Montag, 30. März 2015

Praxis und Geld

Wann ist Umsatzsteuer für den IGeL fällig?

Wann ist Umsatzsteuer für den IGeL fällig?

05.05.2011
Von: Anouschka Wasner
Artikel Nummer: 17491
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Ist mein IGeL umsatzsteuerpflichtig oder nicht?

Umsatzsteuer für Selbstzahlerleistungen? Das ist keine Nebensache – spätestens bei der Betriebsprüfung fleißiger IGeL-Praxen kann ein allzu lockerer Umgang damit ganz schön ins Auge gehen.


Was die Umsatzsteuer betrifft, gilt ein Niedergelassener grundsätzlich erstmal als Unternehmer, und ist damit umsatzsteuerpflichtig.

 

Gleichzeitig befreit das Umsatzsteuergesetz jedoch ärztliche „Heilbehandlungen“ von der Umsatzsteuerpflicht. Nach Auffassung der Finanzverwaltung fallen unter Heilbehandlungen Tätigkeiten, die zum Zweck der Vorbeugung, Diagnose, Behandlung und der Heilung von Krankheiten oder Gesundheitsstörungen vorgenommen werden. Leider sind diese Begrifflichkeiten sehr unbestimmt.

Welche Leistungen machen umsatzsteuerpflichtig?

Deswegen hat das Bundesfinanzministerium Beispiele zusammengefasst, die zur Umsatzsteuerpflicht führen. Dazu gehören:

  1. Kosmetische Leistungen sowie ästhetisch-plastische Leistungen ohne medizinische Notwendigkeit (z.B. auch Fußpflege)
  2. schriftstellerische, wissenschaftliche, journalistische sowie Vortrags-, Lehr- und Supervisionstätigkeit
  3. Verkauf von Hilfsmitteln (z.B. Kontaktlinsen, Einlagen, Hormonspiralen, Nahrungsergänzungsmittel); Vermietung von medizinischen Großgeräten
  4. Erstellung von Gutachten, die zu einem anderen Zweck als dem Schutz und der Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der menschlichen Gesundheit dienen (z.B. Alkoholgutachten, Zeugnisse, Gutachten für Versicherungen)
  5. Präventionsleistungen ohne unmittelbaren Krankheitsbezug
  6. Durchführung einer zweiten Leichenschau und Ausstellen einer Todesbescheinigung als Genehmigung zur Feuerbestattung

 

Für viele IGeL ist das Thema „Umsatzsteuer ja oder nein“ mit dieser für die Finanzbehörden verbindlichen Erläuterung geklärt. Andere IGeL bewegen sich jedoch in Grenzbereichen. Dann ist ihre Umsatzsteuerpflichtigkeit von den Auslegungen des jeweiligen Amtes abhängig.

 

Schmerztherapeut Klaus Längler aus Erkelenz* warnt deswegen  davor, sich auf die eigene Auslegung der Bestimmungen zu verlassen: „Spätestens bei IGeL-Angeboten wie Botoxbehandlung bei Migräne, Stressbewältigung für Schmerzpatienten oder Raucherentwöhnung bei COPD ist die Einschätzung der Finanzämter, inwieweit es sich dabei um eine Heilbehandlung oder um eine unspezifische Präventionsleistung handelt, nicht vorhersehbar.“

 

Deswegen der Rat des IGeL-Experten: „Lassen Sie es nicht darauf ankommen - wird das Problem erst bei der Betriebsprüfung aufgedeckt, müssen Sie die Umsatzsteuer nachträglich und von Ihrem Gewinn zahlen. Auf der sicheren Seite sind Sie in solchen Fällen manchmal nur, wenn Sie sich beim Finanzamt eine verbindliche Aussage für Ihren konkreten Fall einholen.“

 

Wobei damit allerdings noch nicht „aller Tage Abend“ ist. Denn Umsatzsteuer und Umsatzsteuererklärung werden erst fällig, wenn die jährliche Summe steuerpflichtiger Leistungen die Grenze von 17 500 Euro (Brutto-Umsatz) überschreitet.

Tipp: Checken Sie Ihre Praxiszahlen regelmäßig auf Umsatzsteuerpflicht hin. Überschreiten Sie die magische „Kleinunternehmergrenze“, können Sie sich rechtzeitig auf die Umsatzsteuerpflicht – die erst im darauffolgenden Kalenderjahr zum Tragen kommt - einstellen. Außer Sie überschreiten auch gleich noch die 50 000 Euro-Marke. Ist das absehbar, sollten Sie sich umgehend mit Ihrem Steuerberater kurzschließen.

*auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2011 in Frankfurt

 

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