Dienstag, 30. September 2014

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01.06.2000
Artikel Nummer: 5541
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Mit Panthenol billiger?

Frage von Dr. Walter Bachmann,
Facharzt für Innere Medizin,
Neunkirchen:

Im Kontext zu Ihrem Beitrag "Hautkrebs-Screening - Creme gibt Alarm", MT 6/00, S. 15, möchte ich eine eigene Beobachtung nicht unerwähnt lassen: Wurde ein histologisch gesichertes superfizielles Basaliom mit einer Panthenolsalbe behandelt, so zeigte sich statt des erwarteten "Heileffektes" eine akut-subakute Entzündungsreaktion. Wurden ähnliche Beobachtungen vielleicht auch bei anderen Hauttumoren gemacht, und könnte man Panthenolzubereitungen vielleicht als (preiswerte) Diagnostika einsetzen?


Antwort von Professor Dr. H. Meffert,
Abteilung Photodermatologie,
Dermatologische Klinik,
Universitätsklinikum Charité, Berlin:

Medical Tribune berichtete über Untersuchungen schottischer Wissenschaftler. Diese hatten eine spezielle Kamera entwickelt und konnten damit Hautkrebs mit einem Durchmesser von mehr als einem Millimeter mittels Farbmessung lokalisieren.

Die den Krebs anzeigende Färbung entsteht im Verlauf einer Prozedur, die unter der Bezeichnung Photodynamische Diagnostik (PDD) seit Jahren von Hautärzten praktiziert wird. Dazu wird zunächst eine 5-Aminolävulinsäure (ALA) enthaltende Salbe auf die Haut gebracht. ALA stimuliert die Synthese des Photosensibilisators Protoporphyrin IX in Krebszellen wesentlich stärker als in gesunden Zellen.

Deshalb fluoresziert bei Beleuchtung mit langwelliger UV-Strahlung (UVA, Wellenlänge zwischen 320 und 400 nm) nur der Hautkrebs korallenrot. Diese Färbung ist gegen die gesunde Umgebung scharf abgesetzt. Die korallenrote Fluoreszenz ist mit bloßem Auge erkennbar, aber auch geeignete Kameras sind kommerziell erhältlich.

Die PDD hilft so beispielsweise, ein Basaliom präoperativ besser von der umgebenden, nicht befallenen Haut abzugrenzen. Man kann aber auch nach der PDD größere Mengen kurzwelligen Lichtes applizieren und damit selektiv den Hautkrebs zerstören. Dieses immer beliebter werdende Verfahren wird als Photodynamische Therapie (PDT) bezeichnet.

Kollege Bachmann berichtet nun über den Fall eines histologisch gesicherten superfiziellen Basalioms, das mit einer Panthenolsalbe behandelt worden war. Statt des erwarteten "Heileffektes" zeigte sich eine akut-subakute Entzündungsreaktion. Diese Entzündung könnte Folge mechanischer Irritation oder Ausdruck eines Kontaktekzems gewesen sein.

Letzteres wurde nach Panthenol-Anwendung beschrieben. Rötungen anderer Hauttumoren nach Auftragen von Panthenol wurden in der Literatur nicht gefunden. Panthenol ist kein Photosensibilisator und damit auch kein Kandidat für PDD.

Resümee: Panthenol ist nicht zur Früherkennung von Hautkrebs geeignet. Die im Rahmen einer Basaliomtherapie beobachtete Entzündungsreaktion könnte auf eine Irritation oder ein Kontaktekzem zurückzuführen sein.

 

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