Donnerstag, 01. September 2016

Falldiskussion

Was passiert, wenn eine Frau während der Schwangerschaft von einer Zecke gestochen wird?
11.05.2011
Von: MT, Foto: irisblende
Artikel Nummer: 16648
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Borreliose in der Schwangerschaft

Patientin mit Erythema chronicum migrans nach Zeckenstich. 5 Wochen später: IgM-Antikörper + und 5. SSW. Die Frau lehnt die Antibiotikatherapie ab.


 

Steckbrief:

 

 

  • Z. n. Zeckenstich
  • Erythema chronicum migrans
  • IgM-Antikörper  gegen Borrelien positiv
  • IgG-AK grenzwertig
  • Schwangerschaft im ersten Trimenon



       

 

  Wie groß ist das Risiko für das Kind? Welche Therapieoptionen gibt es?

 

 

Unsere Experten Dr. Karl Oliver Kagan und Dr. Harald Abele von der Universitäts-Frauenklinik Tübingen raten in diesem Fall:

Bei Erythema chronicum migrans sind Antibiotika indiziert

Die klinische Diagnose eines Erythema chronicum migrans ist selbst bei negativer Serologie eine klare Indikation für eine Antibiotikatherapie, um eine weitere Ausprägung und eine chronische Infektion zu vermeiden. Bei einer Therapie im späteren Stadium nimmt die Rate an vollständiger Ausheilung ab.

Die Übertragung in der Schwangerschaft ist extrem selten

In der Schwangerschaft ist in extrem seltenen Fällen auch eine Übertragung der Infektion auf das Kind möglich. Bisher sind jedoch nur circa 50 Fälle beschrieben, die vor allem aus den 1980er-Jahren stammen. Ein signifikanter Zusammenhang mit Auffälligkeiten beim Neugeborenen konnte nicht gefunden werden.

Dies ist wohl auch Folge einer konsequenten antibiotischen Therapie der Borreliose. Die Patientinnen können daher beruhigt werden. Man muss aber dringend auf die Notwendigkeit der antibiotischen Therapie hinweisen, um die Schwangere zu therapieren und um das Kind zu schützen.

Penicillin verträgt auch das ungeborene Kind

Die antibiotische Therapie in der Schwangerschaft erfolgt gemäß dem Robert Koch-Institut je nach Manifestation entweder mit einem Penicillin (Amoxicillin 2 x 1000 mg oral für zwei Wochen) oder mit einem Cephalosporin (Ceftriaxon 1 x 1000 g intravenös für fünf Tage oder Cefuroxim 2 x 500 mg intravenös für einen Tag und 1 x 500 mg intravenös für weitere vier Tage). Die erwähnten Medikamente sind Mittel der ersten Wahl zur antibiotischen Behandlung in der Schwangerschaft und können als ungefährlich für das Kind erachtet werden.

Nach der Geburt das Nabelschnurblut untersuchen

Im Verlauf der Schwangerschaft sollte eine ausführliche Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, um – soweit möglich – die normale Entwicklung des Kindes zu bestätigen. Eine generelle Fruchtwasseruntersuchung ist bei einer mütterlichen Infektion mit Borrelien nicht zu empfehlen, wobei jedoch das Nabelschnurblut nach Entbindung untersucht werden sollte.

Die Borreliose folgt einem stadienhaften Verlauf

Die Borreliose verläuft normalerweise in drei Stadien: Bei der Lokalinfektion kommt es nach einer Inkubationszeit von meist 5 bis 29 Tagen zu einer Lokalinfektion der Haut, die sich als Erythema chronicum migrans äußern kann. Das Erythem verschwindet manchmal auch ohne Therapie, wobei dies nicht auf eine Heilung hinweist, da der Erreger trotzdem im Körper der Patientin gestreut sein kann.

Nach einer Latenzzeit von circa ein bis vier Monaten kommt es dann zu Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen, die eher an eine Grippe erinnern lassen. Dabei kann bereits jedes Organ – und vor allem das periphere und zentrale Nervensystem – infiziert sein. Klassisch sind die Lähmung des Gesichtsnervs N. facialis sowie radikulitische Schmerzen und von Gelenk zu Gelenk springende Beschwerden.

Durch frühzeitige Therapie eine Chronifizierung verhindern

Bei einer Chronifizierung kommt es wiederkehrend zu Symptomen, die zunehmend stärker ausgeprägt sein können. Die Erkrankung kann zu diesem Zeitpunkt alle Organsysteme betreffen, wobei die einzelnen Krankheitsverläufe sehr unterschiedlich sind. Manche Patienten klagen über Gelenkbeschwerden und manche über ausgeprägte neurologische Störungen. Aber auch eine rasche Erschöpfung und eine chronische Müdigkeit im Sinne eines „Chronic-fatigue- Syndroms“ können Symptome einer Spätmanifestation sein.

 

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