Freitag, 19. September 2014

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27.02.2009
Von: abr
Artikel Nummer: 13512
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Strom auf die Zunge fürs Gleichgewicht

Akute Störungen des Vestibularsystems werden meist zentral ausgeglichen und klingen nach kurzer Zeit wieder ab. Dauert der Schwindel an, können neue Rehatechniken die Patienten wieder auf die Gerade zurückbringen.



Das vestibuläre System besteht aus drei Teilen: Rezeptorfelder nehmen Reize auf und leiten sie weiter, der vestibulookulare Part ermög­licht die visuelle Kontrolle über den Raum, und die vestibulospinale Kom­ponente vermittelt Informationen über Glieder und Muskeln und kontrolliert die Motorik. Bei einer akuten Störung geraten die Teilbereiche aus dem Gleichgewicht und es resultiert eine Seitendifferenz, schreiben Dr. Dietmar Basta und Kollege von der Hals-Nasen-Ohren-Klinik im Unfallkrankenhaus Berlin in der Zeitschrift „HNO“. Die Folge ist eine deutliche klinische Symptomatik, die oft von vegetativen Zeichen begleitet wird, aber meist rasch wieder abklingt.


Nur selten wird ein chronischer Schwindel daraus. Mögliche Gründe sind Unfallschäden, Otolithenfunktionsstörungen, Alterungsprozesse oder eine Tumorexstirpation. Ziel der Behandlung ist es, ein neues Gleichgewicht herzustellen (vestibuläre Kompensation). Diese gelingt mit Medikamenten und Physiotherapie nicht immer. Deshalb wurden in den letzten Jahren Neurofeedbackverfahren entwickelt, die den Betroffenen Abweichungen aus der Normalstellung signalisieren.


Dafür gibt es mehrere Formen. Bei der galvanischen Variante wird ein leichter Strom auf die Zunge des Patienten gesendet. Dieser erzeugt ein Kribbeln in der Richtung, in die der Patient schwankt. Das Training eignet sich nur für Stehübungen und kommt vor allem bei komplexen Gleichgewichtsstörungen, z.B. nach einem Schlaganfall, zum Einsatz.


Ambulantes Training mit Vibrationsgürtel


Beim auditorischen Training messen Gyrometer die Körperschwankung. Werden bestimmte Schwellen überschritten, ertönt ein Signal. Dieses System hat sich v.a. bei bilateralen Otolithenfunktionsstörungen bewährt, bei denen konventionelle Methoden nur wenig Erfolg zeigen. Während nach herkömmlichem Training nur etwa ein Drittel der Betroffenen eine leichte Besserung angibt, gelingt es mit dem auditorischen System, nach zwei Wochen (täglich je 5 Übungen) auch ohne Feedback bei 85 % die Körperschwankung signifikant zu verringern. Ganz neu ist eine vibrotaktile Version, die am Gürtel getragen werden kann und somit ein ambulantes Training ermöglicht.

Dietmar Basta et al., HNO 2008; 56: 990 – 995

 

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