Mittwoch, 02. September 2015

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21.09.2000
Artikel Nummer: 6048
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Welche Knochennahrung braucht der Mann?

Frage von Dr. Georg Schwindl,
Allgemeinarzt,
Oberviechtach:

Mein 60-jähriger Patient wird seit 1978 wegen eines M. Bechterew mit NSAR behandelt. Die Therapie ist suffizient, der Patient hat sich eine ausreichende Mobilität und Beweglichkeit erhalten. Seit 1995 ist eine Osteoporose bekannt, die bis 1998 regelmäßig mit Fluor, Kalzium und Calcitonin behandelt wurde. 1999 kam es zu einer Trümmerfraktur des Unterschenkels mit stark verzögerter Frakturheilung. Steht diese verzögerte Heilung mit der Osteoporose in Zusammenhang? Ist die Kombination Osteoporose/M. Bechterew häufig? Könnte der Patient bei dieser Form der Osteoporose von Bisphosphonaten profitieren, und könnte damit auch Spontanfrakturen ausreichend vorgebeugt werden?


Antwort von Professor Dr. Helmut W. Minne,
Institut für klinische Osteologie, Klinik "Der Fürstenhof",
Bad Pyrmont:

Chronisch entzündliche Krankheiten gehören zu den Risikofaktoren für die Entstehung einer Osteoporose. Es ist durchaus vorstellbar, dass auch ein Morbus Bechterew dem Kreis der chronischen Krankheiten zuzurechnen ist, die den Knochenstoffwechsel ganz allgemein beeinträchtigen.

Experimentell hat sich zeigen lassen, dass aus Bandgewebe von Bechterew-Patienten Zellen gewonnen werden können, die in der Kultur wie Osteoblasten aktiv sind. Die sog. Bandverkalkung bei Morbus Bechterew entspricht also, und dies wurde durch diese Experimente bestätigt, einer Bandverknöcherung. Diese Verknöcherungen könnten durch fluoridhaltige Medikamente, die ja die Rekrutierung und Aktivität der Osteoblasten fördern, verstärkt werden. Eine Fluoridtherapie halte ich deshalb bei Behandlung einer Osteoporose, die bei Morbus Bechterew auftritt, für kontraindiziert. Hier ist jedoch darauf zu verweisen, dass die zitierte Arbeit aus der Grundlagenforschung erst kürzlich veröffentlich wurde, diese Zusammenhänge also 1995 bis 1998 nicht allgemein bekannt sein konnten. Es ist immer wieder diskutiert worden, ob die Frakturheilung bei Patienten mit Osteoporose ganz allgemein verzögert ist. Durch epidemiologische Untersuchungen konnte dies bis heute nicht bewiesen werden, auch wenn es denkbar erscheint. Vorstellbar ist jedoch, dass Implantate bei Patienten mit Osteoporose nicht in der gewünschten Weise mit Knochengewebe harmonisieren. Hierfür spricht, dass Bisphosphonate in einzelnen Studien positive Effekte beim Einheilen von Implantaten gezeigt haben.

Das Bisphosphonat Fosamax® ist inzwischen im Rahmen einer prospektiven, randomisierten, kontrollierten Doppelblindstudie beim Mann auf seine Wirksamkeit überprüft worden. Ein therapiebedingter Zuwachs des Knochenmineralgehaltes wurde bewiesen, außerdem eine Reduktion des Risikos sog. "morphometrischer" Frakturen (durch Wirbelhöhenvermessung am Röntgenbild identifizierbare frakturbedingte Wirbelkörperdeformierungen). Darüber hinaus ist tierexperimentell gezeigt worden, dass die Behandlung mit Fosamax® keine Verzögerung einer Frakturheilung zur Folge hat. Aus diesem Grund glaube ich, dass bei dem 60-jährigen Patienten die Indikation zur Therapie mit Fosamax® gestellt werden kann. Eine Osteoporose bei Patienten mit Morbus Bechterew sollte nicht mit Fluoriden behandelt werden, da dies die Verknöcherung der Bänder womöglich weiter fördert. Eine Therapie mit Bisphosphonaten erscheint dagegen sinnvoll.

 

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