Montag, 30. Mai 2016

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15.09.2003
Von: Rd
Artikel Nummer: 4466
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Wie Porno-Konsum Männer und Frauen verändert

Pornos zeigen nicht nur Sex. Sie vermitteln auch eine verzerrte Realität. Und das hat Konsequenzen: Pornogucker verändern ihre Lebenseinstellung!


Grob reißerische Darstellung von Sex, die dazu dient, beim Zuschauer den Trieb zu fördern - so lautet eine allgemeine Definition von Pornos. Doch was für ein Weltbild vermitteln diese Sexfilme? Wie unterscheidet sich Hardcore von Softsex, und welche Auswirkungen auf den Zuschauer sind zu erwarten? "Zu diesen Fragen haben wir eine vergleichende Inhaltsanalyse durchgeführt", berichtete Professor Dr. Hans-Bernd Brosius vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Universität München auf der Tagung "Sexualität und Neue Medien".

Pornos und Softsex für Forscher

Seine Arbeitsgruppe schaute sich - unter rein wissenschaftlichen Aspekten, versteht sich - 92 Pornos xe0 81 Minuten und 69 Softsexfilme xe0 87 Minuten an. Das Ergebnis: Sowohl die "richtigen" Pornos als auch die Softsexfilme zeigten im Schnitt ca. zehn Sexszenen. Diese erstreckten sich bei den Pornos über 74 %, bei Softsex auf etwa die Hälfte der Sendezeit.

 

 

"Wahre Liebe" war höchstens bei jedem zehnten Pornopaar und nur bei 3 % der Softsexpaare Grund für die Auswahl des Partners. In 70 % bis 80 % der Fälle wurden die "Nummern" dagegen nur aus Spaß geschoben, und zwar mit guten Bekannten, Arbeitskollegen oder Zufallsbekanntschaften. Der/die eigene Ehegatte(in) oder Lebenspartner(in) kam nur in 10 % bzw. 24 % der Fälle für das Techtelmechtel in Frage.

 

 

Auch ein privates Ambiente scheint für den Intimkontakt weder nötig noch gewünscht: Bevorzugt wurden öffentliche Orte wie z.B. das Wartezimmer eines Arztes, Tiefgaragen oder Parks. Einen Sexpartner zu finden - kein Problem: Einfach jemanden ansprechen, das klappt schon.

 

Stellen Sie sich vor, Sie fragen tatsächlich einen wildfremden Menschen auf der Straße: "Willst du mit mir ...?" Wer mit solchen Fantasien durch die reale Welt schwebt, erntet schon an der nächsten Straßenecke schwere Frustrationen, so Prof. Brosius. Aber auch ohne ein solches Extremverhalten ist der Einfluss von Pornos auf die allgemeine Lebenseinstellung nicht unerheblich.

Eigener Partner wird unattraktiv

Dies zeigt eine amerikanische Studie an Frauen und Männern, in der sich die eine Teilnehmer-Gruppe fünf Tage hintereinander jeweils einen Porno der Wahl, die andere dagegen einen "normalen" Spielfilm reinzog. Diejenigen, die Pornos gesehen hatten, überschätzten anschließend die Variationsbreite von Sex in der Bevölkerung erheblich, berichtete Prof. Brosius. Sie fanden den eigenen Partner weniger attraktiv, den eigenen Sex weniger gut und wollten weniger Kinder, vor allem keine Mädchen.

 

Ganz offensichtlich kam es auch zu einer Gewöhnung bzw. Verrohung der Filmgucker. Als man ihnen nach der Befragung freistellte, welche Filme sie nun ansehen wollten, entschied sich die Spielfilmgruppe für die Soft-Pornos. Die ehemalige Pornogruppe griff dagegen zur Hardcore-Ware bzw. wollte auch Sex mit Tieren oder Gewalt sehen.

Mehr Verständnis für Vergewaltiger

Und auf die Frage "Wie hart sollte ein vermeintlicher Vergewaltiger bestraft werden?" tendierten die Pornogucker zu wesentlich milderen Strafen als die Spielfilmgruppe.

 

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