Sonntag, 21. September 2014

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03.11.2009
Von: fg
Artikel Nummer: 14818
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In der first-line werden hohe Remissionsraten und ein langes progressionsfreies Überleben erreicht

Mehr als 70 % aller Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) sind über 65 Jahre alt. Weil das Alter in der Regel auch mit dem Ausmaß der Komorbidität korreliert, ist es nur vernünftig, „altmodische“, aber besser verträgliche Monochemotherapien genauer zu betrachten. In einer von Deutschland aus initiierten Phase-III-Studie wurde Bendamustin randomisiert gegen das alte Chlorambucil getestet.


Seine Wirksamkeit hatte Bendamustin bereits in einer Studie zur Second-line-Therapie gezeigt. Bei den Gesamt- ebenso wie bei den Komplettremissionsraten war ein Trend zugunsten von Bendamustin zu sehen. Auch beim progressionsfreien Überleben deutete sich ein Vorteil an, der aber keine statistische Signifikanz erreichte. Auf jeden Fall, erklärt Professor Dr. Wolfgang Knauf, Frankfurt, ist Bendamustin in diesem Second-line-Setting mindestens so wirksam wie Fludarabin.

Rund die Hälfte litt an einer aktiven Erkrankung

In der Zulassungsstudie, geleitet von Prof. Knauf, wurde Bendamustin in der First-line-Therapie (100 mg/m2 und Tag an zwei Tagen alle vier Wochen für maximal sechs Zyklen) randomisiert mit Chlorambucil verglichen, das bei älteren Patienten mit CLL nach wie vor ein Standardtherapeutikum ist. Chlorambucil wurde mit 0,8 mg/kg alle zwei Wochen dosiert. Rund die Hälfte der insgesamt 319 Patienten hatte B-Symptome und erhöhte LDH-Titer, litten also an einer aktiven Erkrankung.

Die Ansprechrate unter Bendamustin lag mit 68 % mehr als doppelt so hoch wie unter Chlorambucil (31 %, p < 0,0001). Ein dramatischer Unterschied war vor allem bei den Komplettremissionen zu sehen (Bendamustin 31 %, Chlorambucil 2 %), partielle Remissionen waren gleichmäßig über die beiden Therapiearme verteilt.

Entscheidend ist, eine gute Remission zu erzielen

Patienten in den Binet-Stadien B und C profitierten gleichermaßen von Bendamustin, Letztere besonders stark mit einem Ansteigen der Remissionsrate von 22 % auf 61 %. Das galt auch für Komplettremissionen, die in dieser Subgruppe von 0 % auf knapp 20 % anstiegen. Nur drei Patienten im Binet-Stadium C zeigten unter Bendamustin eine Progression der Erkrankung, verglichen mit 34,8 % unter Chlorambucil.

Nach median 35 Monaten Nachbeobachtungszeit hatte sich das mediane progressionsfreie Überleben um weit mehr als das Doppelte verlängert: Chlorambucil 8,3 Monate, Bendamustin 21,6 Monate; p < 0,0001. Ähnliches gilt für die Dauer des Ansprechens: 8,0 vs. 21,8 Monate, p < 0,0001.

Patienten, die unter Bendamustin eine komplette Remission erzielten, hatten bei der Remissionsdauer einen deutlichen Vorteil gegenüber denjenigen, die nur partiell angesprochen hatten (29,3 vs. 12,4 Monate). Das Binet-Stadium hingegen spielt hier keine Rolle: Entscheidend ist offenbar, schreiben Prof. Knauf et al., eine möglichst gute Remission zu erzielen – und dabei ist es egal, von welchem Stadium man startet.

Die Haupttoxizität von Bendamustin ist hämatologischer Natur, aber Infektionen vom Schweregrad 3 traten nur bei 7 % dieser Patienten auf, Infektionen vom Schweregrad 4 überhaupt nicht. Es wurden zwei Fälle von Tumorlysesyndrom unter Bendamustin registriert, beide bei Patienten mit hoher Tumorlast, doch beide Patienten haben sich gut erholt und erzielten komplette Remissionen.

Aufgrund dieser Ergebnisse erhielt Bendamustin im März 2008 die formelle Zulassung in den USA durch die Food and Drug Administration; die europäische Zulassung wird noch für dieses Jahr erwartet. Mittlerweile ist Bendamustin in neue klinische Studien inkorporiert worden: Insbesondere hat die Deutsche CLL-Studiengruppe die CLL10-Studie begonnen, in der Bendamustin in Kombination mit Rituximab gegen den gerade eben erst etablierten Standard aus Fludarabin/Cyclophosphamid/Rituximab in der First-line-Therapie bei CLL-Patienten getestet werden soll.

Quelle: Knauf WU et al., J Clin Oncol 2009; 27: 4378–84

 

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