Freitag, 29. Mai 2015

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11.05.2009
Von: CV
Artikel Nummer: 13954
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Viele Betroffene klagen gleichzeitig über Schlafstörungen

Bei depressiven Patienten ist die endogene Rhythmik des Körpers gestört. Diese Erkenntnis sollte auch Auswirkungen auf die Behandlung haben, so Professor Dr. Göran Hajak, Regensburg.


Rhythmen bestimmen unser Leben: Sie steuern die Atmung, die Hormonausschüttung, unsere Körpertemperatur und unsere Schlaf- und Wachzeiten. Geraten die Rhythmen aus dem Takt, leidet auch die Psyche. „Depressionen können als Erkrankung der endogenen Rhythmik aufgefasst werden“, betont Prof. Hajak.

Heißhunger auf Süßigkeiten

Am besten zeigen das die jahreszeitlichen Schwankungen. So geben viele Menschen in den Wintermonaten ein Tief ihrer Stimmung an und das Befinden bessert sich deutlich, sobald das Frühjahr einsetzt. Diese „zirka-annuale“ Befindlichkeitsschwankung kann sich bis hin zur sogenannten Winterdepression steigern, was nach Prof. Hajak Auswirkungen auf die Therapiemöglichkeiten hat. Denn in den Wintermonaten fehlt dem Menschen oft ein wichtiger Taktgeber: das Sonnenlicht. Die saisonale Depression kann daher gut durch eine Lichttherapie gebessert werden, wobei 1000 bis 2000 Lux für eine Stunde pro Tag bereits ausreichend sind.

Üblicherweise kündigt sich die Winterdepression mit einem vermehrten Hunger auf Süßigkeiten an: Denn Glukose öffnet die Blut-Hirn-Schranke für neutrale Aminosäuren wie das Tryptophan. Dieses gelangt rascher ins Gehirn, wo es zum „Glückshormon“ Serotonin umgewandelt wird. Das erklärt nach Prof. Hajak, warum viele Menschen einen regelrechten Heißhunger auf Süßigkeiten bekommen, wenn sie sich psychisch nicht wohlfühlen. „Die serotonerge Stimulation wirkt regelrecht antidepressiv“, sagt der Psychiater.

Dass es sich bei Depressionen um eine Art Rhythmusstörung handelt, zeigt laut Prof. Hajak auch die Tatsache, dass viele Patienten gleichzeitig über Schlafstörungen klagen, dass sie ein affektives Morgentief angeben und sich die Stimmung oft über den Tag hinweg bessert. Untersucht man depressive Menschen per 24-Stunden-Aktigraphie, ist klar erkennbar, dass die normale Rhythmik der Aktivität aufgehoben ist: „Die zirkadianen Rhythmen sind verflacht und phasenverschoben“, erklärt der Experte.

Ziel: Rebalancierung der gestörten Regelkreise

Ziel der Therapie sollte entsprechend eine Rebalancierung der gestörten Regelkreise sein. Möglich ist dies durch eine Wirkung auf die Melatoninrezeptoren (M1 und M2). Seit dem vergangenen Jahr steht ein retardiertes Melatonin-Präparat zur Verfügung, das als Schlafmittel für Menschen ab dem 55. Lebensjahr zugelassen ist. Die Substanz wirkt direkt auf die M1- und M2-Rezeptoren, bessert die Schlafqualität und normalisiert die chronobiotischen Signale, berichtet Prof. Hajak.

Zugelassen wurde kürzlich außerdem der Wirkstoff Agomelatin – allerdings nicht als Hypnotikum, sondern als Antidepressivum. Die Substanz greift zwar auch an den Melatonin1- und Melatonin2-Rezeptoren an und wirkt damit regulierend auf die innere Uhr, sie fungiert aber gleichzeitig auch als 5 HT2C-Antagonist und entfaltet damit eine deutliche antidepressive Wirksamkeit. Aufgrund seines Wirkmechanismus bessert Agomelatin nach Prof. Hajak auch das Schlafverhalten: „Der Wirkstoff macht nicht einfach müde, sondern bessert die Schlafqualität.“
Er wirkt darüber hinaus der die Depression verursachenden Rhythmusstörung entgegen. Prof. Hajak: „Das ist ein interessanter neuer Behandlungsansatz.“

 

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