Freitag, 22. August 2014

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25.01.2001
Artikel Nummer: 6049
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Was bremst die Flecken?

Frage von Dr. Helmut Kapp,
Facharzt für Allgemeinmedizin,
Oberndorf:

Eine 59-jährige Patientin von mir leidet an Parapsoriasis en plaques. Die Therapie mit Triamcinolon lokal sowie 311-nm-Ganzkörperbestrahlungen konnten die Beschwerden nicht wesentlich lindern. Gibt es neuere Therapieansätze?


Antwort von Dr. Daniela Greiner,
Prof. Dr. Roland Kaufmann,
Zentrum für Dermatologie und Venerologie,
Universitätsklinik Frankfurt:

Die Parapsoriasis en plaques ist eine chronisch-entzündliche Dermatose und wird in einen kleinherdigen benignen Typ und einen großherdigen entzündlichen Typ unterteilt.

Bei der kleinherdig benignen Form kommt es chronisch zu ovalen, teils fingerförmigen Erythemen besonders an den seitlichen Partien des Stammes. Der großherdige entzündliche Typ ist durch deutlich erythematös infiltrierte und pityriasiform schuppende Plaques charakterisiert. Er entspricht gewöhnlich einem Prämykosid mit späterem Übergang in eine Mykosis fungoides, also einem kutanen T-Zell-Lymphom. Abzugrenzen sind allerdings gleichartige Medikamentenreaktionen, z.B. durch Hydantoinderivate.

Im Falle einer Parapsoriasis vom großherdigen Typ sind daher in regelmäßigen Abständen, besonders jedoch bei Therapieresistenz, Verlaufsbiopsien indiziert, um den Übergang in eine Mykosis fungoides auszuschließen. Weiterhin kann der molekularbiologische Nachweis eines T-Zell-Rezeptor-Rearrangement als Hinweis auf ein klonales Geschehen den Übergang in ein T-Zell-Lymphom diagnostisch stützen.

Die Parapsoriasis vom kleinherdigen Typ kann mit topischen Steroiden, UV- und PUVA-Bestrahlungen und mit Balneophototherapie behandelt werden. Bei der Parapsoriasis vom großherdigen entzündlichen Typ kommen ebenfalls die topische Steroidapplikation, die Bestrahlung mit UVB 311 nm (teilweise auch kombiniert mit topischem Calcipotriol) sowie die Photochemotherapie (PUVA mit verschiedenen Optionen) in Betracht. Neuerdings wird auch von guten Resultaten nach einer UVA1-Bestrahlung berichtet.

Beim Übergang in eine Frühform der Mykosis fungoides werden Kombinationsbehandlungen mit Photochemotherapie plus Interferon alpha oder Retinoiden erforderlich. Auch die extrakorporale Photophorese kann hier therapeutisch in Betracht gezogen werden. Bei fortgeschritteneren Plaque- und Tumorstadien der Mykosis fungoides sind Maßnahmen wie z.B. die Radiatio, topische N-Lost-Applikation u.a. indiziert. Zytostatika kommen erst in Spätstadien zum Einsatz. Generell sollte man bei der Therapiewahl Zurückhaltung üben, da die Mykosis fungoides zu den niedrig malignen Non-Hodgkin-Lymphomen zählt und häufig eine Therapie über Jahrzehnte hinweg notwendig ist.

Im vorliegenden Fall wäre es ratsam, erneut Hautbiopsien und ggf. molekularbiologische Untersuchungen zu veranlassen, um eine Transformation in eine Mykosis fungoides auszuschließen und das Behandlungsregime zu adaptieren, beispielsweise durch den zusätzlichen Einsatz von Interferon.

 

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