Samstag, 01. Oktober 2016

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Wie gefährlich sind UV-Tattoos?

UV-Tattoo: Ein Trend mit unangenehmen Folgen.

11.08.2012
Von: Dr. Anja Braunwarth, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 19724
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Wie gefährlich sind UV-Tattoos?

Mit Tätowierung im Kundenverkehr arbeiten – 
in vielen Berufen ein Ding der Unmöglichkeit. Bieten UV-Tattoos einen Ausweg?


Der Markt mit UV-fluoreszierenden Tattoos boomt. Sie werden nur im Schwarzlicht sichtbar, z.B. in der Disco, sind also scheinbar ideal für Menschen, die im Alltag keine Tätowierung zeigen dürfen oder wollen.

UV-Tattoo: Juckreiz und Entzündung

Wie sieht es aber mit der gesundheitlichen Gefährdung aus? Professor Dr. Christiane Bayerl von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden präsentierte dazu auf dem 6. Allgemeinmedizin-Update-Seminar ein Fallbeispiel. Ein 25-Jähriger hatte sich fünf Jahre zuvor ein UV-Tattoo am Hals stechen lassen. Jetzt zeigte sich die Stelle entzündlich gerötet und juckte auch bei Tageslicht.


Die Epikutantestung auf Standardsubstanzen, Acrylate und die Originalfarbe war unauffällig. Und auch die Bestimmung von antinukleären Antikörpern und „Angiotensin Converting Enzyme“ zeigte keine Auffälligkeiten. Histologisch fanden sich Granulome und fluoreszierende Partikel in Histiozyten und Riesenzellen. Zunächst erfolgte bei dem jungen Mann eine topische Behandlung mit Steroiden.

UV-Tattoos eigentlich für Tiere? 

Nach vier Wochen bekam er jedoch Fieber und Gelenkschmerzen. Daraufhin behandelte man ihn mit Hydroxychloroquin und unterspritzte die Herde mit Steroiden. Darunter verschwand auch die UV-Fluoreszenz. Das Tattoo bestand aus Polymethacrylaten (PMMA) und mit Farbe gefüllten Mikrosphären.


Fluoreszierende Tattoos werden eigentlich zur Markierung von Tieren, z.B. Vögeln, verwendet. Auch zugelassene acrylathaltige Filler zur Faltenunterspritzung enthalten derartige Partikel (allerdings größere). Nach deren Gebrauch wurden jedoch verzögerte allergische Reaktionen und eine Granulombildung beschrieben.

Epikutantest hilft meist nicht weiter bei Reaktionen auf UV-Tattoos

Für UV-Tattoos verwendet man kleinere PMMA-haltige Mikrosphären. Sie – oder die fluoreszierende Farbe selbst – könnten als Allergen fungieren. Eine Epikutantestung wird in diesen Fällen zwar empfohlen, fällt aber bei granulomatösen Reaktionen meist negativ aus. Therapeutisch steht im Vordergrund, die Entzündungen mit topischen und systemischen Mitteln zu lindern.

Bei strontiumhaltigen Farben muss exzidiert werden!

Eine Entfernung der Kunstwerke mit dem Laser ist mangels farbhaltiger Zielstrukturen nicht möglich. Wenn die Tätowierer strontiumhaltige fluoreszierende Mischungen zum Stechen verwendet haben, ist ggf. sogar eine Exzision erforderlich. Laut Prof. Bayerl dürfte mit dem wachsenden Boom der UV-Tattoos also noch einiges auf Dermatologen zukommen. Zudem warnte sie schon vor dem nächsten Trend: aufklebbare Lippen-Tattoos, die z.B. in Parfümerien erhältlich sind. Welche Reaktionen sie auslösen könnten, ist noch nicht absehbar.

 

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