Donnerstag, 18. Dezember 2014

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01.02.1992
Artikel Nummer: 5877
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Was ist davon zu halten?

Frage von Dr. Johannes Klein
Allgemeinarzt
Karlsruhe:

Was ist von sogenannten Eigenblutinjektionen zur Therapie von Heuschnupfen und Asthma bronchiale zu halten?


Antwort von Dr. B. Ostermayr
Chefarzt am Krankenhaus für Naturheilweisen
München:

Die Eigenbluttherapie ist ein bewährtes Verfahren der empirischen Medizin. Es handelt sich um eine unspezifische Reizkörperbehandlung, deren Ursprünge bis ins vorige Jahrhundert zurückreichen. Zu den Befürwortern der Eigenbluttherapie gehörte unter anderen auch der Chirurg August Bier, der ab ca. 1905 die lokale Injektion von Eigenblut zur Förderung der Frakturheilung propagierte. F. Hoff konnte aufgrund seiner Untersuchungen und Beobachtungen zeigen, daß es im Rahmen einer Reizkörpertherapie zu einer vegetativen Gesamt-umschaltung kommt, die mit einer Resistenzsteigerung des Gesamtorganismus verbunden ist.

Die Indikationsliste für die Eigenbluttherapie ist relativ umfangreich und umfaßt allergische Erkrankungen (zum Beispiel Heuschnupfen, Asthma bronchiale, Neurodermitis), Pyodermien, Psoriasis, akute und chronische Infekte, Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises etc. Bei der allergischen Diathese (Asthma bronchiale, Heuschnupfen) und bei der chronischen Infektneigung empfehlen sich längerfristige Behandlungen, wobei man in 14tägigen Abständen 1 bis 5 ml Eigenblut etwa acht- bis zehnmal intramuskulär verabreicht. Anschließend kann man je nach Krankheitsverlauf die Abstände auf 3 bis 4 Wochen verlängern. Zur Vermeidung von Unverträglichkeiten empfehlen manche Autoren, bei der ersten Injektion nur 0,1 bis 0,5 ml Eigenblut zu injizieren. Nebenwirkungen scheinen bei diesem Vorgehen höchst selten zu sein, ich selbst habe bei mehreren tausend Injektionen niemals eine Komplikation erlebt.

Da es sich bei der Eigenblutinjektion um eine Reiztherapie handelt, bei der auch die Reaktionsfähigkeit des Organismus eine Rolle spielt, kann ein Behandlungsschema nur mit Vorbehalt gegeben werden, vielmehr sind Dosis und Intervall auf die Reaktionslage des Patienten abzustimmen. Besonders nützlich hat sich mir bei der Behandlung von rezidivierenden Infekten die zusätzliche Verabreichung von phytotherapeutischen und homöopathischen Präparaten (zum Beispiel Echinacin, Thuja, Baptisia, potenzierte Schlangengifte usw.) erwiesen, die dann in Form einer Mischinjektion zur Anwendung kommen können. Durch die Applikation solcher Paraimmunitätsinducer können die Reaktionen der unspezifischen Abwehr angeregt und die Aktivität des geschwächten Immunsystems angehoben werden.

Eine Sonderform der Eigenbluttherapie stellt die orale Verabreichung von potenziertem Eigenblut (sogenannte "Eigenblutnosode") dar. Bei dieser Methode wird das Blut des Patienten nach homöopathischen Gesichtspunkten bis etwa zu C7 potenziert und dann oral verabreicht (zur Technik der Herstellung siehe H. Imhäuser und H. Hoff). Die wichtigsten Indikationen dieses Verfahrens, das sich vor allem in der kinderärztlichen Praxis durchgesetzt hat, sind ebenfalls rezidivierende Infekte und allergische Erkrankungen.

2. Antwort von:
Dr. Hans Rebmann
Universitäts-Kinderklinik
Tübingen:

Was ist davon zu halten? - Mit einem Wort: Nichts! - Es gibt keinerlei stichhaltige Studien, die eine spezifische Wirksamkeit dieser Maßnahme belegen. Bei der Beurteilung von "Erfolgen" aus dem sogenannten "Erfahrungsbereich" ist immer zu bedenken, daß bei solch komplexen Erkrankungen wie der Atopie jegliche Intervention zunächst ca. 30 % Plazeboeffekt erzielt.

 

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