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Sind Schnelltest bei sexuell übertragbaren Infektionen zuverläßig?

Sind Schnelltest bei sexuell übertragbaren Infektionen zuverläßig?

15.04.2012
Von: Dr. Andrea Wülker, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19126
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Tripper, HIV und Lues mit Schnelltest nachweisen?

Schnelltests für sexuell übertragbare Infektionen liefern das Ergebnis schon nach kurzer Zeit. Fragt sich, ob auf diese Schnelltests auch Verlass ist.


Bei der herkömmlichen Labordiagnostik auf sexuell übertragbare Infektionen (STI) geht schon durch den Probentransport Zeit verloren. Außerdem muss der Patient ein zweites Mal kommen, um das Resultat zu erfahren. Manch einer macht das nicht mit.


Schnelltests würden sich auch anbieten, um z.B. in Gesundheitsämtern und AIDS-Beratungsstellen, Personen zu testen, die anderweitig nur schwer zu erreichen sind. In einem kürzlich erschienenen Beitrag im „Epidemiologischen Bulletin“ des Robert Koch-Instituts wird über den praktischen Nutzen der STI-Schnelltests diskutiert.

HIV: Vorsicht mit Urin und Speicheltests

Es gibt heute eine Fülle an Tests auf dem Markt, mit denen man z.B. direkt in der Praxis untersuchen kann, ob sich ein Patient mit HIV, Hepatitis B, Hepatitis C, Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae oder Syphilis infiziert hat. Die meis­ten Tests basieren auf dem Prinzip der Immunchromatographie.


Allein für die HIV-Diagnostik werden weltweit ca. 40 Schnelltests angeboten, manche nur über das Internet. In Deutschland und Europa dürfen ausschließlich CE-markierte Schnelltests verwendet werden. Das CE-Kennzeichen bedeutet jedoch nur, dass der Test gemäß den EG-Qualitätsrichtlinien hergestellt wurde. Es garantiert nicht, dass der Test  eine hohe diagnostische Genauigkeit aufweist, betonen die Autoren. 

Nicht jeder positiver HIV-Test bedeutet eine Infektion

Einige CE-markierte HIV-Schnelltests, die mit Serum, Plasma oder Vollblut durchgeführt werden, erwiesen sich in Untersuchungen des Paul-Ehrlich-Instituts den herkömmlichen HIV-1/2-Antikörpertests als fast gleichwertig. Die Namen dieser evaluierten Tests dürfen vom Institut allerdings nicht veröffentlicht werden.


Fällt ein HIV-Schnelltest positiv aus, ist auf jeden Fall eine zweite Untersuchung mit einem Standardverfahren erforderlich, unterstreichen die RKI-Experten. Und Vorsicht mit negativen Resultaten: Bekanntlich sind nicht alle HIV-Schnelltests ausreichend evaluiert. Skeptisch sollte man bei Verfahren sein, die mit Urin- oder Speichelproben durchgeführt werden, denn bei diesen lassen Empfindlichkeit und Genauigkeit häufig zu wünschen übrig.

Bei Hepatitis C ist der Schnelltest zu langsam

Auch für Hepatitis C gibt es Schnelltests. Die meisten basieren auf der Untersuchung von Blut (Serum, Plasma, Vollblut, Kapillarblut) und weisen HCV-Antikörper nach. Kombinationstests, die zusätzlich Antigen erfassen, gibt es nicht. Die meisten HCV-Schnelltests sind den üblichen Drittgenerations-EIAs (enzymgekoppelte Immunadsorptionstest) in puncto Sensitivität und Spezifität unterlegen.


Außerdem lassen sich HCV-Infektionen mit den Schnelltests oft erst später nachweisen als mit den konventionellen Drittgenerations-EIAs. Recht positiv fiel dagegen ein neuerer HCV-Test auf (OraQuick-HCV-Schnelltest), der seit 2010 in der EU zugelassen ist. Er kann nicht nur mit Blut, sondern auch mit Speichel durchgeführt werden und weist eine gute Sensitivität und Spezifität auf.

Schnelltest für Hepatitis B, Syphilis und Co nicht zu empfehlen

Damit ist der Einsatz des OraQuick-HCV-Schnelltests „in niedrigschwelligen Settings“ durchaus denkbar, heißt es in dem Fachblatt. Allerdings schließt ein negatives Testergebnis eine frische Infektion nicht sicher aus.


Wie gut sind die verfügbaren Schnelltests auf Hepatitis B, Chlamydien, Gonokokken und Syphilis? Von diesen Tests raten die Autoren generell ab, denn im Vergleich zu den im Labor angebotenen Standardtests schnitten sie hinsichtlich Spezifität und Sensitivität deutlich schlechter ab.


Quelle: Epidemiologisches Bulletin 2012; Nr. 5: 37-41

 

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