshemmern mit Äthinyl-Östradiol besteht trotz niedriger 17-p-Östradiol-Serumspiegel keine Notwendigkeit für eine zusätzliche Östrogensubstitution. Es ist hinreichend gesichert, daß die tägliche Einnahme von 30-zg Äthinyl-Östradiol ausreicht, um vor einer Osteoporose zu schützen. Ebenfalls sicher in ihrer Osteoprotektion sind Ovulationshemmer mit 20-zg Äthinyl-Östradiol, sie lassen gelegentlich eine beträchtliche follikuläre Aktivität des Ovars zu, so daß sich Serumspiegel des 17-p-Östradiols wie in der Follikelphase finden. Die kontrazeptive Sicherheit dieser Ovulationshemmer wird dennoch durch andere Mechanismen gesichert (etwa Veränderung von Zervixpermeabilität und endometrialer Rezeptivität).

 

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