Freitag, 27. März 2015

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08.09.2004
Artikel Nummer: 5520
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Was stoppt den Galle-Reflux?

Frage von Dr. Martin Byrtus,
  Facharzt für Innere Medizin,
  VS-Villingen:

Welche therapeutischen Möglichkeiten versprechen bei galligem Reflux den besten Therapieerfolg?


Antwort von Professor Dr. Volker F. Eckardt,

 

Fachbereich Gastroenterologie,

 

Deutsche Klinik für Diagnostik,

 

Wiesbaden:
Die gestellte Frage wirft zunächst einige weitere Fragen auf: Was ist mit galligem Reflux gemeint - handelt es sich um duodenogastralen oder duodeno-gastro-ösophagealen Reflux? Sind die anatomischen Verhältnisse im oberen Gastrointestinaltrakt intakt, oder besteht hier ein Zustand nach Magenresektion?

 

 

Gehen wir einmal davon aus, dass ein pathophysiologischer Vorgang ohne gesicherten Krankheitswert, nämlich der duodenogastrale Reflux, nicht zur Diskussion steht und dass nur die "gallige Refluxösophagitis" gemeint ist. In diesem Fall will man natürlich wissen, wie denn die letztgenannte Diagnose erhärtet wurde - etwa durch Nachweis von galligem Sekret im Refluat mit der Bilitec-Sonde?

 

 

Einer derartigen Entdeckung würde ich bei intaktem Magen keine wesentliche klinische Bedeutung zuordnen. Zum einen weil die klinische Relevanz von Galle in saurem Reflux umstritten ist, zum anderen weil die konventionelle Antirefluxtherapie mit Protonenpumpenhemmern nicht nur die Säureexposition reduziert, sondern über eine Verminderung des intragastralen Sekretvolumens auch die Menge regurgitierter Galle beeinflusst. Schließlich bleibt es fraglich, ob geringe Mengen von galligem Sekret in Abwesenheit von Säure überhaupt die Ösophagusmukosa schädigen.

  • Also: Für Patienten mit intaktem Magen ist massiver Gallereflux nicht zu erwarten, und mäßiger Gallereflux hat entweder keine klinische Bedeutung oder ist gut durch die uns zur Verfügung stehende Therapie mit säurehemmenden Maßnahmen behandelbar.
  • Ganz anders liegen die Verhältnisse, wenn ein Zustand nach partieller oder totaler Gastrektomie besteht. In dieser Situation kann galliger Reflux massiv sein und auch ohne Anwesenheit von Säure die Ösophagusmukosa erheblich schädigen. Theoretisch käme hier die Verabreichung von "gallebindenden" Medikamenten wie beispielsweise Aluminiumhydroxid, Cholestyramin und Sucralfat in Betracht - aber leider nur theoretisch. Denn nach meiner Kenntnis existiert keine zuverlässige Studie, die deren Effektivität beweisen würde. Die beste Maßnahme in dieser Situation besteht in einer Reoperation mit Wegleitung des galligen Sekretes vom distalen Ösophagus. Dies könnte entweder durch die Anlage einer Roux-Y-Anastomose geschehen oder, wenn diese bereits besteht, durch ihre Verlagerung nach weiter distal.
 

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