Mittwoch, 27. Juli 2016

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18.10.2004
Von: eno
Artikel Nummer: 2248
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Warnen Sie vor Krebs-Webseiten!

Krebs-Patienten, denen ihr verbleibendes Leben wie im Zeitraffer erscheint, setzen auf jede Hoffnung, die sich bietet. So haben Webseiten mit Therapietipps hohe Anziehungskraft.


Von den geschätzten 600 Millionen Internetnutzern weltweit beziehen etwa 55 % medizinische Informationen aus dem Netz. Dies veranlasste Experten für Komplementärmedizin 32 der meist besuchten, englischsprachigen Webseiten zu alternativen Krebsbehandlungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Nur zwei der untersuchten Seiten boten hervorragende Informationen*, etwa 10 % gaben den Patienten nicht nur falsche, sondern gefährliche Ratschläge. 3 % riefen sogar dazu auf, nicht auf die behandelnden Kliniker zu hören, so das Fazit. Mit Hilfe der meisten Tipps (118) sollte sich Krebs heilen lassen, 88 bezogen sich auf palliative Maßnahmen und 59 auf Prävention.

 

Unter den kurativen "alternativen Top 5" lagen Coenzym Q10 und Haifischknorpel-Extrakt ganz vorn. Für beide Therapiestrategien gibt es bislang keine wissenschaftliche Grundlage, so die Autoren der Studie Professor Dr. Edzard Ernst, Komplementärmediziner an der Peninsula Medical School der Universität Exeter und Dr. Katja Schmidt. Die empfohlenen Behandlungen mit Laetrile (Vitamin B17), in Aprikosen-, Mandel- oder Kirschkernen enthalten, seien wegen des toxischen Inhaltsstoffs Amygdalin keinesfalls ungefährlich. Und auch für die so genannte Gerson-Diät (Rohkost mit Kaffee-Rizinus-Einläufen) und Mistelpräparate ließen sich keine Studien finden, die den kurativen Effekt beweisen, schreiben die Forscher in der Zeitschrift "Annals of Oncology".

Rhizinus-Einlauf soll Karzinom heilen

Um Karzinomen vorzubeugen, werden vorrangig Vitamin C und E, Lycopin, Betacarotin sowie Omega-3-Fettsäuren empfohlen. Auch hierzu stehen den Autoren zufolge fundierte Nachweise noch aus. Dagegen beurteilten die Experten Palliativ-Tipps der Web-Ratgeber wie Massage, Akupunktur/-pressur und Meditation positiv; diese Maßnahmen helfen, Angst, Stress und Schmerz einzudämmen und können Chemo-Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen mindern. Die Forscher mahnen dringend, Krebspatienten vor evtl. folgenschweren Fehlinformationen zu schützen.

 

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