Samstag, 01. Oktober 2016

Falldiskussion

Demenz, Depression oder beides? Tests helfen bei der Diagnose

Demenz, Depression oder beides? Tests helfen bei der Diagnose

06.12.2011
Von: Elke Engels, Foto: thinkstock
Artikel Nummer: 18588
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Demenz - Auch das Labor gehört zur Demenzdiagnostik (Teil 2)

Bei einer Demenz kommt es entscheidend darauf an, das Leiden früh zu erkennen. Welche diagnostischen Tools sind für die Praxis geeignet?


Serie Demenz: Teil 1 - Teil 2 - Teil 3


Gemäß DSM IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) muss zusätzlich zu kognitiven Defiziten zum Stellen der Diagnose „Demenz“ mindestens eine weitere der folgenden Störungen vorhanden sein: Aphasie, Agnosie, Apraxie, Störung der Exekutivfunktionen, z.B. Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge.


Mit Kurztests ist die Schwere der kognitiven Einschränkungen zu ermitteln, was für die Therapie sehr entscheidend sein kann. Denn die Abstufung „leicht“, „mittelschwer“, „schwer“ hat direkten Einfluss auf die Medikation und auf die therapiebegleitenden Maßnahmen.


Als für die Praxis geeignete Demenz-Diagnose-Tests gelten z.B. der MMST (Mini-Mental-Status-Test), ein Schnelltest zur Erfassung kognitiver Störungen bei älteren Menschen, der DemTect (Demenz-Detektions-Test) zur Früherkennung und der TFDD (Test zur Früherkennung der Demenz mit Depressionsabgrenzung).

Test für die Praxis
 kostenlos abrufen

Vorteil des TFDD ist, dass damit nicht nur frühe Demenzzeichen erfasst werden, sondern mit wenig Zeit- und Arbeitsaufwand auch eine Abgrenzung gegenüber der depressiven Pseudodemenz erfolgt. Der Test nimmt etwa zehn Minuten in Anspruch und kann vom Arzt oder von geschultem Hilfspersonal erhoben werden.


• Teil 1 bezieht sich auf die Demenz und umfasst neun Aufgabenbereiche. Es werden z.B. Fähigkeiten zur Reproduktion von Wörtern, die zeitliche Orientierung, das Befolgen von Handlungsanweisungen, das Zeichnen eines Ziffernblatts sowie die Wortflüssigkeit des Patienten geprüft.

• Teil 2 erfasst eine evtl. bestehende Depression und ermöglicht die Fremd- und Selbstbeurteilung auf einer Depressionsskala mit 11 Stufen. Unter www.schwabe.de können Mappen mit Vordrucken des TFDD und eine TFDD-CD-ROM kostenlos bezogen werden. (Im Fachkreisebereich auf „Tebonin®“ klicken und danach auf „Ratgeber für Ärzte“.)

S3-Leitlinie gibt die
 Richtschnur vor

Doch mit neuropsychologischen Tests allein ist es nicht getan. Es muss auch nach potenziell reversiblen Ursachen eines Demenzsyndroms gesucht werden, heißt es in der S3-Leitlinie „Demenzen“. Dazu können z.B. Endokrinopathien, Vitaminmängel, metabolische Enzephalopathien, Vergiftungen oder chronische Infektionen gehören.


Zum Ausschluss solcher Demenzursachen wird zunächst eine entsprechende Labordiagnostik empfohlen. Die Basisparameter sind Blutbild, Elektrolyte (Na, K, Ca), Nüchtern-Blutzucker, TSH, Blutsenkung oder CRP, GOT, Gamma-GT, Kreatinin, Harnstoff und Vitamin B12. In bestimmten Fällen sollten nicht nur zusätzliche Laboruntersuchungen erfolgen, sondern auch weitere Untersuchungsmethoden eingesetzt werden, z.B. bildgebende Verfahren, EEG, Liquordiagnostik oder die Sonographie hirnversorgender Gefäße.



3 Frage - 3 Antworten

Dipl.-Psych. Dr. Siegfried Lehrl von der Universität Erlangen und Präsident der Gesellschaft für Gehirntraining e.V. steht Rede und Antwort.


Lässt sich Alzheimer vorbeugen?
Dr. Lehrl: Zumindest kann der Beginn verzögert werden. Sehr effektive Maßnahmen umfassen neben Medikamenten den Lebensstil: Bewegung, gesunde Ernährung, soziales Engagement und mentale Aktivität. Eine wichtige Rolle spielt auch die Kontrolle von chronischen Erkrankungen, die – unbehandelt – das Alzheimer-Risiko erhöhen. Dazu zählen besonders KHK, Schlaganfall und Typ-2-Diabetes. Vorbeugend hilft das Mental-Aktiv-Training. Diese Kombination wissenschaftlich fundierter Maßnahmen fördert die geistige Fitness und die damit verbundene mentale Gesundheit.
 
Wie funktioniert dieses Fitnesstraining für den Kopf?
Dr. Lehrl: Es beinhaltet als Kernbausteine das Mentale Aktivierungs-Training (MAT) und das Mentale Relaxations-Training (MRT). MAT-Übungen sorgen dafür, jemanden im Minutenbereich geistig auf Touren zu bringen, damit anschließend mentale Aktivitäten auf individuell hohem Niveau erfolgen können. MRT leitet dagegen rasche Entspannungen ein, wie sie nach getaner Kopfarbeit nötig sind, um Distress mit all seinen negativen Konsequenzen zu vermeiden. Für Einsteiger und Fortgeschrittene gibt es Übungen sowohl zum Online-Training als auch zum Ausdrucken als PDF-Dateien auf der Internetseite www.mental-aktiv.de 

Wann sollten antidementive Maßnahmen erfolgen?
Dr. Lehrl: Nach dem Resultat einer aktuellen Studie sollten antidementive Maßnahmen spätestens dann erfolgen, wenn Senioren angeben, ihr Gedächtnis habe sich verschlechtert, sogar wenn sie beteuern, es störe sie nicht. Wenn sie sich bereits über ihr Gedächtnis Sorgen machen, wird die Behandlung dringlich. Denn unbehandelt werden viele dieser älteren Menschen rasch dement. Zusätzlich zu den genannten Empfehlungen zur Lebensführung sollte daher auch eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden. Zudem ist von MAT und MRT, die grundsätzlich bei jedem, auch bei Gesunden, die geistige Fitness fördern, bei leicht- bis mittelschweren Demenzen die stärkste Wirkung zu erwarten.

 

 

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