Sonntag, 29. Mai 2016

Praxis und Geld

Dr. Mossner (links), Ingolf Hintner (links) und Kinderarzt Dr. König (Mitte).

Dr. Mossner (links), Ingolf Hintner (links) und Kinderarzt Dr. König (Mitte).

01.11.2012
Von: Anke Thomas, Foto: privat
Artikel Nummer: 24183
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Der Arzt für die ganze Familie

Impfmanagement für alle und betriebswirtschaftlich interessante Perspektiven: Der Kinderarzt Dr. Bernhard König hat für seine Praxis das familienfreundliche "familycare"-Konzept entwickelt.


Seit 2005 in Berlin niedergelassen, bemerkte Dr. König in seinem Praxisalltag häufig, dass nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern einen Arztbesuch nötig hätten. Auf den Hinweis, doch mal den Hausarzt aufzusuchen, kamen abwehrende Aussagen à la: Ich habe keinen Hausarzt bzw. keine Zeit für einen Arztbesuch. Dass hausärztlicher Versorgungsbedarf in seinem Umfeld in Berlin vorhanden war, stand für Dr. König außer Frage.


Mit dem Versorgungsstrukturgesetz fand der Kinderarzt eine Möglichkeit, die Idee der generationenübergreifenden Betreuung zu verwirklichen: 2009 kaufte er einen Hausarztsitz und konnte die Allgemeinärztin Dr. Andrea Mossner von einer Anstellung in seiner Praxis überzeugen.

 

Gleichzeitig entwickelte Dr. König ein Impfmanagement, das sowohl Kinder als auch die Eltern gleichermaßen berücksichtigt. Bereits bei der U3 werden Eltern auf eventuelle Impflücken von einer MFA angesprochen, die den Arzt anschließend über die Einstellung der Eltern zum Impfen informiert. Während der Untersuchung des Kindes spricht der Arzt dann mit Mutter oder Vater über nötige Schutzimpfungen.

 

Nur etwa 5 % der Erwachsenen, so Dr. Königs Erfahrung, sind echte Impfgegner. Versorgt man sie mit neutralen Informationen (z.B. über ein kleines Infoblatt mit der Internetadresse der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, zum Robert Koch-Institut und zum Bundesverband der Kinder- und Jugendmedizin) und erläutert die aktuellen Stiko-Impfempfehlungen, sind meist schon die unbestimmten Zweifel überwunden.

 

Wichtig ist auch der Hinweis, dass die Impfung der Eltern von der Kasse übernommen wird und keine Praxisgebühr anfällt. Zum nächsten Termin werden die Eltern dann gebeten, ihr Impfbuch mitzubringen. Eine Terminvereinbarung erfolgt sofort.

„Kettentermine“ für Eltern und ihre Kinder

Damit sich die Wartezeiten im Rahmen bewegen, werden „Kettentermine“ vereinbart. Sprich: Das Praxisteam ist so organisiert, dass Prävention, Untersuchungen und Behandlungen von Eltern und Kind nacheinander stattfinden. Kinderarzt- und Allgemeinarztpraxis sind per direktem Durchgang verbunden.

 

Die Impfquoten, die Dr. König realisiert, sind beachtlich: Die Rate gegen Rotaviren bei Säuglingen bis zum achten Lebensmonat lag 2011 beispielsweise bei 76 %.

 

Aber nicht nur das Konzept des Impfmanagements ging auf: Nachdem Dr. König Dr. Mossner hinzugewonnen hatte, wuchs die Praxis schnell und ein zweiter Hausarztsitz stand auf dem Einkaufszettel. Seit Anfang 2012 verstärkt Ingolf Hintner – ebenfalls als angestellter Allgemeinarzt – das Team.

 

Auch hier greift das familycare-Konzept: Hausarzt Hintner steht für die medizinische Versorgung der Großeltern, wobei sich die Hausärzte natürlich gegenseitig vertreten.

 

Mittlerweile haben die Allgemeinärzte zusammen etwa 1700 Scheine, Ziel ist mindestens das Erreichen des Fachgruppendurchschnitts. Glücklicherweise, sagt Dr. König, konnten vor Kurzem weitere Praxisräume nebenan übernommen werden, sodass dem Ärzte- und Praxisteam nun etwa 450 qm zur Verfügung stehen. Schließlich hat Dr. König rund 1500 eigene Scheine zu verzeichnen; eine Weiterbildungsassistentin unterstützt ihn bei dieser Arbeit.

Moderne Technik für entspanntes Arbeiten

Trotz der vielen Menschen, die täglich die Praxen besuchen, läuft die Arbeit doch entspannt und ruhig ab. Das Ziel: Wartezeiten bei Akutpatienten sollen unter einer Stunde bleiben, bei Terminpatienten deutlich darunter.

 

Das schaffen wir im Großen und Ganzen, sagt Dr. König. Das liegt auch daran, erklärt der Päd­iater, dass viel in moderne Technik (z. B. papierlose Praxis) und Ausstattung (viele Räume) investiert wurde. Es gibt Wartebereiche (mit Spielbereichen) für Familien mit Babys unter einem Jahr, für akut erkrankte Kinder, ein Stillzimmer, ein Wartezimmer für Erwachsene und viele Behandlungsräume.

 

Wichtig ist dem Kinderarzt die freundliche Atmosphäre und kindgerechte Kommunikation in der Praxis, die zum Markenzeichen gehören.

Lieber schnell wachsen als schrumpfen

Von Anfang an engagierte Dr. König auch einen betriebswirtschaftlichen Berater, der ihn in regelmäßigen Abständen zur Seite steht und mit ihm Neuerungen, Investitionen etc. durchspricht. Das Prinzip der Delegation hält Dr. König strikt durch: Alle Arbeiten, die delegiert werden können, werden delegiert.

 

Das gilt im Übrigen nicht nur für die Ärzte, auch die MFAs werden soweit möglich von Arbeiten, die andere erledigen können, entlastet. Andererseits werden den MFAs eigene Aufgabenbereiche übertragen, für die sie alleine (Impfungen, Terminvergabe Familie etc.) zuständig sind.

 

Etwas problembehaftet ist das schnelle Wachstum der Praxen und die Begrenzungen der Budgets. Das aber sieht Dr. König mit Blick in die Zukunft eher gelassen: „Wachstum ist doch besser als Schrumpfen.“

 

Und wie geht es weiter? Zum einen kümmert sich Dr. König als Neonatologe jetzt schon um die besondere Behandlung von Frühgeborenen. Für die Zukunft kann sich der Familienfan weiteren Zuwachs für die Praxis vorstellen: Ob Hebamme, Gynäkologe oder HNO-Arzt, das familycare-Konzept ist noch erweiterbar.

 

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