Dienstag, 30. September 2014

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12.06.2009
Von: MW
Artikel Nummer: 14134
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Prostatakrebs mit Tomaten und grünem Tee bändigen?

Männer mit Prostatakarzinom möchten immer häufiger zusätzlich zur konventionellen Therapie etwas „Pflanzliches" einnehmen. Was ist empfehlenswert?


Von Pflanzenmedizin versprechen sich Krebspatienten einiges: Sie sollen das körpereigene Immunsystem unterstützen, das Tumorleiden bekämpfen, die therapiebedingte Krankheitszeichen vermindern und natürlich auch Rückfällen vorbeugen.

Die Auswahl scheint groß: Zahlreiche pflanzliche Substanzen werden als potenzielle Heilmittel bei Prostatakrebs beworben. Phytoöstrogene aus Soja (Genistein), Karotinoide (Lycopin) aus Tomaten und Polyphenole aus Gelbwurz (Kurkumin), Rotwein (Resveratrol) und grünem Tee (Epigallocatechin-3-Gallat/EGCG) sollen das Prostatakrebswachstum ausbremsen.

Im Reagenzglas gelingt dies sogar mit vielen Substanzen erstaunlich gut, schreibt Privatdozent Dr. Frank G. E. Perabo von der Urologischen Universitätsklinik Bonn. Genistein, Lycopin, Kurkumin, EGCG und Resveratrol rücken in vitro den Prostatakrebszellen über verschiedene Mechanismen zu Leibe. Das Spektrum reicht von einer Beeinflussung der Zellzyklusregulation bis zur Einleitung des Zelltodes. Auch in tierexperimentellen Untersuchungen lassen sich durchaus positive Effekte belegen. So findet man bei Ratten unter einer hoch dosierten Isoflavon-Diät oder bei Gabe von Polyphenolen aus grünem Tee eine signifikante Reduktion des Prostatakarzinomwachstums.

All dies lässt sich aber nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen, so Dr. Perabo. Zwar weisen Studien darauf hin, dass ein reichlicher Verzehr von Sojaprodukten oder grünem Tee die Krebshäufigkeit reduzieren kann. Daraus ergibt sich aber nicht zwangsläufig eine therapeutische Wirkung beim bereits vorhandenen Prostatakarzinom. Hierzu sieht die Datenlage eher mager aus. In klinischen Studien konnten die vielversprechenden Ergebnisse aus dem Labor beim Menschen bisher nicht verifiziert werden. Dies kann auch auf die mangelnde Qualität der Studien zurückzuführen sein. Die oft nur empirische Dosisfindung, mangelnde Standardisierung und kleine Patientenzahlen machen die Interpretation schwierig.

Was kann man Männern also empfehlen? Geht es um die Prophylaxe eines Prostatakarzinoms, kann durchaus zum reichlichen Genuss von Soja- und Tomatenprodukten sowie grünem Tee geraten werden, schreibt Dr. Perabo. In der Therapie des Krebses haben die Phytosubstanzen zum heutigen Zeitpunkt aber keinen Platz.

Eine Sonderstellung nimmt die Mistel ein. Die klinische Wirksamkeit wird immer noch kontrovers diskutiert, schreibt der Urologe. Studien zeigen zwar u.a. eine verbesserte Lebensqualität und eine verlängerte Überlebenszeit, sie weisen aber nicht zuletzt aufgrund der sehr individuellen Therapie oft Mängel auf. Speziell zu Prostatakarzinompatienten liegen bisher keine Untersuchungen vor – lediglich positive Kasuistiken sind beschrieben.

Frank G.E. Perabo et al., Urologe 2009; 48: 270–283

 

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