Schnarcher gefährden den Rest der Welt
Sie schlafen nachts schlecht, sind tagsüber extrem müde - und verursachen deswegen wahrscheinlich mehrere Tausend Unfälle jährlich: Patienten mit obstruktivem Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS). In Tests an Fahrsimulatoren zeigt sich das individuelle Unfallrisiko.
Weil sich bei OSAS-Patienten im Schlaf die oberen Atemwege verengen oder gar verschließen, kommt es zu lautem Schnarchen und zu periodischen Hypopnoen oder Apnoen mit anschließender Weckreaktion. Das stört die Schlafarchitektur empfindlich. Und es ist kein Wunder, dass die Betroffenen tagsüber müde sind und immer wieder einschlafen. Gar nicht selten geben OSAS-Patienten anamnestisch auch eine Neigung zu "Beinahe-Unfällen" an, berichtete Professor Dr. Kurt Rasche, Lungenfacharzt an den Kliniken St. Antonius, Wuppertal, auf dem 44. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie.
Mindestens 2 % der Frauen und 4 % der Männer leiden an OSAS. Brisant ist die Störung bei Bus- und Lkw-Fahrern oder Piloten. Experten schätzen, dass das OSAS das Unfallrisiko um das Drei- bis Siebenfache erhöht; es steigt mit dem Ausmaß der Tagesschläfrigkeit und des oft vorhandenen Übergewichts.
CPAP-Therapie senkt Unfallrisiko
Mindestens 1 % aller Verkehrs- und Arbeitsunfälle ist laut Prof. Rasche unmittelbar durch OSAS bedingt. Eine CPAP-Therapie (kontinuierliche nasale Druckbeatmung) senkt das Unfallrisiko signifikant. Früherkennung und adäquate Therapie könnten in Deutschland rund 10 000 Arbeits- und Verkehrsunfälle pro Jahr verhindern und Kosten in Milliardenhöhe vermeiden.
Wichtig ist, das Syndrom frühzeitig zu erkennen, und auch tagsüber zu dokumentieren, wie groß die Einschlafneigung des Patienten ist, so der Referent. Dazu gibt es Tests, die eine Beurteilung der Aufmerksamkeitskomponenten erlauben, die für den Straßenverkehr wichtig sind, z.B. Reaktionszeit- und Vigilanzmessung und Erfassung der geteilten Aufmerksamkeit. Mit Fahrsimulatoren schließlich lässt sich ziemlich genau abschätzen, wie groß das individuelle Unfallrisiko vor und nach CPAP-Behandlung ist.




